Eine Biene im Flug Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Kann man auch in der Stadt Bienen halten? Wir geben Antworten auf diese Frage.

Friedrich Scholte-Reh und Christian Wolf züchten Bienen. Sie kennen sich daher bestens mit den fleißigen Insekten aus.

 

Kann man in der Stadt Bienen halten? „Imkern in der Stadt ist nicht schädlich, das ist möglich“, sagt Scholte-Reh. Anders als die aufdringlichen Wespen tun Bienen im Freien den Nachbarn nichts: „Sie holen nicht den Kuchen vom Tisch“, verdeutlicht er. Sie sammeln Pollen und interessieren sich nicht für die Menschen. Daher ist Imkern in der Stadt beispielsweise auch auf dem Balkon im zehnten Stock eines Hochhauses möglich.

Leben Bienen in der Stadt womöglich sogar besser? Im Zollernalbkreis finden die pelzigen Sympathieträgerinnen trotz intensiver Landwirtschaft noch genug Nahrung – auch in einer größeren Stadt wie Balingen: Dort sind die Gärten vielfältig, wohingegen ihnen auf dem Land nach dem ersten Grasschnitt mitunter Futter fehlt. Deshalb geht es ihnen in der Stadt mindestens gleich gut, sagen die Experten.

Was ist zu beachten, ehe man sich ein Bienenvolk zulegt? Auf jeden Fall müsse man mit den Nachbarn und Vermietern reden. Diese müssen wissen, wo die „Beute“, also der Stock, aufgestellt wird. Das ist nicht nur für Allergiker wichtig: Häufig genutzte Laufwege der Nachbarn sollten nicht im Einflugbereich der Tiere liegen. Das Naturerlebnis sei im eigenen Garten, anders als in der Erwerbsimkerei, wichtiger als die Honigleistung. In einer Wohngegend sollte man daher Bienenarten halten, die sanftmütiger sind und eine ausgeprägte „Schwarmträgheit“ besitzen, also mit geringerer Wahrscheinlichkeit ihren Stock verlassen. „Nicht, dass sich der Schwarm am nächsten Kinderspielplatz niederlässt“, sagt Wolf.

Sind Bienen für Allergiker gefährlich? Im Verein gibt es Imker, die allergisch sind und ein Anti-Allergie-Set mit sich führen, weiß Scholte-Reh. „Aber die haben das nie gebraucht. Eine Biene sticht normalerweise nicht.“ Gut geschützt kann man sich auch weniger sanftmütigen Völkern nähern: Mit Handschuhen und Schutzkleidung braucht kein Imker Angst vor seinen Tieren zu haben.

Was müssen Bienenhalter rechtlich beachten? Beim Veterinäramt des Kreises müssen sie die Adresse melden, an der ihre Beute aufgestellt wird und dass die Einwilligung der Nachbarn vorliegt. Das Bienenvolk, von dem das neue abstammt, benötigt auch eine Gesundheitsbescheinigung. Diese bestätigt beispielsweise, dass die Tiere frei von der amerikanischen Faulbrut sind, einer Bakterienkrankheit, die Bienenmaden befällt.

Warum imkert man überhaupt? Egal ob in der Natur oder auf dem Flachdach, alleine oder zu mehreren – die Bienenhalter genießen die Zeit mit „ihrem“ Volk nach Feierabend. Man tue damit etwas für die Nachhaltigkeit und Biodiversität.Wolf findet die Entwicklung der Honigbiene und das Wachstum eines Volks ganz allgemein faszinierend: Das sei eine Naturbetrachtung, auch für die eigenen Kinder.

Liegt die Imkerei im Trend? „Ja, seit einigen Jahren“, bestätigt Wolf. Die Honigernte sei ein Hobby, von dem die ganze Familie etwas habe – und auch die Nachbarn, die sich über bessere Erträge ihrer Obstbäume freuen. Die Nachfrage nach Kursen beim Imkerverein sei sehr hoch: 20 bis 25 Teilnehmer melden sich jedes Jahr an. Heutzutage haben die meisten Hobbyimker nur noch zwei oder drei Beuten in ihrem Garten. Denn die Tierhaltung ist mit viel Arbeit verbunden.

Lohnt sich die Imkerei finanziell? „Das ist ein Hobby, bei dem ein bisschen Geld herauskommt“, weiß Obmann Wolf. Man könne gut eine schwarze Null erwirtschaften.

Was kann jeder Gartenbesitzer für Bienen tun? „Man sollte einen artenreichen, naturnahen Garten anlegen und den einfach wachsen lassen“, sagt Scholte-Reh. Man sollte sparsam, wenn überhaupt, chemische Unkrautvertilgung einsetzen. Und man sollte nicht jede Woche den Rasen mähen, um Blüten und Wildbeikräuter kurz zu halten, betont Wolf: „Ordnungsfanatik im Garten schadet der Vielfalt und damit den Bienen.“

Der Imkerverein Balingen-Geislingen-Rosenfeld ist im Internet unterwww.honigboerse.de zu finden.