Der Neubau der Trossinger Löhrschule wird um ein Jahr verschoben, weil die Planungen länger dauern als bei der Erweiterung des Gymnasiums. Die Kinder und Jugendlichen können deshalb erst im Jahr 2030 umziehen. Dafür gibt es im nächsten Jahr außerplanmäßig 100 000 Euro für eine Behebung der gröbsten Mängel. Foto: Löhrschule

Weil die Planunterlagen für die Erweiterung des Gymnasiums schneller fertig sind als für den Neubau der Löhrschule, muss die Trossinger Werkrealschule noch etwas warten. In welchem Dilemma die Stadt bei der Planung steckt, wurde in der Sitzung klar.

Der Trossinger Gemeinderat legte die Prioritäten für Investitionen an den Schulen fest.

 

Wider Erwarten wird der Neubau der Löhrschule nochmal um ein Jahr verschoben, jedoch sollen auf Vorschlag von Bürgermeisterin Susanne Irion als Sofortmaßnahme 100 000 Euro in die Sanierung der Löhrschule gesteckt werden.

Damit will man erreichen, dass die Werkrealschüler in der Löhrstraße in den nächsten fünf bis sechs Jahren bis zum Umzug in einigermaßen vertretbaren Verhältnissen unterrichtet werden können.

Schon lange bekannt

Dass die Löhrschule sanierungsbedürftig ist, weiß man im Rathaus schon seit vielen Jahren. Ausgemacht ist aber auch seit Jahren, dass die Löhrschule am Schulcampus von Realschule und Gymnasium, wo bereits heute rund 1100 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, neu gebaut wird. Das Gebäude der Löhrschule soll danach renoviert werden und für die Rosenschule zur Verfügung stehen.

Bürgermeisterin und Gemeinderat standen vor einem Dilemma: Die Stadt darf jedes Jahr nur ein Schulbauprojekt beim Land für die Förderung einreichen. Doch im Rathaus ist man planerisch einfach noch nicht so weit, um den Neubau der Löhrschule einreichen zu können. Voraussetzung für alle Schulbaumaßnahmen ist ein vom Regierungspräsidium genehmigtes Raumprogramm.

Gymnasium wird vorgezogen

Der Gemeinderat beschloss, die Erweiterung des Gymnasiums vorzuziehen. „Wir arbeiten parallel am Raumprogramm zur Vergrößerung der Realschule und Verlagerung der Löhrschule“, versicherte Ralf Sulzmann, Dezernatsleiter bei der Stadtverwaltung.

Hinzu kommt die nach Ansicht der Stadtverwaltung notwendige Erweiterung der Realschule am bestehenden Standort. Die Verwaltung strebt an, auch hierfür ein Raumprogramm zu erhalten, sodass Planung und Realisation von Neubau Löhrschule und Erweiterung Realschule ineinander greifen.

Gymnasium „einfacher zu planen“

Dass nun die Erweiterung des Gymnasiums zuerst für die Schulbauförderung eingereicht wird, hat laut Ralf Sulzmann alleine diesen Grund: „Das Gymnasium ist einfacher zu planen als der Neubau. Beim Gymnasium kommt ein Zug dazu, also in jeder Stufe eine Klasse mehr.“ Die Erstellung des Raumprogramms für den Ersatzbau der Löhrschule sei einfach komplexer.

Bürgermeisterin Susanne Irion versicherte, dass man auch die Notwendigkeit sieht, einen Ersatzbau für die Löhrschule schnellstmöglich zu errichten. Dem Gymnasium räume man aber Vorrang ein, weil nicht nur die Planungen schneller fertiggestellt werden können, sondern auch weil die gestiegenen Schülerzahlen dies erfordern. Zudem könne man das Raumprogramm ohne weitere Abhängigkeit von anderen Schulen erstellen.

„Haltlose Zustände“

Wie sehr den Stadträten die Löhrschule am Herzen liegt, machte beispielsweise Ingo Hohner (Freie Wähler) deutlich: „Das sind haltlose Zustände an der Löhrschule, seit ich im Gemeinderat bin, redet man darüber, dass die Löhrschule umziehen muss, aber man schiebt und schiebt. Ich habe damit große Probleme, gegenüber der Lehrerschaft zu kommunizieren, dass wir den Neubau wieder verschieben“.

