Verkehr, Naturbad, Burgi-Wahl: Pointenreich und unterhaltsam nahmen die Zunftabendspieler die Aufreger der Schopfheimer Stadtpolitik aufs Korn.
Das Publikum in der Stadthalle zeigt sich von der ersten Minute an in bester Stimmung und lässt sich beim Einmarsch von Aruba-Band, Zunftoberen und Hästrägern direkt von den Sitzen reißen. Nach der Begrüßung durch Oberzunftmeister Frank Pfeiffer ist es am Kinderstatthalter „Louis vo de Hexe“, seinem Namen alle Ehre zu machen – schließlich ist die enge Verbindung zwischen „Levante“ und „Charmante“ nicht zu überhören, wie der Elfjährige überzeugend darlegt.
KI hilft beim Regieren
Echten Respekt vorm Statthalter-Amt zeigt dann der kaum ältere – oder mit seinen 26 Jahren jedenfalls mit Abstand jüngste Statthalter in der Schopfheimer Narrengeschichte „Max vom Viehmärt“. Bei der Erstellung seines Regierungsprogramms zieht er daher, wie sollte’s anders sein bei der jungen Generation, die „KI“ zu Rate, um dem „Narre-Orakel“ im trauten Zwiegespräch die Antworten auf Schopfheimer Zukunftsfragen zu entlocken: Naturbad („Risset die Betonklötz’ ab und stauet de Eisweiher wieder uf“), Bürgermeisterwahl („Wiederwahl? Möglich! Schließlich hät de amtierende Burgi de „A...“ nit nur in de Hose, sondern au im Name“) – und für manche närrische Antwort braucht’s auch einfach gar kein Orakel: „Do längt de Blick ins Rothus.“
Der Nachwuchs trumpft auf
Und während das Orakel in Gestalt – oder besser in Stimme – eines Schopfheimer Narren-Urgesteins dem Jungspund wegen seine Alters ordentlich einschenkt – „halbi Hose“, „junge Sprützer“, „Greenhorn“ – gibt es beim darauffolgenden „Statthalter-Gschwätz“ zwischen Maxens Bruder Jakob Glöggler und Carlo Baldassare echte Ehrenbekundungen – nebst weniger glamourösem Nähkästchen-Wissen aus der gemeinsamen Kinderstube freilich.
Weiter geht’s mit den nächsten Nachwuchstalenten – Jungfuchs Leon Sprich und Nachwuchs-Hexe Annika Post – die sich ebenfalls so ihre Gedanken zum Stadtgeschehen machen: Mini-Kreisel, Tempo 30 und ein „Naherholungsgebiet Schopfheim West“ – der Biber immerhin fühlt sich hier schon pudelwohl.
Apropos Naherholung: Die Kollegen aus dem Tourismusbüro (Julian Post, Heike Wagner, Axel Rauscher) haben den Auftrag, einen neuen Schopfheim-Prospekt zu entwerfen – und zeigen in 1a-Marketing-Manier, dass man alles so – oder eben auch positiv sehen kann: „Schopfheim: Immer offen für neue Wege“, heißt es etwa angesichts der zahlreichen Baustellen und Umleitungen.
Strenger Blick auf Städtli
Grimmig-gestreng einmal mehr der Blick des „Gendarm vo Schopfe“ alias Klaus Ziegler der von der Innenstadt durchs wasserlose, dafür überwucherte Wuhr zum ewig-verschandelten Hebel-Denkmal ins Sengele hinaufschweift – und schließlich die Rathausspitze ins Visier nimmt: „Was no fehlt, isch au ganz klar. E klari Führig müsst me ha... Ob me so ein gfunde het oder nit, b’spreche mer nächst Johr um die Zit.“
Witziges Wahlkampfgetöse
Nahtlos knüpft da die folgende Nummer an, in der eine ganze Reihe Bürgermeister-Kandidaten aufmarschiert – und über ihrem Wahlkampf-Getöse vielleicht nicht das Vertrauen der Schopfheimer Wähler, aber doch zumindest deren Lachsalven ernten. Darunter ein von Roland Schwald herrlich persiflierter Hansi Glöggler, der als Lokalmatador sämtliche nicht-kochenden Konkurrenten von der Seitenlinie aus ins Abseits zu lästern versucht. Ein smarter Burgi aus dem Nachbardorf (Fabian Post), der mitsamt Kinderwagen auf die Bühne rumpelt und das Luftschloss eines „Schopf-Hausen auf der (Maul-)Burg“ baut. Und ein Ex-Burgi aus dem noch Obereren Wiesental (Miachel Hoffmann), der in Schopfheim den Neustart versucht und mit Schwimmbad-Campus und Windkraft-Offensive auf Stimmenfang geht.
Die sprichwörtlich behaarten Zähne bleckt einmal mehr Putzfrau Heike (Wagner) beim genüsslichen Lästern übers die Schopfheimer Baustellen zwischen Minikreisel und Naturbad, nachdem die „Zwei Buebe us’em chleine Wiesedahl“ (Jeannot und Christian Weißenberger) diese zuvor musikalisch aufgespießt haben. „De Kreisel dört bim Villringer“ wird dabei zur Lösung für die Standortsuche fürs Karussell auf dem Kalten Markt, und beim Blick aufs Naturbad reimt sich „Saich“ auf „Frosch-Laich“.
Musikalisch aufgespießt
Musikalisch geht’s weiter mit den „Jungs von der Au“ (Stefan Reiman, Michael Meyer, Max und Jakob Glöggler), die sich zwischen den eingängigem Mitklatsch-Refrains ebenfalls so ihre Gedanken über Schopfheim machen. Jeannot zum Zweiten (beziehungweise, das Orakel mitgezählt: zum Dritten) heißt es bei der Schnitzelbank, die mit Fabian Post als Plakatträger einen agilen Neuzugang verzeichnet.
Hatten im ersten Teil die Aruba-Kids und die „Schwarzwald-Mädels“ Tanz-Einlagen präsentiert, so ist’s zum Finale an den Schlattholzsingers, das gesamte Publikum in Bewegung zu versetzen: Ein Medley aus Seemanns-Liedern, präsentiert im blütenweißen Matrosen-Dress, tut seine Wirkung. Für den unterhaltsamen Übergang zwischen den Nummern sorgen das Moderatorenpaar Florian Sprich und Jenny Post. Die Fäden im Hintergrund hält Zunftmeister Erich Lacher zusammen.