Bernhard Broghammer, Abteilungsleiter Berufskolleg sowie Sozial- und Gesundheitswissenschaftliche Gymnasium (von links) mit den Erst-SG-Abiturienten Marah Klausmann, Jessica Naumann, Julian Wolf, Ashley Breiter und Vivien Schwarz. Foto: Riesterer

Seit drei Jahren gibt es an den beruflichen Schulen Schramberg in Sulgen die Möglichkeit, das Sozial- und Gesundheitswissenschaftliche Gymnasium mit Profil Gesundheit zu besuchen – nun gibt es den ersten Abi-Jahrgang.

Schramberg-Sulgen - Abgekämpft – aber doch sichtlich zufrieden kommen Marah Klausmann, Jessica Naumann, Julian Wolf, Ashley Breiter und Vivien Schwarz am Montagnachmittag zum Pressegespräch. Kein Wunder: Die Abiturienten des Sozial- und Gesundheitswissenschaftlichen Gymnasiums mit Profil Gesundheit (SGGG) bei den beruflichen Schulen in Sulgen hatten soeben mit Mathematik ihre letzte (und in diesem Fachbereich verständlicherweise nicht unbedingt beliebteste) Abiprüfung geschrieben. Nun stehen nach den Pfingstferien noch einige Unterrichtseinheiten an, ein paar letzte Klassenarbeiten – und dann sind sie offiziell Teil des ersten Abiturjahrgangs ihres Schwerpunkt in Sulgen.

Allgemeine Hochschulreife

14 Schüler sind sie insgesamt zusammen mit ihren Klassenkameraden – im gymnasialen Schwerpunkt Umwelttechnik, der in Sulgen ausläuft (wir berichteten), sind es elf. Die nicht wesentlich höhere Zahl des SGGG-Jahrgangs kann Broghammer erklären: "Teils gehen die Schüler schon nach der Kursstufe 1 mit der Fachhochschulreife ab, andere wiederholen das letzte Jahr freiwillig wegen Corona." Im Jahrgang unter den Abiturienten sind es 22 Schüler im SGGG, in der Eingangsklasse, die vergangenen Herbst gestartet ist, gar 29. Trotz des jährlichen Anstiegs der Zahlen gibt es für den Start im kommenden Herbst noch Plätze am Sulgener SGGG: "Nachbewerbungen sind noch möglich", betont Broghammer.

Vor drei Jahren waren die fünf Schüler aus unterschiedlichen Gründen nach Sulgen gekommen: "Ich wollte damals schon in den Pflegebereich", erinnert sich Breiter. Mit Respekt vor der Verantwortung, die der Pflegebereich mit sich bringt, entschied sich die damals 16-Jährige aber dazu, erst den schulischen Weg zu gehen – und dabei eben schon den richtigen Schwerpunkt zu haben. "Das ist der Vorteil berufliches Gymnasium", so Broghammer, "Man kann in ein Profil hineinschnuppern, hat aber mit der allgemeinen Hochschulreife dennoch danach die Möglichkeit, auch etwas anderes zu machen."

Die meisten bleiben im Gesundheitsbereich

Während der drei Jahre Vollzeitunterricht in Sulgen belegen die Schüler nämlich ebenso Fächer wie Deutsch, Englisch, Geschichte mit Gemeinschaftskunde die natur-wissenschaftlichen Klassiker" wie Physik oder Chemie sowie Informatik oder Sport – aber eben auch das sogenannte Profilfach. Dieses wird, erklärte Broghammer seinen noch-Schülern, nach einer Reform ab kommendem Jahr nicht mehr "Gesundheit und Pflege", sondern "Gesundheit und Biologie" heißen.

Wie Breiter hätte sich auch Julian Wolf, der schon Ende 2018 langfristig im Sport-und Gesundheitsbereich landen wollte, den Besuch eines ernährungswissenschaftlichen Gymnasiums vorstellen können – diese Alternative gab es allerdings seinerzeit nicht mehr: "Meine Schwester war auch in Sulgen auf dem Gymnasium und hat es mir empfohlen. Hier habe ich mir nun nach der Realschule in gutes Fachwissen aufgebaut. Ich habe es nicht bereut", sagt er. Das möchte er nun bei einem dualen Studium der Fitnesswissenschaft und Fitnessökonomie weiterverfolgen.

"Ihrer" Fachrichtung möchten nach dem Abitur die meisten SGGG-Abiturienten treu bleiben: Klausmann hat vor, nach einem freiwilligen sozialen Jahr in den medizinisch- sozialen Bereich zu gehen, Schwarz, die auch Mitglied im Roten Kreuz ist, wird eine Pflege-Ausbildung machen und kann sich langfristig auch ein Medizinstudium vorstellen.

Unabhängig von ihren Plänen haben die Fünf auch im Alltag einiges Nützliches parat: "Man findet da immer wieder Anwendungen", so Naumann. "Wir haben vieles darüber gelernt, wie der Körper funktioniert und können auch mal unseren Eltern erklären, warum es hie und da zwickt", ergänzt Wolf.

Abitur zu Coronazeiten: Kein Nachteil

Das Abitur in Coronazeiten sei schon eine Herausforderung gewesen; vor allem die Themen, die für die Prüfungen relevant sind, aber zu Lockdown-Zeiten dran waren oder als die digitalen Homeschooling-Angebote nicht so ausgereift waren, sei es oft schwer gewesen. Auch das Lehren, so Broghammer, sei wegen der fehlenden Reaktionen und Interaktionen nicht einfach gewesen.

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Doch gerade weil sie sich auch viel Stoff selbst aneignen mussten, sehen sie keine Problematik, dass ihr Abitur einmal als "weniger anerkannt" gelten könne. So hätten sie sich, betont auch Broghammer, das selbstständige und lösungsorientierte Lernen angeeignet, das sich später an Hochschulen oder in Bewerbungsgesprächen als durchaus wertvolle Kompetenz angesehen. Und bis dahin können die fünf und ihre Klasse stolz sein auf ihr Abi mit dem Motto "Abipunktur – Jeder Punkt kostet Nerven."

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