Clemens Schmidlin leitet die Volkshochschule Calw. Bislang ist dort auch Bad Liebenzell Mitglied. Foto: Felix Biermayer

Bad Liebenzell gehört zur Volkshochschule (VHS) Calw. Leiter Clemens Schmidlin erklärt im Gemeinderat, was die Stadt davon hat – und warum sie dafür weiter zahlen sollte.

In Bad Liebenzell denkt der Gemeinderat über viele Streichungen nach, um die Finanzlage zu verbessern. In einer Arbeitsgruppe will das Gremium Einsparpotenziale finden. Auch über eine mögliche Beendigung der Mitgliedschaft in der Volkshochschule Calw (VHS) wird dabei nachgedacht.

 

Knapp 40 000 Euro kostet diese die Stadt pro Jahr. Was ein Ausstieg für die VHS bedeuten würde, machte deren Leiter Clemens Schmidlin in der jüngsten Sitzung klar: Die anderen Kommunen müssten mehr bezahlen. Und Bad Liebenzell müsste den Auftrag in der Landesverfassung, die Erwachsenenbildung zu fördern, anderweitig erfüllen. „Das ist nicht unbedingt günstiger“, sagte Schmidlin.

Finanzen Die VHS sei Teil der „kommunalen Daseinsvorsorge“ und ermögliche „lebenslanges Lernen“, so Schmidlin. Aktuell gehören zwölf Kommunen im nördlichen Landkreis zur VHS Calw. 2024 habe der Verein knapp zwei Millionen Euro eingenommen und etwa 1,85 Millionen Euro ausgegeben. „Es war ein sehr sehr gutes Jahr“, resümierte Schmidlin.

Mittel von anderen Behörden

Die Mitgliedsbeiträge der Kommunen machten fünf Prozent der Einnahmen aus, die Gelder des Landkreises fünf Prozent. 45 Prozent kämen aus Drittmitteln, zum Beispiel vom Jobcenter oder dem Bundesamt für Migration. Denn die VHS bietet auch Integrations- und Deutschkurse an. Trotz des Überschusses im vergangenen Jahr macht Schmidlin eines klar: Die VHS könne nicht auf irgendwelche Mittel verzichten. „Bildung ist nicht kostenlos“, sagte er.

Angebot der VHS Aber welche Vorteile hat Bad Liebenzell durch die Mitgliedschaft? 60 Kurse und Einzelveranstaltungen aus allen Fachbereichen gab es 2024 in der Stadt. 4000 Kursteilnehmer der VHS Calw kommen laut Schmidlin aus Bad Liebenzell. Die könnten natürlich auch die Angebote in den Nachbarkommunen besuchen. Dabei seien die Kurse günstig und die Preise „sozialverträglich“, eben weil die Kommunen ihre Mitgliedsbeiträge bezahlten. Und über die Anwerbung von Drittmitteln vermehre die VHS diese kommunalen Gelder.

Gut angelegtes Geld

Schmidlin erzählte zudem von einem Integrationskurs mit 25 Teilnehmern, der aktuell in Bad Liebenzell von der VHS veranstaltet werde. Bei diesem Angebot lernten die Menschen Deutsch und erreichten am Ende das Niveau A2 oder B1. Und Schmidlin machte eine Rechnung auf: Der Lehrer eines Integrationskurses kostet mehr, als Bad Liebenzell pro Jahr an Mitgliedsbeiträgen bezahlt. Die 4,16 Euro pro Einwohner, welche die Berechnungsgrundlage für die jährlichen 40 000 Euro sind, seien also gut angelegtes Geld.

Zudem veranstalte die VHS Ferienprogramme für Kinder. Auch buchten Liebenzeller Firmen Fortbildungen bei der VHS. Die Gesundheitskurse seien ebenfalls beliebt. Und er verwies auf ein Modell in Calw. Dort würden aktuell Basisqualifikationen angeboten. Mit diesen könnten die Menschen in der Ganztagsgrundschulbetreuung arbeiten. Auf die gibt es bald einen Rechtsanspruch. Doch die Kommunen suchen händeringend nach Personal – auch Bad Liebenzell. Das VHS-Angebot könne helfen, das Problem zu lösen, so Schmidlin.

Finanzielle Lage dramatisch

Er wisse, dass die finanzielle Lage der Stadt dramatisch sei. „Diese 40 000 Euro klingen viel und sind gleichzeitig wenig“, sagte er. Denn die Kommune profitiere von den Synergien eines Verbundes mit den anderen Gemeinden.

Das sagt der Gemeinderat Dietmar Lehman-Schaufelberger (Grüne) lobte de VHS und ihre Angebote. Mit digitalen Medien lasse sich nicht so viel lernen, wie bei einem Kurs vor Ort. Diese Arbeit sei ihr Geld wert. Vor allem ältere Menschen würden profitieren. Die 4000 Teilnehmer seien viel. Zu viel, wunderte sich Felix Eppel (UL). Da müssten die 60 Kurse ja komplett überlaufen sein, fragte er. Die Zahl sei über acht Jahre gerechnet, so Schmidlin.

Eppel wollte wissen, ob schon mal eine Kommune ausgestiegen sei. „Ja, Höfen 2021“, sagte Schmidlin.

Keine Verpflichtung

Maik Volz (CDU) erkundigte sich, ob der Kommune bei einem Austritt wegen des Auftrages in der Landesverfassung Konsequenzen drohen. Es sei ein Auftrag, keine Pflicht, so Schmidlin. Der Kommune passiere also nichts.

Katrin Heeskens (UL) sah wie Schmidlin die VHS als kommunale Daseinsvorsorge. Und sie zog einen Vergleich. „Wir geben seit Jahren Millionen für die FTBL aus. Das sind Millionen gegen 40 000 Euro pro Jahr“. Sie wolle die VHS weiter unterstützen. Bleibt abzuwarten, was die Haushaltskonsolidierungsarbeitsgruppe vorschlägt.