Kai Glunk, Vorsitzender des Bezirksbienenzüchterverein Schwenningen, zeigt die Bienenstöcke der vier Vereinsvölker. Foto: Antonia Messner

Bei Bienen denken die meisten an ein fleißiges Brummen im Sommer und farbenfrohe Blumenwiesen. Doch auch zur kalten Jahreszeit haben Imker einiges zu tun. Während sich die Bienen hauptsächlich das Warmhalten ihrer Königin zur Aufgabe gemacht haben, werden Imker auch im Winter von verschiedenen Herausforderungen begleitet.

Über Feld- und Waldwege kommt man am besten zu Fuß an das kleine Imkergrundstück auf Melben in Schwenningen. Vier Bienenvölker stehen hier mitten auf einem im Sommer sonnigem Plätzchen, das Grundstück ist dann von Blumen und Blüten bewachsen. Jetzt im Februar bedeckt bloß etwas altes Laub den Boden und nur vereinzelt schwirren ein paar Bienen aus dem Bienenstock.

 

Imker Kai Glunk erzählt, dass die Hauptaufgabe der Imker im Winter darin besteht, altes Gerät zu warten, die sogenannten Rähmchen mit Wachsvorlagen zu bestücken und das Futter der Bienen zu kontrollieren.

Imker füttern im Winter zu

Das Futter im Winter zu beobachten sei wichtig, so Imker Kai Glunk. Denn die Bienen seien zum Warmhalten auf eine ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten angewiesen. Normalerweise würde dazu der Honig genügen, den die Bienen über den Sommer sammeln. Allerdings nicht immer. Denn in manchen Jahren sei in den Waben vor allem Melezitose zu finden. Diese Art von Honig würde zwar uns Menschen gut schmecken, könne den Bienen allerdings nicht zum Überwintern dienen. Der Grund: Die Melezitose kristallisiert im Winter. „Die Bienen verhungern so auf der Nahrung“, erklärt Kai Glunk. Sei das der Fall, müsse man mit Enzymen angereichertem Invertzucker zufüttern. Das Gemisch aus Frucht- und Traubenzucker wird aus Rohrzucker hergestellt. Da in Honig und Nektar ebenfalls Invertzucker enthalten ist, bietet sich der Zucker als alternatives Bienenfutter an.

Das Zufüttern über den Winter bei Bedarf sei unerlässlich, denn schon Krankheiten, Schädlinge und ungünstige Witterung würden dafür sorgen, dass etwa zehn Prozent der Bienen über den Winter sterben. Daher sei es wichtig, alles für den Erhalt der Bienen über den Winter zu tun.

„In den USA gibt es noch viel höhere Ausfallzahlen, das kann mit der Zeit auch bei uns ankommen“, warnt Kai Glunk, der auch erster Vorstand des Bezirksbienenzüchtervereins in Schwenningen ist.

Pflanzenschutzmittel schaden den Bienen

Eine Ursache für die hohe Sterblichkeit der Bienen in den USA könnte in diversen Pflanzenschutzmitteln liegen. Ein Beispiel: die Neonikotinoide. In der EU sind seit 2020 mittlerweile vier der fünf Wirkstoffe verboten. In den USA gibt es solche Verbote bislang nur vereinzelt. Doch die Insektizide schaden den Bienen, denn wenn Raps-, Weizen- und Maisfelder mit den Pflanzenschutzmitteln besprüht werden, nehmen die Bienen die Giftstoffe über die Pollen und Nektar auf. Im Bienenstock landen die Stoffe dann in Honig, Wachs und schließlich auch im Futter für die Larven.

Imker Kai Glunk rät daher besonders im eigenen Garten vom Gebrauch ab. Das Gift könne zum Verflug oder sogar einer verkürzten Lebensspanne führen. Außerdem würde die Brut Schaden von dem Pflanzenschutzmittel tragen.

Dieselbe Schlussfolgerung ziehen auch Forscher des Biozentrums der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. In einer Studie wurden Insektizide und Fungizide in verschiedenen Konzentrationen und Kombinationen an Bienen und ihren Larven getestet. Das Ergebnis: Das auch in Deutschland zugelassene Neonikotinoid Acetamiprid sorge bei hoher Konzentration zu einem früheren Tod bei den Larven. In Kombination mit Fungiziden verkürze es sogar schon in geringer Menge die Lebensdauer der Bienen.

