An der GWRS Sulgen werden die Räume knapp – eine Herausforderung für die Stadt Schramberg. Foto: Fritsche

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026 ist beschlossen und wird kommen. Nun berichtet die Stadt, was dafür vor Ort angegangen werden muss. Stichworte: Raumnot an der GWRS Sulgen oder fehlende Mensa an der Berneckschule.

Schramberg - Der Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder ist mit Blick auf den bundesweiten Rechtsanspruch, der ab 2026 stufenweise eingeführt wird, "eine der zentralen bildungspolitischen Herausforderungen der nächsten Jahre", heißt es in einer Vorlage für den Gemeinderat von der städtischen Schul- und Kitaverantwortlichen Kerstin Flaig. Das Thema steht morgen, Donnerstag, 30. Juni, auf der Tagesordnung. Das mit dem Rechtsanspruch verbundene Ziel sei es, eine Betreuungslücke zu schließen, die nach der Kita-Zeit für viele Familien entsteht, sobald die Kinder eingeschult werden. Das Paket startet 2026/27 mit Klasse 1 und soll Schritt für Schritt bis 2030 auf alle Grundschul-Stufen ausgeweitet werden.

Nicht überall, aber erreichbar

Der Anspruch, erläutert Flaig zu den Rahmenbedingungen, wird sich an fünf Schulwochentagen (Montag bis Freitag) auf acht Zeitstunden erstrecken und über die 38 Schulwochen hinaus auch in zehn der 14 Schulferienwochen bestehen. Es müsse zwar nicht an jeder Grundschule erfüllt werden, für Eltern und Kinder müssten die Angebote aber "in zumutbarer Entfernung erreichbar" sein. Gebühren könnten erhoben werden, soweit sie nicht der Schulpflicht unterliegen. Als dringliche Handlungsfelder nennt Flaig unter anderem auszumachen, wie viele Betreuungsplätze überhaupt zu schaffen sind, stets genügend Fachkräfte zu haben, die Investitions- und Betriebskosten finanzieren oder die Qualität der Betreuung sicherstellen zu können.

Berneckschule: Mensa-Problem

Mit dem Blick auf den aktuellen Stand in Schramberg beginnt Flaig mit der Berneckschule – bereits Ganztagsschule in Wahlform. Mittagessen gebe es im ehemaligen Begegnungsraum am Gymnasium im Schichtbetrieb – was schon länger nur als Zwischenlösung feststehe. Ziel sei "in den nächsten Jahren", Raum für eine eigene Mensa zu schaffen. Mit den etwa 150 Essen am Tag sei die Kapazitätsgrenze erreicht, einige Schüler müssten bereits in die Gymi-Mensa ausweichen. Die Betreuung ohne eigene Mensa sei künftig kaum noch zu bewältigen.

In kürzlich erworbenen Räumen in der nahen Berneckstraße 9 könnte ein Spiel-/Ruhebereich eingerichtet werden, was wiederum im bisherigen Bewegungsraum Platz für eine Mensa frei machen könnte. "Alternativ wäre auch ein Anbau einer Mensa an den Modulbau denkbar", so Flaig. Die Entscheidung zur Berneckschul-Mensa soll, schlägt die Verwaltung vor, im Rahmen der Haushaltsplanberatungen für 2023 getroffen werden.

GWRS Sulgen: Raumproblem

Wegen steigender Schülerzahlen und steigender Nachfrage nach ergänzenden Betreuungsangeboten vor allem in der Verlässlichen Grundschule wird auch der Platz an der Grund- und Werkrealschule (GWRS) Sulgen zu knapp, so Flaig. "Bereits ab dem kommenden Schuljahr müssen Kompromisse bei Raumbelegungen eingegangen werden." Seit der Einführung der Wahl-Ganztagsschule sei die Mensa provisorisches Klassenzimmer, zudem belegten einige außerschulische Partner mehrere Räume. Eine Raum-Lösung für alle Beteiligten sei das Ziel.

