Die Schülerzahlen an der Lutherschule in Albstadt-Tailfingen steigen. Foto: Roth

Die Grundschule Lutherschule sieht sich mit steigenden Schülerzahlen konfrontiert, wodurch die räumlichen Kapazitäten an ihre Grenze kommen.

Es ist inzwischen gute Tradition, dass Schulleiter Albstädter Schulen im Ausschuss für Soziales, Kultur, Schule und Sport über die Aufgaben und Herausforderungen aus ihrem Schulalltag berichten. In jüngster Sitzung waren Mathias Leippert, Schulleiter der Grundschule Lutherschule, und seine Konrektorin Andrea Kriegel zu Gast. Die Tailfinger Grundschule mit ihrer Außenstelle an der Truchtelfinger Sommerhalde sieht sich in jüngster Vergangenheit – und wohl auch in naher Zukunft – mit steigenden Schülerzahlen konfrontiert.

 

Die blauen Balken, die Leippert in seiner Präsentation für die Entwicklung der Schülerzahlen vorbereitet hat, ragen immer weiter in die Höhe. Im kommenden Schuljahr werden es vermutlich rund 465 Schülerinnen und Schüler sein, die an den Standorten der Lutherschule beschult werden. Im Schuljahr 2023/2024 waren es noch nicht einmal 400. „Dieses Schuljahr haben wir zwei Klassen mehr“, betont Mathias Leippert und fügt an: „Es ist zu erwarten, dass kommendes Schuljahr noch mal zwei Klassen dazukommen.“

Damit einher gehe, dass die Räume insbesondere am Hauptstandort im erweiterten Tailfinger Stadtzentrum knapp werden. Teils seien 30 Kinder in einer Klasse. Ein Foto aus dem Schulalltag verdeutlicht, dass nahezu jeder Platz in den Klassenzimmern belegt ist. „Es fehlt uns an Räumen“, sagt auch Konrektorin Andrea Kriegel. Beispielsweise einen Stuhlkreis mit allen Schülern einer Klasse zu bilden, sei gar nicht so einfach.

Schüler werden auf die weiteren Klassen verteilt

Hinzu kommt: Fallen Lehrer krankheitsbedingt aus, werden die Schüler, deren Unterricht entfallen würde, auf die weiteren Klassen verteilt. Weil aber kein Platz in den restlichen Klassenzimmern ist, müssen Schüler teils auch auf den Schulflur ausweichen. Aus pädagogischer Sicht keine gute Lösung. Dazu sei es kaum möglich, Schüler einzeln zu setzen oder Formate wie „Lernen mit Bewegung“, beispielsweise ein Laufdiktat, umzusetzen. „Die Schüler würden sich schlichtweg umrennen“, sagt Mathias Leippert. Insgesamt, so Leippert weiter, gebe es zu wenig Räume für die täglichen Aufgaben.

Rund 50 Prozent der Schüler an der Lutherschule nehmen das Ganztagesangebot wahr. Die Schule werde daher noch mehr zum Lebensraum der jungen Menschen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass es auch Orte auf dem Schulgelände gebe, wo sich Schüler zurückziehen können. Dort, wo sich Schüler räumlich beengt aufhalten, gebe es naturgemäß auch mehr Konflikte.

Leippert wünschte sich daher von den Stadträten, dass diese bei künftigen Entscheidungen die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Kinder seien die Erwachsenen von Morgen. Immerhin: Kleinere Wünsche, wie eine entsprechende Beleuchtung sowie einen frischen Anstrich in die Jahre gekommener Räume, stellte die Stadtverwaltung dem Schulleiter rasch in Aussicht. Weiter betonte Oberbürgermeister Roland Tralmer: „Die Raumsituation an der Lutherschule lässt aufhorchen. Wir nehmen ihre Probleme ernst.“ Auch unter den Stadträten schien der Bericht der Schulleitung aufzurütteln: „Ich dachte, die Lutherschule sei gut aufgestellt, aber es klemmt hinten und vorne“, betonte Ulrike Münster (Freie Wähler). Und Thomas Voelter (Bündnis ZUG) wollte von Markus Münch, Leiter des Amtes für Familie, Bildung und Sport, wissen, wie die Zukunftspläne der Stadt aussehen. Die Verwaltung gehe von gleichbleibenden, leicht steigenden Schülerzahlen im Grundschulbereich aus. Aktuell habe man genügend Plätze; einen Neubau werde es zeitnah nicht geben.

In das Startchancen-Programm des Landes aufgenommen

Erfreulich für die Lutherschule wiederum ist, dass die Bildungseinrichtung in das Startchancen-Programm des Landes aufgenommen wurde. Für zehn Jahre erhält die Lutherschule Fördermittel, unter anderem für bauliche und personelle Maßnahmen sowie die Ausstattung der Schule. Gefördert werden sollen so Basiskompetenzen in Deutsch und Mathe, aber auch sozial-emotionale Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.

Die Vision der Schulleitung: Die Faktoren „Lernen“, „Soziales Miteinander“ und den „Ganztag“ in Einklang zu bringen. Durch das Startchancen-Programm wurden unter anderem pädagogische Assistenzen eingestellt, um Schüler mit besonderem Betreuungsbedarf zu fördern. Auch die verbale Integration einiger Schüler, die mit wenigen oder gar keinen Deutschkenntnissen in die Lutherschule kommen, soll so gestärkt werden.