Das durchwachsene Wetter macht den Wirten in Horb zu schaffen. Martin Straub: „Wenn ich nur Außengastromie wie den Rauschbart hätte, würde ich durchdrehen.“
Sommer, Sonne, Bier auf der Sonnenterrasse? Von wegen. Das wechselhafte Wetter verhagelt so manchem Wirt mit Außengastronomie in Horb nicht nur die Laune. Jeder Regentag macht die Aussichten düsterer.
Koray Yildiz, Inhaber des Dolce Vita in der Neckarstraße: „Im August hatten wir bisher an zehn Tagen zu wegen Regen. Das hat es lange nicht gegeben.“ Lilo Fradella hat das Porto Neckar am Alten Freibad. Er sagt: „Der Juni war gut. Der Juli fast komplett verregnet. Die drei Regenwochen fehlen einfach in der Saison.“
Rauschbart-Wirt Singer: „Jeder Regentag tut besonders weh“
Michael Singer, Wirt vom Rauschbart und Neckarrauschen auf der Inselspitze in Horb: „Die Bilanz zur Halbzeit der Sommerferien ist kritisch. Drei Wochen lang Ende Juli und Anfang August schlechtes Wetter und Regen. Das ist schmerzlich für uns – jeder Regentag tut besonders weh. Das ist schon zermürbend. Die nächsten drei Wochen muss uns Petrus Sommer schicken!“
Martin Straub von Straubs Krone Bildechingen: „Wenn ich in der Lage von Michael Singer wäre, würde ich durchdrehen. Ich habe höchsten Respekt vor ihm, dass er das so durchhält.“
Angespannte Lage in der Gastronomie
Denn: Die Lage in der Gastronomie ist sehr angespannt. Das statistische Bundesamt hat die Halbjahresbilanz der Gastronomie veröffentlicht. Gegenüber 2019 weist die Gastronomie für das erste Halbjahr 2025 einen realen Umsatzverlust von minus 17,4 Prozent aus. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das reale Umsatzminus 4,1 Prozent.
Und die Preise steigen weiter. Michael Singer: „Eigentlich müsste ich meine Preise mitten in der Saison anpassen. Aber ich spekuliere darauf, dass die von der Bundespolitik versprochene Senkung der Mehrwertsteuer auf Essen kommt.“ Aufgrund der Inflation bestellen die Gäste weniger Getränke.
Preiserhöhung oder Warten auf die Politik?
Straub hat seine Preise schon angepasst. Teilweise kosten seine Mittagsmenüs inzwischen 14,90 Euro. Er sagt: „Was soll ich machen? Die Preise sind enorm angestiegen, aktuell besonders beim Rindfleisch.“
Doch wer beides hat – Restaurant und Außengastronomie – ist zumindest nicht so wetterabhängig. Kö23 Wirt Bernd Rausch: „Bei uns läuft es wie verrückt. Abends muss man sogar einen Tisch reservieren, sonst gibt es keinen Platz.“
Diese Auswirkungen hat das Wechsel-Wetter
Sein Kollege Martin Straub: „Die Gästezahl ist enorm schwankend. Im August waren wir teilweise Mittags überrannt. Dann gibt es Tage, da ist wenig los. Die Ferienzeit an sich merken wir kaum – es verteilt sich nur anders: Unter der Woche ist mehr los als am Wochenende.“ Durch sein zweites Standbein – das Catering – läuft es sehr stabil, so Straub. Er sagt: „Auch bei uns hat das Wetter einen Einfluss. Zwei Wochen wechselhaftes Wetter heißt schlechtes Geschäft.“
Carsten Müller, Gastronom vom Gleis Süd und Vize-Fachgruppenvorsitzender des Branchenverbands DeHoGa? Müller: „Es sind schwierige Zeiten für die Gastronomie. Die Kosten sind innerhalb eines Jahres enorm gestiegen – deshalb muss die versprochene Mehrwertsteuersenkung kommen.“
Er selbst hat sich neu aufgestellt. Müller: „Zum 15-jährigen Jubiläum des Gleis Süd haben wir ein italienisches Fest auf dem Bahnhofsplatz gemacht. 500 Gäste waren da. Wir stellen unser Essen jetzt komplett auf italienisch um. Das trifft unsere Zielgruppe besser als die Burger bisher.“