Sind Industriemechaniker wie er beruflich eine aussterbende Art? Diese Sorge besteht gerade. Foto: Kirsten Neumann/dpa-tmn/Kirsten Neumann

Sinkende Schülerzahlen bringen mehrere Berufsschulangebote im Schwarzwald-Baar-Kreis in Gefahr. An anderer Stelle hingegen gibt es Platzmangel.

Im Bildungssektor rumort es.

 

Die regionale Schulentwicklung bei den Berufsschulen lässt die Kreisverwaltung des Schwarzwald-Baar-Kreises nicht zur Ruhe kommen.

Glaser gehen nach Karlsruhe

Dies geht aus dem Bericht von Stefan Löffler, Leiter des Amts für Schule, Hochbau und Gebäudemanagement, hervor. Im Kreisausschuss für Bildung und Soziales berichtete er, dass zum Beispiel die Entwicklung bei den Glasern an den Gewerblichen Schulen in Donaueschingen nicht so verlaufen ist, wie man das nach der Schließung des Schulstandorts in Freiburg erwartet hatte.

Entgegen der Erwartungen sind die Glaser-Auszubildenden aus dem Raum Freiburg nicht nach Donaueschingen gekommen, sondern gehen zur Berufsschule nach Karlsruhe. Der Standort Donaueschingen hatte gar nichts von der Schließung in Freiburg.

Die Glaser zieht es meist nach Karlsruhe. Foto: dpa-tmn/Franziska Gabbert

„In den Schuljahren 2022/2023 und 2023/2024 konnte die Mindestschülerzahl beziehungsweise Mindestgruppengröße nicht erreicht werden“, heißt es im Landratsamt. „Wenn wir nicht mehr Schüler nach Donaueschingen bekommen, werden wir diese Schulart verlieren“, warnte Stefan Löffler. Die Gewerblichen Schulen „unternehmen sämtliche Anstrengungen, um Auszubildende für den Glaserberuf zu gewinnen. Neben Gesprächen mit den beiden Handwerkskammern Konstanz und Freiburg sucht die Schulleitung die Ausbildungsbetriebe direkt auf.

Auch die Betriebe kämpfen

Die Betriebe kämpfen stark mit der Nachwuchsgewinnung und finden häufig keine Auszubildenden. Einige Betrieben halten eine wohnortnahe Beschulung für unbedingt notwendig, um überhaupt eine Chance auf neue Auszubildende zu haben, andere Betriebe sehen eine Beschulung in Karlsruhe unkritisch“, so die Kreisverwaltung. Nun sollen Gespräche mit den Betrieben aus Freiburg folgen, um sie von der Qualität der Ausbildung in Donaueschingen zu überzeugen.

Berufskolleg II in Gefahr

In Gefahr schwebt laut Stefan Löffler auch das Technische Berufskolleg II an den Gewerblichen Schulen Donaueschingen. Ziel des Technischen Berufskollegs II ist der Erwerb der Fachhochschulreife. Diese Schulart baut auf dem Technischen Berufskolleg I auf. An den Gewerbeschulen in Donaueschingen liegt der Schwerpunkt auf den Themen „Energie und Umwelt“ und hier vor allem auf den regenerativen Energien und Maßnahmen im Wärmeschutz.

Die Schülerzahlen schwanken laut Kreisverwaltung. Die Schülerzahlen reichten nicht aus, um das Berufskolleg II dauerhaft mit einer stabilen Größe von mehr als 16 Schülern zu füllen. Die Gewerblichen Schulen in Donaueschingen sind im Schwarzwald-Baar-Kreis der letzte Standort mit einem Technischen Berufskolleg II. „Das Regierungspräsidium hat uns aufgefordert, Lösungen zu suchen, aber wenn wir keine Schüler haben...“, gab sich Löffler etwas ratlos.

Sorge um Metall-Berufe

Einen extremen Rückgang habe es bei den Berufsschulen Metall gegeben. Hier ist laut Stefan Löffler der Standort Furtwangen in Gefahr. „Die dualen Ausbildungsberufe im Metallbereich sind im Vergleich zu früheren Jahren eher schwach frequentiert“, so die Kreisverwaltung.