So seien bei einem Sturm schon die Fenster an der Löhrschule hereingefallen – und das während einer Prüfung. Sandra Kurz vom Hochbauamt der Stadt entgegnete, die Fenster seien ausgetauscht worden und auch Malerarbeiten habe man in der Löhrschule vorgenommen. „Beim Gymnasium reichen die Klassenzimmer nicht“, hielt Bürgermeisterin Susanne Irion entgegen. Momentan sind dort 710 Schüler gemeldet, mit der Umwandlung von einem achtjährigen in ein neunjähriges Gymnasium steige zusätzlich der Raumbedarf. Das G9 wird in Baden-Württemberg ab September 2025 eingeführt, beginnend mit den Klassen fünf und sechs.

Politische Entscheidung gefallen

Zudem wies die Bürgermeisterin darauf hin, dass in Baden-Württemberg die politische Entscheidung gefallen sei, den Werkrealschulabschluss zum Schuljahr 2030/31 abzuschaffen. Grund dafür war, dass landesweit die Zahl der Schüler, die einen Werkrealschulabschluss gemacht haben, innerhalb von zehn Jahren von 12 000 auf 4000 gesunken ist. Der Werkrealschulabschluss wird in allen Bundesländern als mittlerer Bildungsabschluss (wie ein Realschulabschluss) anerkannt.

Die offene grüne Liste (OGL) hatte durch Gerhard Brummer beantragt, der Löhrschule Priorität einzuräumen. „Wir glauben, dass an dieser Schule soviel dranhängt, dass die Stadt das zuerst angehen muss“, hatte Brummer den Antrag begründet. Bürgermeisterin Susanne Irion machte deshalb den Kompromissvorschlag, das Gymnasium zwar auf Nummer eins der Prioritätenliste bei der Beantragung der Schulbaufördermittel zu setzen, dafür aber als Sofortmaßnahme 100 000 Euro in die provisorische Sanierung der Löhrschule zu stecken. Einstimmig folgte der Gemeinderat dieser Empfehlung.

Das Gymnasium werde priorisiert, „aber nicht, weil uns diese Schule mehr Wert ist“, so die Bürgermeisterin, sondern weil die Planung schneller umzusetzen ist. Mit der Sanierung der Löhrschule schon 2025 könne den Schülern dort „etwas mehr Qualität“ geboten werden.

Der Zeitplan

Die Löhrschule (Werkrealschule):
Geplant ist, dass 2025 das Raumprogramm für den Ersatzbau am neuen Standort bei der Realschule (Schulzentrum) festgelegt wird. Danach kann dann der Wettbewerb zur Ermittlung eines Planers in einem Vergabeverfahren ausgelobt werden, was wiederum sechs Monate Zeit kostet – dies ist für das Jahr 2026 vorgesehen. Dem schließt sich die Planungsphase durch das externe Architektenbüro an, für die im Jahr 2027 neun Monate veranschlagt werden. Liegen die Pläne vor, kann noch 2027 der Antrag auf Schulbauförderung beim Land gestellt werden, sodass dann 2028 mit dem Bau begonnen werden kann. Mit der Fertigstellung der Erweiterung ist dann im Jahr 2030 zu rechnen. Gymnasium
  Beim Gymnasium sind das Vergabeverfahren für das Planungsbüro und die Antragstellung für die Schulbausanierung bereits erfolgt, 2025 wird mit dem Regierungspräsidium das Raumprogramm für die Erweiterung des bisherigen G8-Gymnasiums durchgesprochen, wobei man versucht, zusätzlich auf ein G9-Gymnasium aufzustocken. 2025 soll dann die Detailplanung für das Gymnasium erfolgen, 2026 wird der Antrag auf Schulbaufördermittel gestellt und 2027 ist Baustart der Erweiterung des Gymnasiums. Bezugsfertig wäre der Erweiterungsbau 2029, also ein Jahr vor der neuen Löhrschule. Im Moment laufen Sanierungsarbeiten am Gymnasium im laufenden Betrieb. Bei der Vergabe der Planungsarbeiten für den so genannten Turm am Gymnasium wurde darauf geachtet, dass die Planer auch für die spätere Erweiterung beauftragt werden können. Damit verschafft man sich einen Zeitvorteil, da das Vergabeverfahren für Planungsleistungen alleine sechs Monate dauert. Was geschieht mit der „alten“ Löhrschule nach dem Umzug der Werkrealschule?
Für die Sanierung der „alten“ Löhrschule wird 2028 das Raumprogramm zur Genehmigung beim Regierungspräsidium eingereicht, 2029 soll dann der Antrag zur Schulbauförderung gestellt werden, 2028 ist Baubeginn und 2030 Fertigstellung. In das Gebäude soll die Rosenschule (Grundschule) ziehen, im Rosenschulgebäude soll ein Kindergarten eröffnet werden.