Greenkeeper Heiko Hildebrandt vom Öschberghof, der amtierender Präsident des Golfclubs ist, möchte auch das Image des Sports verbessern. Foto: Nadja Varsani

Der Öschberghof-Platz zeigt, wie sich der Golfsport verändert: Statt Rasenpflege stehen Biodiversität und Naturschutz im Fokus. Und: So wird auch am Imagewandel gearbeitet.

Es quakt, zwitschert und zirpt, wenn man das Golfareal des Öschberghofs betritt. Darunter mischt sich das leise Surren der elektrischen Rasenmäher.

 

Damit der Ball sich ungehindert bewegen kann, „werden die Abschlags- und Spielbereiche, insbesondere die Fairways, täglich auf eine Schnitthöhe von etwa vier Millimeter gemäht“, erzählt Heiko Hildebrandt, Manager und Greenkeeper des Platzes, „dafür sind 15 bis 20 Greenkeeper saisonal täglich im Einsatz.“

Das klingt im ersten Moment nicht nach den besten Bedingungen für ein artenreiches Leben neben den sauber getrimmten Rasenanlagen.

Es kreucht und fleucht

Doch Hildebrandt weiß es besser. Nur rund ein Drittel des Areals werde intensiv bewirtschaftet, der Rest biete genug freie Flächen, auf denen es kreucht und fleucht.

Seit 16 Jahren ist Heiko Hildebrandt für die Pflege, Instandhaltung und Gestaltung des Platzes zuständig und seit April auch Präsident des Golfclubs. Während für die Rasenpflege früher vermehrt Pestizide und Fungizide eingesetzt wurden, versuche man heute, auf guten Boden zu setzen und nur einen Bruchteil der einst üblichen Düngemengen zu verwenden, berichtet er.

Wie aufs Stichwort spaziert eine Kröte seelenruhig über einen der Wege im Golfareal. Foto: Nadja Varsani

Mit einem Schmunzeln zeigt er auf eine sauber gemähte Rasenkante, die in eine Brennnesselwucherung übergeht. „Brennnesseln sind ein wichtiges Habitat vieler Arten, auch wenn man sie lieber nicht auf dem Golfplatz hätte“, gibt er zu.

Heiko Hildebrandt zeigt einen der Blühstreifen, der vor allem den Wildbienen zugutekommen soll. Foto: Nadja Varsani

Doch sie werden stehen gelassen, denn seit 2025 ist der Öschberghof Teil des Projektes Golf Biodivers, ein bundesweites Forschungsprojekt, das die Artenvielfalt auf Golfplätzen in Deutschland erhöhen will. Es wird vom Deutschen Golfverband gemeinsam mit mehreren Universitäten umgesetzt und staatlich gefördert. Welche Maßnahmen das sein können, erklärt Heiko Hildebrandt: „Zum Beispiel werden wenig genutzte Rasenflächen gezielt seltener gemäht, Blühwiesen und Blühstreifen mit heimischem Saatgut angelegt sowie Hecken und Gebüsche naturnah weiterentwickelt. Auch eine Streuobstwiese mit gefährdeten Arten haben wir gepflanzt.“

Für Insekten und Vögel

Gleichzeitig werde beobachtet, wie sich diese Maßnahmen auf Insekten wie Wildbienen oder Schmetterlinge oder auch Vögel und Fledermäuse auswirken.

Klingt nach Image-Maßnahme, ist es das auch? Beschreibungstafeln an den Flurstücken tragen die Logos der kooperierenden Universitäten und verweisen auf den wissenschaftlichen Hintergrund der Projekte.

Flächen mit Potenzial

Dass dahinter mehr steckt als bloße Außendarstellung, betont Alexandra Klein, Professorin für Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg. „Wir würden das nicht unterstützen, wenn es sich nur um eine Reputationsmaßnahme der Golfplätze handelte“, sagt sie.

Jeder Golfplatz habe eine Core Area, den Hauptspielbereich, wo kurzer Rasen, sowie reger menschlicher Betrieb anderes Leben unattraktiv mache. Diese Flächen seien gut vergleichbar mit landwirtschaftlich genutzter Fläche. „Neben diesen Flächen gibt es einen bedeutenden Teil Gründlandbestände, die großes Potenzial haben. Ich war nach unseren ersten Auswertungen selbst überrascht, wie viele Arten man hier findet. Wenn ich Vögel beobachten will, gehe ich hier auf den nächsten Golfplatz“, so die Professorin aus Freiburg.

Johannes Kollmann, Professor an der Technischen Universität München, hat das Potenzial von Grünanlagen um Golfplätze erkannt. „Es gibt kaum noch freie Flächen, auf denen man Artenvielfalt fördern kann. Bei Golfern findet man ein offenes Ohr für den Artenschutz“, so Kollmann. Foto: Johannes Kollmann/privat

Auch Johannes Kollmann vom Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München kann das bestätigen. „Unser Projekt beinhaltet über 700 Anlagen bundesweit. Unsere Auswertungen zeigen, dass die Artenvielfalt in Bereichen von Golfplätzen sogar die in Naturschutzgebieten übersteigen kann.“

Das Anliegen Nachhaltigkeit

Der Golfsport habe verstanden, dass es auch um seine Zukunft gehe und Nachhaltigkeit der jüngeren Generation ein Anliegen sei, formuliert es Kollmann.

Das bestätigt auch Heiko Hildebrandt. „Der Golfsport hat seit Jahrzehnten ein Image-Problem. Dabei ist es ein sehr naturnaher Sport, der Spaß macht und fit hält. Dem wollen wir auch mit unseren Bemühungen im Naturschutz Rechnung tragen“, erklärt er.

Das Projekt Golf-Biodivers

Der starke Rückgang der Artenvielfalt macht gemeinsames Handeln notwendig, um Lebensräume zu schützen und wieder vielfältiger zu gestalten. Das Projekt Golf-Biodivers setzt hier an: Es untersucht und verbessert die ökologische Qualität von Golfanlagen und entwickelt sie gezielt zu wertvollen Lebensräumen vor allem für Insekten weiter. Während früher die Ästhetik und pflegearme Arten im Fokus der Randbereiche von Golfplätzen standen, wird heute verstärkt auf Maßnahmen gesetzt, die den Lebensraum erweitern.