Trotz Rekordbilanzsumme von 14 Milliarden Euro: Die Volksbank Gestalterbank sieht „konjunkturellen Abrieb“ – besonders im Schwarzwald-Baar-Kreis wird es schwierig.
„Sie sehen, in unserer Größe liegt Stärke“, betonte Vorstandsvorsitzender Alexander Müller zur Eröffnung der Bilanzpressekonferenz. Die Fusion mit der Volksbank Rhein-Wehra unterstreiche den Anspruch, „die“ Bank für die Regionen zu sein. Müller wiederholte sein Credo: „Wir sind keine regionale Großbank, wir sind eine große Regionalbank.“
Ob weiterer Wachstumsdurst bestehe, blieb unbeantwortet. Den Status-Quo aber erwähnte er: „Stehen aktuell Fusionen im Raum? Nein!“ Die Bilanz für 2025 zeigt solide Zahlen: Die Bilanzsumme stieg auf über 14 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 2,4 Prozent auf 118 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss wuchs um 6,13 Prozent auf 188,23 Millionen Euro, der Verwaltungsaufwand nur moderat um 2,12 Prozent – die Bank habe „Kostendisziplin an den Tag gelegt“. Der Bilanzgewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 14,29 Prozent. Doch es gibt auch Zahlen, die nachdenklich stimmen.
Von Automotive zu Wehrtechnik
Die Bank verzeichnete einen Mitgliederrückgang um 299 Personen auf 1203 Mitglieder – hauptsächlich durch Todesfälle verursacht. Dennoch plant sie eine Dividendenausschüttung von 10,35 Millionen Euro, entsprechend vier Prozent.
Ein Bewertungsergebnis von 65,79 Millionen Euro offenbare Herausforderungen. „Man muss sagen, dass wir an dieser Stelle deutlich konjunkturellen Abrieb sehen“, räumte Müller ein. Das Kundenkreditvolumen fiel von 10,06 auf 9,92 Milliarden Euro.
Vorständin Irmgard Sachsenmaier berichtete von 8,57 Prozent mehr Firmenkundeneinlagen auf 2,66 Milliarden Euro. Im gewerblichen Kreditgeschäft jedoch große Herausforderungen: Zollthemen, Energiepreise und geopolitische Spannungen schränkten die Investitionsbereitschaft stark ein. „Wir konnten trotz aller dieser Herausforderungen 764 Millionen Euro neue Kredite ausgeben“, sagte Sachsenmaier, darunter 65,58 Millionen Euro Fördermittel. Für 2026 werde es „herausfordernd“.
Für Kunden gebe es „wenig Planbarkeit“. Interessant: Manche Firmen aus dem Automobilsektor orientierten sich um – „insbesondere zur Wehrtechnik“. Mit vorhandenen Anlagen und Maschinen produzierten sie auf dem neuen Sektor und witterten dort große Chancen.
Immobilien ja – aber vor allem gebrauchte
Vorstand Nicolas Mayer zeigte sich überzeugt, dass die regionale Ausrichtung Früchte trägt. Privatkundeneinlagen stiegen um 4,78 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro. Das Wertpapiergeschäft wuchs um 5,63 Prozent auf 3,19 Milliarden Euro – man sei „äußerst zufrieden“.
Bei Wohnbaufinanzierungen stieg das Neugeschäft um 13,25 Prozent auf 571,62 Millionen Euro. „Unsere Immobilienfinanzierer waren gut ausgelastet“, freute sich Mayer. Aber: „Ja, es werden eher gebrauchte Immobilien gekauft“ – Neubauprojekte seien nicht mehr erschwinglich.
Vorstand Daniel Hirt verwies auf das boomende Zahlungssystem-Geschäft: Das Händlerkundenvolumen stieg um 8,02 Prozent auf 22,90 Milliarden Euro. Täglich würden 596 Millionen Zahlungsvorgänge verarbeitet. „Auf diesem Strom schwimmen wir sehr gerne mit“, so Hirt. Für die europäische Bezahllösung Wero, die ohne Iban und in Echtzeit funktioniert und auch den Geldtransfer im Freudes- und Familienkreis einfach macht – quasi ein Pendant zum bekannteren Paypal-System – macht man sich hier besonders stark.
Unter dem Slogan „Nähe, die bleibt“ bekräftigte Hirt das Bekenntnis zu 39 Filialen: „Wir stehen zu unseren Filialen“, räumte aber Korrekturen bei Öffnungszeiten oder Automaten-Standorten ein – auch weil manche Menschen „kein Bargeld mehr brauchen“ oder Automaten gelegentlich gesprengt würden.
Engagement für Gesellschaft
Das gesellschaftliche Engagement der Bank unterstrich Irmgard Sachsenmaier: Rund 1,3 Millionen Euro flossen in Spenden, Sponsoring oder Aktivitäten der Volksbank-Stiftung – „ein aktiver Beitrag für ein lebendiges Umfeld“. Beispiele reichten von der Hilfe für Brandopfer nach dem verheerenden Feuer in der Villinger Innenstadt bis zum Engagement für die Jugend der Black Forest Panthers.
Nicolas Mayer stellte den Herzenssache-Preis vor, der mit 7000 Euro pro Region dotiert sei und bei dem Kunden ihre Favoriten wählten. „Den Menschen, die von sich aus aktiv sind“, wolle man eine Plattform bieten. Zu den Preisträgern gehörten Miriam Steup, die die City Cleaners im Schwarzwald-Baar-Kreis gründete, sowie der Weiße Ring in Villingen-Schwenningen als Hauptpreisträger für seine Hilfe für Gewaltopfer.
Skeptischer Ausblick
Trotz positiver Zahlen schwang Skepsis mit. Müller wagte den Ausblick nur mit „gewisser Prognoseunsicherheit“. Der Konjunkturklimaindikator der IHK zeige: „Sicher ist, dass nichts sicher ist.“Die Entwicklung sei regional unterschiedlich: Im Schwarzwald-Baar-Kreis mit vielen Automobilzulieferern ist die Situation angespannt. Im südlichen Oberrhein zeige sich hingegen hohe Resilienz, die Hochrhein-Region profitiere von der Schweiz. „Wenn ein Zylinder schwächelt, laufen die anderen trotzdem ganz gut und halten das Ganze am Laufen“, fasste Müller zusammen.
Zahlen und Daten
Bilanzsumme:
14,15 Milliarden Euro
Betreutes Kundenvolumen gesamt:
24,38 Milliarden Euro
Kundenkreditvolumen:
9,92 Milliarden Euro (-1,39 Prozent)
Kundenanlagevolumen:
14,47 Milliarden Euro
Betriebsergebnis
vor Bewertung: 118,01 Millionen Euro (+2,94 Prozent)
Kundeneinlagen:
10,07 Milliarden Euro (+3,60 Prozent), Privatkunden 3,73 Milliarden Euro (+4,78 Prozent), Firmenkunden 2,66 Milliarden Euro (+8,57 Prozent), institutionelle Anleger 3,68 Milliarden Euro
Zinsüberschuss:
188,23 Millionen Euro (+6,13 Prozent)
Provisionsüberschuss:
84,02 Millionen Euro (+1,95 Prozent)
Gesamtkapitalquote:
16,2 Prozent (Vorjahr: 15,6)
Ausschüttung:
10,35 Millionen Euro (– vier Prozent)