Altbekannte und neue Herausforderungen für die deutschen Imker

Große Sorgen bereitet den Imkern auch die asiatische Hornisse. Ihren hohen Eiweißbedarf deckt die invasive Art nämlich über Hummeln, Schmetterlinge und auch Bienen. Wer im Frühjahr Nester an Bäumen entdeckt, solle das umgehend beim Landratsamt melden. Denn wenn im Sommer die Baumkronen mit Blättern bedeckt sind, habe man kaum eine Chance mehr, die Nester zu finden, erklärt Kai Glunk.

Ein schon lange bekannter Schädling sei außerdem die Varroamilbe. Die Milbe sei zwar schon seit rund 30 Jahren hier, allerdings habe sich die Honigbiene noch nicht an den Schädling anpassen können. Somit seien bislang die Imker gefragt, um die Bienen mithilfe von Tierarzneimitteln gegen die Varroamilbe zu behandeln. Im Gebrauch seien organische Säuren, wie Oxal- und Ameisensäure. Diese können allerdings nur außerhalb der Honigsaison genutzt werden – eine weitere Aufgabe also, die es in der kalten Jahreszeit zu beachten gilt.

Varroamilbe profitiert vom Klimawandel

Nicht nur Schädlinge erschwert den Bienen das Leben und den Imkern die Arbeit. Auch der Klimawandel macht Bienen und Imkern zu schaffen. Denn durch das veränderte Klima könnten sich Brutpausen im Winter verkürzen oder gar ausfallen. Das wiederum gäbe den Imkern weniger Chancen gegen die Varroamilbe vorzugehen. Das ginge nämlich nur in der sonst brutfreien Zeit. Doch auch hier liefern Imker Ansätze. „Wir helfen hier den Bienen mit geführten Brutpausen und erreichen damit Brutfreiheit im Winter“, erklärt Kai Glunk.

Im Winter sitzen die Bienen eng bei einander in einer Traube und wärmen sich so in einem rotierenden System gegenseitig. Foto: Antonia Messner

Für die Bienen erschwerend hinzukommen würden zudem die immer heißeren Sommer. Selbst bei der farbenfrohesten Blüte sei dann wegen der Trockenheit kaum Nektar für die Bienen zu holen, erzählt Kai Glunk und erinnert sich an einen besonders heißen Sommer: „Die Rapsfelder haben geblüht, aber trotzdem war dort keine Biene zu finden.“

Besser klirrende Kälte als stressende Schwankungen

„Ein knackig kalter Winter ist für die Bienen besser als ständige Temperaturschwankungen“, meint der Imker. Die unterschiedlichen Temperaturen im Winter und Frühjahr würden die Tiere stressen. Bliebe es über den Winter konstant kalt, könnten sich die Bienen besser darauf einstellen: „Gerade in den letzten Wochen hatten wir wieder für die Bienen viel zu große Schwankungen.“

Gegen den Klimawandel können die Imker alleine wohl nichts unternehmen. Dennoch haben sie Ziele, um die Bienen nachhaltig zu unterstützen: „Wir wollen eine gesunde Biene, die gegen die Varroa resistent ist“, meint Glunk. Den etwas ruhigeren Winter könne man dabei schon mal für Schulungen sowie zum Planen und Vernetzen nutzen.

Denn erst im April und Mai wird es wieder vermehrt summen und brummen, auf dem kleinen Grundstück auf Melben. Die Imker vom Bezirksbienenzüchterverein Schwenningen werden dann alle Hände voll zu tun haben, wenn die Bienen aus dem Bienenstock schwärmen, fleißig Blüten bestäuben und auf Nektarsuche gehen.

Der Verein

Großes Jubiläum
 Der Bezirksbienenzüchterverein Schwenningen am Neckar feiert 125-jähriges Bestehen. Mit einem „Tag der Imkerei“ wollen die 50 Mitglieder ihr Jubiläum feiern.

Zucht- und Vermehrungskurs
  In Schwenningen soll am 27. April eine Schulung zur Königinnenzucht stattfinden. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Baden-Württemberg Buckfastimker-Süd stattfinden. Interessierte Imker und Bienenfreunde können sich noch bis zum 21. April über die Webseite des Landesverbandes anmelden. Mitglieder können sich telefonisch unter der 0171 5174680 bei Ralf Alles melden. Eine Gebühr für Mitglieder des Landesverbandes oder des Schwenninger Vereins wird in Bar in Höhe von 20 Euro verlangt. Für Nichtmitglieder kostet die Schulung 40 Euro.