Wegen des kommenden Rechtsanspruchs, der damit verbundenen Zeitschiene und der Komplexität der Aufgabenstellung schlage die Verwaltung vor, für die GWRS Sulgen baldmöglichst eine Gesamtkonzeption mit externer Begleitung erstellen zu lassen. Darin soll neben dem GWRS-Areal die angrenzende Turn- und Festhalle (wo mittelfristig auch Sanierung oder Neubau ansteht) betrachtet und mögliche Synergien aufgezeigt werden. Auch "kurzfristige Optimierungsmaßnahmen" sollen beleuchtet werden. Um für das Schuljahr 2023/24 erste Maßnahmen umsetzen zu können, soll der Gemeinderat direkt außerplanmäßige Mittel in Höhe von 80 000 Euro zur Verfügung stellen.

Grundschulen Tennenbronn und Waldmössingen

Die Grundschule Tennenbronn ist eine Halbtagsschule mit ergänzendem Betreuungsangebot vor und nach dem Unterricht bis 14 Uhr. Dieses Angebot werde immer häufiger in Anspruch genommen. Wie groß der Bedarf an einem Ganztagsangebot künftig sein wird, sei noch offen. Raumkapazität hierfür dürfte aber nach aktueller Einschätzung ausreichend vorhanden sein, so Flaig.

Auch in Waldmössingen gibt es eine Halbtagsschule mit ergänzendem Betreuungsangebot vor und nach dem Unterricht bis 14 Uhr. Die Essenssituation sei derzeit "eher provisorisch gelöst". Wie groß der Bedarf an einem Ganztagsangebot künftig sein wird, sei ebenfalls noch offen. Sollten die Essenszahlen weiter steigen, wären mittelfristig eine Mensalösung und gegebenenfalls weitere Betreuungsräume erforderlich.

Info: Fördermöglichkeiten

Kerstin Flaig zählt zum Aspekt "Finanzierung der Investitions- und Betriebskosten" in der Vorlage die Bundes-Förderstufen auf:

Beschleunigungsprogramm: Von dem mit 750 Millionen Euro bundesweit dotierten Programm entfielen 97,6 Millionen Euro auf Baden-Württemberg. Etwa 39 Millionen davon können, so Flaig, aufgrund der Kürze der Antragsfrist nicht vergeben werden, weil die eingegangenen Förderanträge hierfür nicht reichen und weitere Anträge aufgrund der abgelaufenen und nicht verlängerten Antragsfrist (30. Juni 2021) nicht eingereicht werden können.

Basis- und Bonusprogramm: Dabei werden weitere 359 Millionen Euro für das Land zur Verfügung stehen. Die Förderrichtlinie ist Mitte 2022 zu erwarten. Diese Landesrichtlinie, so die Abteilungsleiterin, wird auf einer Vereinbarung des Bundes mit den Ländern gründen, die sich in Abstimmung befindet. Baden-Württemberg kann derzeit die vorgesehenen Kriterien für die Mittelbewilligung nicht erfüllen, weil die Schulbetreuung nicht unter gesetzlicher beziehungsweise schulischer Aufsicht steht. Es bleibe abzuwarten, wie der Bund nun reagiert. Der Förderzeitraum sei bis Ende 2027 vorgesehen, die Maßnahmen bis 30. Juni 2028 abzurechnen.

Gefördert werden soll der Ausbau aller ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote, soweit dadurch Betreuungsplätze oder räumliche Kapazitäten geschaffen oder erhalten werden. Inwieweit die Stadt von diesen Programmen profitieren könne, sei noch ungewiss und hänge von der konkreten Förderausgestaltung und einer eventuellen Überzeichnung der Fördertöpfe ab. Gerade deshalb sei es wichtig, "frühzeitig konkrete erforderliche Maßnahmen vorzubereiten, um dann, wenn ein Zeitfenster für eine Förderung aufgeht, zügig entsprechende Förderanträge stellen zu können", betont Flaig.