Am Samstag war Affenhitze, am Sonntag zogen dunkle Wolken auf. Warum die Kunsthandwerker nicht zufrieden sind und die Ente so manchem Oldie die Show gestohlen hat.
Diesmal war definitiv Petrus schuld. Trotz Solingen und Sicherheitsbedenken sagt Horbs OB Peter Rosenberger: „Wir feiern ohne Kontrollen.“ Doch Petrus macht dem großen, unbeschwerten Spaß einen Strich durch die Rechnung: Samstag bei der Bruthitze geht es nur mit Ventilator, und Sonntag Nachmittag braucht man einen Regenschirm auf dem großen Stadtfest.
Claudia Beuter, Leiterin des Stadtmarketings: „Wir sind zufrieden angesichts des Wechsel-Wetters. Samstag war es locker besucht, ab 17 Uhr füllte sich das Fest „Unsere Stadt feiert.“ Am Sonntag war es sehr gut besucht.“ Bis die ersten Regentropfen um 15.25 Uhr gefallen sind. Beuter: „Wir haben dann beschlossen, dass die Kunsthandwerker abbauen dürfen.“ Doch vor der Bühne rocken die Bang Bags die Fans. Sie tanzen einfach im Regen weiter vor der Bühne.
Das große Stadtfest. Die Ginger Girls starten diesmal nicht mit der Lady in Red, sondern in weiß. Maryline verzaubert bei gefühlten 35 Grad zum coolen Prince-Song mit ihrem eleganten Solo. Yasmina und ihre Girls sprühen nur so vor Fröhlichkeit und Energie. Schönste Szene: Drei Mädels von der Rossbergschule haben ihren großen Auftritt. Plötzlich verhaspeln sie sich. Ballet-Legend Ginger Streibig selbst tanzt ihnen vor – und die Mädels packen es plötzlich. Streibig: „Zehn sind noch in den Ferien. Ich bin stolz auf die drei – dass sie sich trauen.“ Ginger-Girl Angela: „Ginger durch ihr großes Herz hält uns alle bis heute zusammen.“
Jasmin Gayer von der Tanzschule im Neckartal stellt sich einer ganz anderen Herausforderung: Wie kriegt sie das – zu dieser Zeit spärliche Publikum – zum Line-Dance? Da wird einfach mal der Schwabo-Reporter verhaftet. Drei Schritt vor, drei Schritt zurück, zwei Schritt seitlich. Gar nicht so schwer. Doch als die sympathische Tanzlehrerin auch noch die Ranzenrolle in den Tanz integrieren will, absentiere ich mich lieber. Es ist einfach zu heiß. Das sieht man auch am Hamburger-Stand. Ein cleverer Kunde hat nach dem Ventilator gefragt, und sein Kumpel posiert passend: „Ich dreh fast durch bei der Affenhitze.“
Sonja Ebert hat an ihrem Stand das perfekte Ätschi-Bätsch für die edlen Damen: Schlichte Filztaschen mit frechen Slogans wie „Desiegal. Gell, da gugschd.“ Oder „Mei andere Dasch ist Lui Vidong“. Sie lacht: „Das ist schwäbischer Humor. Es war gar nicht so leicht, die passenden Begriffe für die Edelmarken zu finden. Nur für Dolce und Gabbana ist mir noch nichts passendes eingefallen.“ Ist – so findet auch der LMVH-Aktionär – aber echt gelungen und witzig.
Das Fest der Kulturen im alten Freibad geht zwar erst um 17 Uhr los – aber dem ukrainischen Chor aus Münsingen gelingt der Knallstart: Flotte Rhythmen, herrliche Trachten und Temperament. Danach zeigen die venezolanischen Tänzerinnen, dass auch ein schöner Rücken entzücken kann. Und es gibt jede Menge charmanter Bedienungen fürs Baklava oder den Bertsch. OB Peter Rosenberger erinnert an die Gründung des Bundesrats vor 75 Jahren und sagt: „Das ist auch ein Garant dafür: Selbst wenn extreme Parteien die Mehrheit haben, gibt es Stabilität. In sofern ist das Fest der Kulturen auch ein Fest der Demokratie.“
Sonntag mittag ist die perfekte Stadtfest-Temperatur: 23 Grad, keine stechende Sonne. Und auch dem US-Car und Oldtimer-Treffen stiehlt eine Ente fast den anderen die Show: Katharina Feucht aus Talheim ist mit ihrer rot-weißen Dolly da, Tochter Madeleine mit der Kastenente.Katharina sagt augenzwinkernd: „Ein zehnjähriger Junge hat gesagt: Die findet er viel besser als die US-Cars.“ Stefan Müller dagegen streichelt stolz den himmelblauen Metallic-Lack seines Plymouth Six Convertible von 1933. Sechs Zylinder, schicke Kühlerfigur, Leder und Cabrio. Er sagt: „Für mich gibt es nichts faszinierenderes.“ Lilo Fradella vom Porto Neckar, der früher die Oldtimer-Treffen in Horb organisiert hatte, sagt: „Wir hatten nur US-Car Oldtimer.“ Müller: „H-Kennzeichen sollten es schon sein.“
Schlagersängerin Marcella Carin hat die Fans in der Neckarstraße auf dem Holzdeck und vor dem Dolce Vita voll im Griff. Stellt sogar ihre neue Single „Ich bin wieder hier“ vor. Mitklatschen, anhimmeln, lächeln – einfach herrlich. Das beschwingt auch die Kunden, die beim verkaufsoffenen Sonntag vor den Geschäften stöbern. Und Nick Juggler sorgt bei den Kleinen beim Jonglage-Workshop für ein stolzes Lächeln.
Wie ist die Bilanz? Porto-Neckar Wirt Lilo Fradella: „Schade, dass das Fest der Kulturen nicht schon am Samstag um 14 Uhr gestartet ist. Aber trotzdem war es hier sehr gut besucht. Bei der Balkan-Party haben die Leute den Platz erst um 1 Uhr verlassen.“
Michael Lepple, Veranstalter vom Kunsthandwerkermarkt: „Seit Corona leiden wir unter Kaufzurückhaltung in unserem Sortiment. Wir machen unsere Märkte in fünf Städten – in Horb ist die Konsumbereitschaft am geringsten, obwohl wir viele Gäste an den Ständen haben. Darüber müssen wir mit dem Stadtmarketing – das es hervorragend gemacht hat – reden.“
Robert Kraus von der Horber Manufaktur BaumArt hat seinen Stand neben Läpple. Er sagt: „Ich habe meine Manufaktur heute gar nicht aufgemacht. Für mich sind solche Märkte wichtig für die Akquise.“
Was sagt das Stadtmarketing? Claudia Beuter: „Das Fest der Kulturen sollte in Zukunft wieder um 14 Uhr starten – parallel zum Programm auf dem Flößerwasen. Das hat dieses Jahr wegen Personalmangels nicht geklappt. Wir überlegen, am Samstagnachmittag auch etwas mit Kindern zu machen, um mehr Zuschauer zu bekommen.“
Beuter zu den Märkten: „Die Händler des Antikmarktes waren sehr zufrieden. Bei den Kunsthandwerkern scheint es sich um ein tiefergehendes Problem zu handeln. Möglicherweise ist es klug, hier auch Wirtschaftsförderung und City-Manager am Gespräch zu beteiligen.“