Legten die Sparkassenbilanz vor: (von links) der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hans Neuweiler, Vorstandsvorsitzender Stephan Scholl, sowie die Vorstandsmitglieder Sieghardt Bucher und Georg Stickel. Foto: Laich

Unter überaus schwierigen Rahmenbedingungen hat die Sparkasse Pforzheim Calw ihre führende Stellung in der Region im Geschäftsjahr 2021 behauptet.

Pforzheim/Calw - Nach den Zahlen, die der Vorstand unter Vorsitz von Stephan Scholl gestern in Pforzheim vorlegte, blickt die Bank trotz Corona und anhaltender Niedrigzinsphase, "auf ein sehr zufriedenstellendes Geschäftsjahr" zurück.

Die Kunden schätzten besonders in Krisenzeiten die kurzen Wege und die Begleitung ihrer Berater auf Augenhöhe, so Scholl zu den Gründen des Erfolgs. "Es gehört nicht zu unserem Geschäftsmodell, die Kundschaft vollkommen in die digitale Welt abzudrängen", erläutert der Sparkassen-Chef. Vielmehr lege man den Fokus auf strukturierte Beratung und Betreuung auf allen Wegen, die gewünscht sind.

Die wichtigsten Bilanzkennziffern sind mit Pluszeichen versehen. Das Betriebsergebnis vor Bewertung stieg nach Angaben Scholls gegenüber dem Vorjahr sogar zweistellig um 10,7 Prozent auf 112,8 Millionen Euro. Mit einer um 4,5 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro gestiegenen Bilanzsumme bleibt die Bank die größte Sparkasse in Baden-Württemberg. Das Kundenkreditvolumen nahm um 5,1 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, die Kundeneinlagen um 3,1 Prozent auf zehn Milliarden Euro zu.

Gut ausgebildete Mitarbeiter und, wie Umfragen belegen, eine zufriedene Kundschaft tragen zum guten Kreditgeschäft bei, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hans Neuweiler darlegte. Mit einem Volumen von 10,3 Milliarden Euro weise die Sparkasse ein größeres Kreditbuch auf als die Bilanzsumme mancher Banken. Geboten werde, so Neuweiler selbstbewusst, ein Komplettangebot, das weit über das übliche Maß hinausgehe. So trage man bei einem weit überdurchschnittlich Marktanteil von 46 Prozent wesentlich zur guten wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei.

Die S-IT, so Neuweiler weiter, habe den Breitbandausbau von Schulen und privaten Bildungseinrichtungen verstärkt. Dadurch sei das Tochterunternehmen nicht nur zum digitalen Rückgrat der Region geworden, sondern habe auch wesentlich dazu beigetragen, in der Corona-Pandemie beste Voraussetzungen für das Home-Schooling zu schaffen.

Von einem Boom in der Baufinanzierung – mit mehr als einer Milliarde Euro wurde ein Rekordniveau erreicht – und einer anhaltend hohen Sparquote berichtete Vorstandsmitglied Sieghardt Bucher. Die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten und die anhaltenden Niedrigzinsen habe zu einem deutlichen Zuwachs der Vermögensanlagen um 8,3 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro geführt.

"Verwahrentgelt oder Kündigung: So etwas gibt es bei uns nicht", machte Scholl deutlich. Gebühren für Einlagen erhebt die Sparkasse allenfalls, wenn sechsstellige Beträge erreicht werden. Und dann werde mit den betreffenden Kunden darüber gesprochen, welche Möglichkeiten es gibt, diese Barbestände in Vermögensanlagen zu überführen.

Die Sparkasse Pforzheim Calw betreibt 93 Geschäftsstellen, eine weniger als 2020. Derzeit sei keine weitere Schließung geplant, eine Bestandsgarantie für die Zukunft gebe es allerdings nicht. "Da denken wir beispielsweise darüber nach, wenn ein Mietvertrag ausläuft", so Scholl. Ein weiteres Problem: Junge Mitarbeiter arbeiten nicht gerne in kleinen Filialen. Da auch die Sparkasse unter dem Fachkräftemangel leidet, sei es, so Scholl, durchaus möglich, dass eine Geschäftsstelle geschlossen werden muss, weil keine Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Dabei sei man permanent auf der Suche, auch branchenfremde Mitarbeiter seien willkommen. Bei den Auszubildenden seien die Zeiten vorbei, als auf eine Stelle bis zu 15 Bewerbungen kamen.

Die Sparkasse wolle wesentlich dazu beitragen, die Region nachhaltig zu gestalten. Man unterstütze Unternehmen, Privatpersonen und Kommunen, um zu einem wirksamen Klimaschutz beizutragen, berichtete Vorstandsmitglied Georg Stickel. Das schlage sich auch im Anlagebereich nieder, etwa beim "Sparkassen-Umweltsparen".

"Wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagte Scholl bei seinem Blick in die Zukunft. In der Tat gibt es viele Unsicherheiten, seien es der ungewisse Verlauf der Corona-Pandemie, die anhaltenden Lieferengpässe, die stark steigenden Preise oder politische Krisen. Sicher ist, dass Hans Neuweiler zum Jahreswechsel 2022/23 Vorstandsvorsitzender wird (wir berichteten). Damit sei Kontinuität gewährleistet. Es komme zu einer Evolution und nicht zu einer Revolution, so Scholl, der in den Ruhestand gehen wird.