Dem dummen Einpauken von meist politisch vorgegebenen Lehrstoffen müsse man etwas entgegensetzen, meint unser Leser Rolf Körver. Dabei gäbe es pädagogische Konzepte, dies das bereits erfolgreich tun.
A. Schleicher ist in seiner Kritik am deutschen Schulsystem falsch verstanden worden. Seine Aussage kann nicht als Lehrerschelte interpretiert werden, sondern bezieht sich auf das noch heute wesentlich praktizierte dumme Einpauken von meist politisch vorgegebenen Lehrstoffen.
Das Aktivieren des Verstandes der Schüler zum selbstständigen Auffinden von intelligenten Lösungsansätzen einschließlich kritischer Begegnung mit Lehrmeinungen unterbleibt im deutschen Schulsystem.
Nie die Wahrheit erkennen
Hier bezieht sich Schleicher auf ein modernes Weltbild, das in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts durch den „Unvollständigkeitssatz“ von K. Gödel aufgezeigt worden ist. Danach ist die Welt als andauernder Prozess ohne eine vorgegebene Ordnung mit nicht eindeutig bewertbaren Zuständen zu verstehen.
Der Mensch wird dadurch niemals die eindeutige Wahrheit erkennen können. Der Satz bezieht sich dabei auf Paradoxien, wie z. B. der „Freiheit des Christenmenschen“ und ist Grundlage der modernen Mathematik.
Kreatives Denken wichtig
Er ist auch leicht einzusehen, da bei einer grundsätzlichen Ordnung der Welt kein Veränderungsprozess eingeleitet werden kann. Das Leben würde in einem vorgegebenen Zustand verharren.
Daraus leitet sich für das Schulsystem ab, dass die Schüler zu einem Bewusstsein erzogen werden müssen, das kreatives Denken zum Auffinden von Lösungen und Abstimmung dieser im sozialen Kontext umfasst. Offensichtlich steht dieser Ansatz im völligen Widerspruch zu den Vorstellungen der Wissenschaftsministerin.
Da wundert es nicht, dass das Schulsystem wie auch die Wirtschaft vor einer baldigen Bankrotterklärung stehen. Hier sind tatsächlich die Lehrer gefragt, um ein modernes Weltbild zu vermitteln. Das Waldorf- und das Montessori-Konzept gehen bereits in die richtige Richtung.
Rolf Körver, EpfendorfSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.