Bilanz der Unterstützung für das Ankunftszentrum Ukraine haben die Stadtverwaltung und ihr Beauftragter Harald Fritz in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gezogen. Die Spenden in den Hilfsfonds sind reichlich geflossen. Was ist damit passiert?
Die erste gute Nachricht hat Bürgermeister Frank Schroft verkündet, kaum dass er den Tagesordnungspunkt „Abrechnung des Hilfsfonds Flüchtlingshilfe Meßstetten“ aufgerufen hatte: Harald Fritz bleibt auch nach der Schließung des Ankunftszentrums Ukraine (AZU) in der einstigen Zollernalb-Kaserne Beauftragter der Stadt für Flüchtlinge.
Das Lob, das dem pensionierten Leiter des Polizeipostens Meßstetten in dieser Funktion über zweieinhalb Jahre zuteil geworden war, ließ keine Zweifel offen: Fritz hat sich vorbildlich um alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem AZU, aber auch mit der Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge in Wohnungen, gekümmert, ausgleichend gewirkt und vieles geregelt, ehe es zum Problem wurde.
Auch die Meßstetter haben geholfen: Die Stadt hatte, sobald klar war, dass Ukrainer auf dem Geißbühl unterkommen, mit Zustimmung des Gemeinderats einen Hilfsfonds aufgelegt und ihn mit 50 000 Euro gespeist. Hinzu kommen Spenden aus der Bevölkerung in Höhe von insgesamt 107 410 Euro.
Das meiste Geld geflossen ist in Spielzeug, Teddybären, Schreibmaterial für die Kinder, Sprachführer, Musikunterricht, Sitzgarnituren, den Umbau der Satelliten-Anlage, damit die Ukrainer Sendungen aus ihrer Heimat empfangen konnten, und – nach dem Ertrinken eines ukrainischen Kindes im Badkap – in Schwimmflügel, wie Fritz im Gemeinderat erklärte. Zudem haben die Vorbereitungsklassen (VKL) in Meßstetter Schulen profitiert, wo ukrainische Schüler zunächst Deutsch lernten, ehe sie am Regelunterricht teilnehmen konnten. „Die VKL gibt es noch, aber viele Schüler sind inzwischen in Regelklassen“, so Fritz.
67459 Euro haben der Anschluss, die Miete und die Reinigung eines Toilettenwagens vor dem Lidl-Markt in Meßstetten gekostet. Er war laut Fritz wichtig, weil dort und in den benachbarten Märkten viele Ukrainer einkauften. Dass sie ihre Notdurft im Fahrzeug verrichten konnten und nicht auf Vorgärten ausweichen mussten, habe die Akzeptanz der Bevölkerung deutlich gesteigert, so Fritz.
163 153 Euro an Unterstützungsleistungen wurden laut Sitzungsvorlage ausbezahlt. Somit hat das Geld aus dem Hilfsfonds nicht ganz gereicht – ein kleiner Fehlbetrag in Höhe von 5742 Euro ist entstanden, den die Stadt – die Gemeinderäte waren einverstanden – ausgleichen wird.
„Sie haben sich über die Maßen engagiert“, bescheinigte Matthias Schwarz, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung, Harald Fritz, der außerdem rund 50 Ukrainer verpflichtet hatte, ihm zu helfen, etwa beim Verteilen von Sachspenden. CDU-Fraktionschef Ernst Berger pflichtete ihm bei: „Ohne Menschen wie Harald Fritz funktioniert so etwas nicht!“ Dass alles so reibungslos abgelaufen sei, sei maßgeblich auch sein Verdienst.
Die „überwältigende Spendenbereitschaft“ würdigte Oliver Rentschler, Fraktionschef der Bürgerliste, und betonte: „Ohne den Einsatz von Harald Fritz hätten wir noch ganz andere Dinge finanzieren müssen!“ Einen Zuschuss von 10 000 Euro für den Toilettenwagen hätte Matthias Schwarz freilich gerne gesehen.
In der Anschlussunterbringung in einem Gebäude auf dem Geißbühl, vor den Kasernentoren, sind laut Frank Schroft derzeit 13 Geflüchtete untergebracht. „Manchmal wäre etwas weniger Trubel besser, aber Auswirkungen auf die Bevölkerung gab es bisher noch nicht“, kommentierte er.