Mehrere Hundert Gäste, unter anderem aus Politik und Wirtschaft, sind beim Neujahrsempfang von Fürstenberg im Sudhaus zu Gast. Foto: Daniel Vedder

Die Fürstenberg-Brauerei bekennt sich zu ihrem Heimatstandort. Doch der Neubau in Donaueschingen ist vom Tisch. Der Geschäftsführer berichtet beim Neujahrsempfang von einer kriselnder Branche. Auch wenn einige Biersorten an Beliebtheit gewinnen, muss die Brauerei ein Absatzminus verzeichnen.

Die Fürstenberg-Brauerei hat ihre Pläne für einen Neubau in Donaueschingen verworfen. Geschäftsführer Georg Schwende erklärte beim traditionellen Neujahrsempfang der Brauerei im Sudhaus: „Wir haben zuvor alle möglichen Optionen geprüft.“ Ein Neubau sei aufgrund hoher Baukosten wirtschaftlich schlicht nicht machbar. Der Brauerei-Chef betonte bei der Veranstaltung aber auch, dass in Donaueschingen alternative Zukunftspläne umgesetzt würden.

 

Ein klares Bekenntnis zur Quellstadt als Standort der Brauerei kam auch von Jörg Biebernick, dem Chief Executive Officer (CEO) der Paulaner Brauereigruppe aus München, der Fürstenberg angehört: „Wir werden uns nicht von Donaueschingen verabschieden, nur weil hier kein Neubau möglich ist.“ Wie genau die Lösung aussehen werde, wisse er jedoch heute noch nicht.

Geschäftlich blicken die Fürstenberg-Brauerei und Georg Schwende auf ein herausforderndes Jahr zurück. Auch wenn der Umsatz leicht stieg: „Das Ergebnis entspricht nicht unseren hohen Erwartungen“, sagte Schwende. Im Vergleich zu 2023 verzeichnete die Brauerei im vergangenen Jahr ein Absatzminus von etwa einem Prozent. Damit stehe man laut Schwende jedoch noch deutlich besser da als der Landesschnitt und sei im Regierungsbezirk Freiburg bei Absatz und Umsatz die klare Nummer Eins unter den Brauereien. In Baden-Württemberg seien die Absätze insgesamt um 5,7 Prozent gefallen, berichtet der Brauerei-Chef.

Seit dem Jahreswechsel ziert eine Illustration von Donaueschingen die Flaschen. Foto: Daniel Vedder

Trend zeichnet sich auch bundesweit ab

Auch bundesweit haben Brauereien zu kämpfen. „2024 war ein anspruchsvolles Jahr für die 1500 Brauereien in Deutschland. Auf der einen Seite setzen die gestiegenen Kosten etwa für Rohstoffe, Energie und Logistik die Betriebe unter Druck. Auf der anderen Seite bekommen sie gleichzeitig die Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren“, erklärte Nina Göllinger, die Sprecherin des Deutschen Brauer-Bundes (DBB). Sie rechnet, wenn alle Zahlen ausgewertet sind, auch auf Bundesebene mit bis zu zwei Prozent weniger Absatz als im Jahr 2023.

Dass die Menschen weniger Bier trinken, stellt auch Georg Schwende fest. Knapp 88 Liter Bier konsumieren die Deutschen noch pro Kopf im Jahr. „Der Konsum ist seit Jahrzehnten rückläufig.“ Gerade in der Gastronomie geht weniger über die Theke. Schließungen, verringerte Öffnungszeiten und hohe Kosten machen sich dort stark bemerkbar. Wenig geholfen habe zudem ein verregneter Sommer, in dem einige Public Viewings zur Europameisterschaft ins Wasser fielen. „Leider blieb der erhoffte Absatz-Boom da aus“, so Georg Schwende. Laut Brauer-Bund war der Juni mit bundesweit minus 13,5 Prozent im Vorjahresvergleich der schwächste Bier-Monat.

„Das Ergebnis entspricht nicht unseren hohen Erwartungen“, sagt Georg Schwende, Chef der Fürstenberg-Brauerei, zum vergangenen Geschäftsjahr. Foto: Daniel Vedder

Mit Blick auf viele andere Branchen, in denen aktuell die Kurzarbeit zurückkehrt und einschneidende Umbrüche eingeleitet werden, sagte der Brauerei-Geschäftsführer: „Der Wirtschaftsstandort Deutschland steht vor der größten Herausforderung der vergangenen 30 Jahre.“ Die Gegebenheiten hier seien „nicht unternehmerfreundlich“. Für das neue Jahr zeigte sich Georg Schwende trotzdem hoffnungsvoll. Fürstenberg wolle 2025 kräftig investieren. Eine erste Änderung ist seit dem Jahreswechsel auf den Flaschen zu sehen. Auf den Etiketten ist nun eine Illustration der Stadt Donaueschingen abgedruckt, mit dem Schriftzug „Vom Ursprung der Donau – Donaueschingen“. Es soll ein weiteres Bekenntnis zur Heimat sein.

Alkoholfreie Varianten werden immer beliebter

Und noch ein weiterer Aspekt stimmt Schwende optimistisch: Einige Biersorten haben 2024 in den Verkäufen deutlich zugelegt. Unter anderem die alkoholfreien Varianten. Vor allem bei jungen Menschen gehe der Trend hin zum alkoholfreien Gebräu, erklärte der Brauerei-Chef. Laut Nina Göllinger vom Brauer-Bund wird alkoholfreies Bier in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle einnehmen: „Seit 2007 hat sich die Produktion alkoholfreier Biersorten in Deutschland mehr als verdoppelt.“

Bald wird jedes zehnte Bier, das in Deutschland verkauft wird, alkoholfrei sein. Da muss auch Fürstenberg mitziehen – wie gewohnt an altbekannter Stätte.

Lange Geschichte

Fürstenberg-Brauerei
Die Gründung der Fürstenberg-Brauerei geht auf das Jahr 1283 zurück: Damals erhielt Graf Heinrich I. von Fürstenberg von König Rudolf I. von Habsburg die Landgrafschaft Baar mit dem heutigen Donaueschingen als Lehen und damit auch das Recht, dort Bier zu brauen. Über 450 Jahre später, 1739, stieg die Nachfrage nach Bier – und Fürstenberg begann mit einem Neubau der Brauerei. Bis heute hat sich der Standort nicht verändert. 1988 brachte Fürstenberg eines der ersten alkoholfreien Biere Deutschlands auf den Markt.