Laura Fischer hat als Nachfolgerin von Martina Müller-Dobutowitsch das Rektoratsbüro der Sprachheilschule bezogen. Wir haben sie besucht.
Still ist es im Schulhaus in diesen Tagen: Die rund 100 Kinder sind in den Sommerferien. Die fallen für Laura Fischer heuer kürzer aus: als frisch gebackene Schulleiterin hat sie einiges zu verwalten, Fortbildungen sind auch angesetzt in der Ferienzeit. Fischer fuchst sich ein in den neuen Posten und die Aufgaben, die es auf Verwaltungsseite gibt.
„Wie viele Stunden darf ich noch unterrichten?“ Das war die erste Frage, die Fischer ihrer Vorgängerin stellte, als diese die Sonderpädagogin bat, den Posten zu übernehmen. Zehn sind es geblieben, drei Monate hat Fischer sich Zeit genommen, unzählige Gespräche geführt, dann hat sie ihren Hut in den Ring geworfen.
Eine Tasche voller Power
„Ich mache diesen Job mit dem Kollegium“, sagt Fischer und betont das Wort „mit“ nachdrücklich. „Ich habe ein Fallnetz“, meint sie weiter. „Deswegen traue ich mich.“ Sie wisse, dass ihr niemand den Kopf abreiße, wenn etwas nicht rund laufe. „Ich bin entspannt, aber ich gehe nicht unbedacht an meine Aufgabe ran“, sagt die 30-Jährige.
Am Prüfungstag sei sie mit einer Tasche voller Power von den Kollegen losgegangen. Der Inhalt: jede Menge Glücksbringer der Kollegen. „Eine Kollegin hat mir sogar ein Armband gefertigt mit lauter Steinen mit unterschiedlichen Bedeutungen.“ Fischer strahlt und erklärt damit folgendes: „Was wir an Schulgemeinschaft haben ist ein großes Privileg.“
„Das ist eine Parallelwelt“
Laura Fischer wurde in Balingen geboren und ist in Rottweil aufgewachsen. Ihren Mann hat sie kennengelernt, als beide 16 Jahre alt waren. „Er hat nach meiner Entscheidung gesagt: ’Ich wusste es’“, erinnert sich die junge Frau und lächelt. Die Bedenken, dass er seine Gattin gar nicht mehr zu Gesicht bekäme, die waren schnell zerstreut. Auch er hat lange Arbeitstage in der Automobilbranche.
Nach dem Abi entschied sich Fischer für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Sie war in einem Wohnheim für Jugendliche mit Beeinträchtigungen eingesetzt. Die ersten Berührungen mit Kindern mit Beeinträchtigungen waren das. „Das ist eine Parallelwelt, aber eine sehr bereichernde“, sagt sie mit Nachdruck.
„Ich brauche Geduld mit mir selbst“
Studiert hat Laura Fischer Sonderpädagogik in Ludwigsburg. Schon zu Schulzeiten hätten die Lehrer ihren Eltern prophezeit, dass sie Lehrerin werden wird. Schon früh hat sie Nachhilfe gegeben und war Tennistrainerin.
Nach dem Referendariat in Pforzheim bekam sie 2022 ein Deputat an der Sprachheilschule. Sie liebt ihren Beruf, das hört man ihr an. Dass nun viele Verwaltungsaufgaben dazu gehören, sei eigentlich gut: Organisation und Struktur würden ihr auch liegen. „Ich kann das auch auf die Spitze treiben und dann machen sich die Kollegen auch mal lustig.“ Fischer muss selbst lachen. Was sie jetzt brauche sei „Geduld mit mir selbst.“
Fischer und ihr Mann leben in Dotternhausen. Dort haben sie ein Haus gekauft, das sie renovieren. In den vergangenen, durchaus stressigen Monaten, habe sie eine alte Leidenschaft wieder entdeckt: das Lesen. „Ich habe gelernt, Zeit für mich in Ruhe zu schätzen.“
Hier sieht sie sich in Zukunft
Auch hat sie wieder mit dem Tennisspielen angefangen. Im Jugendalter trat sie bei zahlreichen Turnieren an. Außerdem sei sie ein absoluter Familienmensch. „Die Zwillingsschwester meines Mannes hat Zwillinge bekommen.“
Wo sieht Laura Fischer sich in einigen Jahren? „Genau hier“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Ich möchte viele, viele Jahre mit diesem Team arbeiten.“