Die Ganztagsbetreuung und der Wegfall der Werkrealschule stellen enorme Herausforderungen dar. Eine Millionenförderung erhält die Erich-Kästner-Schule.
In der Schullandschaft steht mit dem Umzug der Realschule in ihren Neubau am Buchberg 2026 eine große Veränderung an. Doch nicht nur beim größten Einzelbauprojekt der Stadtgeschichte befindet sich die Bildung im Wandel. Auch an anderen Schulen wird gebaut und umstrukturiert. In Teilen gewollt und geplant, stellenweise auch auferlegt durch politische Reformen. „Das Frühjahr wird sehr spannend für uns“, sagt Sandra Reich, Amtsleiterin Bildung und Soziales, bei der Vorstellung des Bildungsberichts 2025 im Hauptausschuss des Gemeinderates.
Für Schulen und Stadt laufen nämlich die Vorbereitungen auf den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen, der ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise in Kraft tritt. Von „enormen Änderungen in der Schullandschaft“ spricht Reich. Wie genau die Umsetzung laufen soll, wird sich jedoch erst noch zeigen. „Der Rechtsanspruch beschäftigt uns enorm, weil vieles noch unklar ist“, so Reich. Viele Fragen, wie etwa auch die nach der Finanzierung, müsse das Land noch beantworten.
Daneben beschäftige das Bildungswesen in der Stadt vor allem der Wegfall der Werkrealschule an der Eichendorffschule, so Amtsleiterin Reich weiter. Im Zuge der Bildungsreform 2025 hatte das Land beschlossen, den Werkrealschulabschluss bis zum Jahr 2030 auslaufen zu lassen. Alle Kinder, die im Schuljahr 2024/25 auf eine Werkrealschule kamen, können die Abschlussprüfungen noch ablegen. Für alle, die später in die fünfte Klasse kamen und kommen, gibt es diesen Schulweg nicht mehr.
Die Eichendorffschule muss wegen der Reform enorme Veränderungen in die Wege leiten, berichtet Konrektor Heiko Keller vor dem Hauptausschuss. Aktuell besuchen 515 Kinder die Eichendorffschule, anteilig etwa zur Hälfte je die Grundschule und Werkrealschule. „Wir haben uns über die Attraktivität unserer Schulart Sorgen gemacht“, so Keller, der die Änderungen in den vergangenen zwei Jahren kommissarisch als Rektor begleitet hat.
Eichendorffschule Plus
Dabei haben Keller und sein Team ein neues Modell namens Eichendorffschule Plus entwickelt. Damit gibt es zwar nur noch den Hauptschulabschluss, es soll allerdings die Eigenständigkeit erhalten und eine klare Abgrenzung zur Realschule schaffen. Mit Erfolg, denn wie Keller berichtet, seien bislang keine Kinder durch die Reform abgesprungen.
Im Zentrum der Anpassungen steht das Ziel, das verbliebene Angebot zu verbessern und den Hauptschulabschluss wieder aufzuwerten – auch im Rahmen des neuen Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Bereits etabliert ist ein breites Angebot an Arbeitsgemeinschaften am Mittag, das laut Keller gut in Anspruch genommen wird. Außerdem wird die Berufsorientierung ausgeweitet, etwa mit Patenschaften und Praktika bei Unternehmen.
Zusätzliche Stunden für Neuntklässler
Zusätzliche Stunden für einen guten Abschluss bekommen die Schüler der neunten Klasse, damit auch ein möglicher Übergang zur mittleren Reife an einer Realschule noch besser vorbereitet ist. Mit dem neu entwickelten Raumkonzept sieht Keller die Eichendorffschule gut gerüstet, um die Ganztagsbetreuung zu stemmen. Platzbedarf gibt es laut dem Bericht von Amtsleiterin Sandra Reich nur in der Mensa, deren Erweiterung die Stadt beschäftigen wird.
Grundschüler brauchen mehr Platz
Anders sieht die Lage in der Erich-Kästner-Schule aus. Soll die Ganztagsbetreuung gelingen, brauchen die Kinder mehr Platz, sagt Schulleiterin Gabriele Lindemann dem Hauptausschuss. Unterstützung bekommt die Schule vom Land. Seit dem laufenden Jahr ist die Erich-Kästner-Schule Teil des Startchancen-Programms. „Dafür kann man sich nicht bewerben“, so Lindemann. „Schulen werden aufgrund verschiedener Kriterien ausgewählt.“ 540 Institutionen sind in Baden-Württemberg Teil des Programms. Eine Rolle bei der Auswahl spielen Faktoren wie die Kaufkraft der Familie, die Anzahl von Bürgergeldempfängern oder der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. Das Programm sieht vor, dass Schulen über einen Zeitraum von neun bis zehn Jahren festgesteckte Ziele erreichen. So etwa die messbare Stärkung der Kompetenzen der Kinder in Deutsch und Mathematik. Teil des Programms ist ein einmaliger Zuschuss von 1,7 Millionen Euro für bauliche Maßnahmen. „Uns wurde gesagt, dass das Geld möglichst schnell abgerufen werden soll, denn man wisse nicht, wie lange es da ist“, sagt Lindemann. Mit dem Zuschuss würde die Schule gern anbauen. Baumaßnahmen müsste die Stadt als Träger auf den Weg bringen.
Stelle für Schulsozialarbeit
Außerdem möchte Lindemann noch eine Stelle für die Schulsozialarbeit schaffen. „Wir brauchen die Stelle dringend“, appellierte sie vor den Gemeinderäten. Dafür steht in der Theorie auch Geld aus einer anderen Säule des Startchancen-Programms bereit. Laut Lindemann reicht das für die Stelle jedoch nicht aus und müsste mit etwa 15 000 Euro von der Stadt unterstützt werden.
Recht auf Betreuung
Ab dem Schuljahr 2026/27
wird Stück für Stück das bundesweite Recht auf Ganztagsbetreuung etabliert. Demnach sollen zunächst alle neuen Erstklässler statt bisher fünf Stunden nun Anspruch auf täglich acht Stunden Betreuung in der Grundschule bekommen. Ab dann wird die Ganztagsbetreuung stufenweise weiter ausgerollt, bis diese zum Schuljahr 2029/30 dann auf alle vier Grundschulklassen ausgeweitet ist. Der Anspruch gilt auch während Schulferien.