Um die Werkzeugmechaniker sorgt sich mittlerweile sogar die Schulaufsicht. Foto: dpa-tmn/Christoph Schmidt

„Beschult werden sie an drei Standorten im Schwarzwald-Baar-Kreis“; in Villingen-Schwenningen, in Furtwangen und in Donaueschingen. Die Bildungsgänge für Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker und Maschinen- und Anlagenführer in Furtwangen seien laut Kreisverwaltung bereits im Hinweisverfahren der Schulaufsicht angezeigt. „Das bedeutet, dass es anhand niedriger Schülerzahlen zur Auflösung der Bildungsgänge kommen kann.“

Floristik floriert

Gut entwickelt sich laut Kreisverwaltung hingegen der Bereich Floristik an der Albert-Schweitzer-Schule. Die Albert-Schweitzer-Schule ist inzwischen die einzige Berufsschule im Regierungsbezirk Freiburg, die noch im Bereich Floristik ausbildet. Abgeben muss man die Abteilung Hauswirtschaft an den Ortenaukreis.

Floristin werden, das ist wieder angesagt. Foto: dpa-tmn/Mascha Brichta

Gastro blüht wieder auf

Eine erfreuliche Entwicklung nimmt laut Kreisverwaltung auch die Landesberufsschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe in Villingen. Hier sind die Schülerzahlen nach dem Einbruch während der Coronavirus-Pandemie wieder angestiegen. Dies führt nun dazu, dass die Auslastung des angegliederten Internats sprunghaft angestiegen ist.

Laut Stefan Löffler laufen daher gerade Machbarkeitsstudien für eine Erweiterung des Internats. In der nächsten Sitzung des Kreisausschusses für Bildung und Soziales im Oktober sollen die untersuchten Standorte mit entsprechenden Kostenschätzungen vorgestellt werden.

Angebote für schwache Schüler

Einen wachsenden Bedarf gibt es laut Stefan Löffler beim Bildungsangebot „AV Dual“ (der Begriff steht für „Ausbildungsvorbereitung dual“). Zielgruppe sind hier Schüler mit und ohne Schulabschluss, die im Anschluss an den Besuch der allgemeinbildenden Schule noch Unterstützungsbedarf haben.

Das Angebot „AV Dual“ habe laut Stefan Löffler Erfolg. Im Schuljahr 2022/23 nahmen 50,3 Prozent der Absolventen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis eine Berufsausbildung auf. Die aktuellen Kapazitäten an der Albert-Schweitzer-Schule Villingen-Schwenningen, an den Kaufmännischen Schulen Villingen-Schwenningen, an der Gewerbeschule Villingen-Schwenningen, an den Kaufmännischen und Hauswirtschaftlichen Schulen Donaueschingen sowie an der Robert-Gerwig-Schule Furtwangen können laut Stefan Löffler den Bedarf aber nicht mehr abdecken. So gab es nun von der Kreisverwaltung den Vorschlag, an den Gewerblichen Schulen Donaueschingen einen weiteren „AV Dual“-Standort zu schaffen. „So wäre es möglich, neben dem hauswirtschaftlichen Profil an der KHS Donaueschingen das gewerblich-technische Profil auch im südlichen Teil des Landkreises anzubieten“, so die Kreisverwaltung.

Auf die Frage von Walter Klumpp (Freie Wähler), woher der hohe Bedarf beim Angebot „AV Dual“ komme, antwortete Stefan Löffler, dass dies inzwischen an den Schulen als gute Chance für schwächere Schüler beworben wird.

Hans-Joachim von Mirbach (Grüne) äußerte sich zu den Ausbau-Ideen für das Internat in Villingen. „Wir rechneten nicht damit, dass das Internat eine solche Rolle einnimmt“, so von Mirbach beeindruckt. Das Internat sei aber ein Pfund für den Schulstandort Villingen und auch für den Schwarzwald-Baar-Kreis.