Seit anderthalb Jahren darf in Ratshausen nicht geangelt werden. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Seit mehr als anderthalb Jahren besteht im Ratshauser See ein Angelverbot – ein Ende ist noch nicht absehbar. Schuld daran ist eine Biberfamilie, die den Damm durchlöcherte.

Ruhig liegt der Ratshauser See in der gleichnamigen Gemeinde Ratshausen da . Zu ruhig, finden manche Angelliebhaber. Denn seit mehr als anderthalb Jahren besteht bereits ein Fischverbot im See, und ein Ende dieser Einschränkung lässt sich bisher nur schwer abschätzen.

 

Es war eine Überraschung, als der Fischereiverein Schömberg – Balingen nicht nur die altbekannten Fischarten im See vorfanden, sondern auch eine Biberfamilie, die darin ihr zuhause sah. Das stellte zunächst kein großes Problem dar, doch die Nager hatten den Damm des Sees gründlich beschädigt. Karl Heinz Seybold, Vorsitzender des Vereins schilderte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Der Damm war völlig zerlöchert.“ Die Schäden waren so gravierend, dass der Fischerverein gezwungen war, Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation zu stabilisieren.

Da der Biber jedoch eine streng geschützte Art ist, darf dieser nicht einfach so aus seinem natürlichem Lebensraum entfernt werden. Die illegale Beseitigung von Bibern wird hart geahndet, und wer dagegen verstößt, muss mit Strafen rechnen.

Das illegale vorgehen gegen Biber ist Strafbar

Daher meldete der Verein die Biberfamilie beim Landratsamt . Ein Beamter kam, um die Dringlichkeit der Lage zu beurteilen. Nachdem der Verein die Erlaubnis erhalten hatte, errichteten die Mitglieder einen 2400 Quadratmeter langen Zaun um den Damm, um den Biber fernzuhalten. „Der Schutz war notwendig, um keine größeren Schäden in Ratshausen zu verzeichnen,“ erklärt Seybold.

Der See musste daraufhin frisch aufgefüllt werden, um die fischereiliche Nutzung wieder zu ermöglichen. Während der Entleerung des Sees zog die Biberfamilie von selbst in den nahe gelegenen Bach um, die Fische wurden im Stausee, im Vorsee und im Österöschweier neu angesiedelt.

Für den Vorsitzenden ist der respektvolle Umgang mit der Natur ein zentrales Anliegen: „Es ist wichtig, mit der Natur richtig umzugehen und sie nicht zu misshandeln,“ betont er.

Abriss der Vereinshütte kann Aufhebung verzögern

Sobald der See wieder befüllt war, kehrte auch die Biberfamilie dorthin zurück. Für Seybold ist das eine erfreuliche Entwicklung: „Es ist schön, die Biber wieder dazuhaben. So ist die Natur, und solange sie nichts weiter kaputt machen, sind sie gerngesehene Bewohner.“

Bei einer Neufüllung von Fischbeständen werden keine fertig ausgewachsenen Fische eingesetzt, sondern kleinere die sich erst noch entwickeln, erklärt Seybold. Die jungen Fische, die nun in dem Gewässer schwimmen, sind unter anderem Karpfen, Schleie und Barsche. Seybold geht davon aus, dass das Fischerverbot in ungefähr einem Jahr aufgehoben werden kann, vorausgesetzt, die Situation bleibt stabil und die Fische entwickeln sich gut . Doch ganz abschätzen kann er dies nicht. Denn ein weiteres Problem stellt der geplante Abriss der Vereins-Hütte dar, die sich im neu erschlossenen Hochwasserschutzgebiet befindet. „Sollte die Hütte abgerissen werden, müssen wir natürlich mit einer längeren Dauer des Fischverbots rechnen.“ bedauerte Seybold. Daher bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird und wann die Fischer in Ratshausen wieder ungehindert ihrem Hobby nachgehen können.