Peter Daiker (links) erklärt Staatssekretär Andre Baumann (dunkle Jacke) die Maßnahmen, um Biberschäden zu vermeiden Foto: Steinmetz

Er gestaltet die Fluss- und Bachlandschaft um, schafft neue Lebensräume, aber auch Probleme: der Biber. Drei Beispiele im Kreis Freudenstadt.

Stationen der Exkursion sind Musbach, Dettlingen und Dießen. Vertreter des Regierungspräsidiums, des Landratsamts, der Naturschutzverbände BUND und Nabu und ehrenamtliche Biberbeauftragte sowie der Ortschaften begleiten den Staatssekretär.

 

Hintergrund der Exkursion: Das Umweltministerium hat vor Kurzem eine „Clearingstelle Biber“ für bisher noch nicht gelöste Konflikte mit dem emsigen Nager eingerichtet. Dass diese häufiger werden, hängt mit der Zunahme der Biber zusammen. In Baden-Württemberg leben, so der Staatssekretär, mittlerweile rund 11 500 dieser Tiere. Eine jetzt auf den Weg gebrachte Verordnung soll das Bibermanagement „in alle Richtungen verbessern“. Vergrämung oder sogar Entnahme in besonders kritischen Bereichen wie Kläranlagen, Hochwasserschutzanlagen oder Bahndämmen gehören dazu.

Station zwei: Bibermanagement beim Sportplatz Dießen Am Dießenbach siedelte sich der Biber vor rund vier Jahren an. Beim Sportplatz zwischen Dießen und Dettlingen hat er einen Damm aufgeschichtet. Das Bauwerk führte dazu, dass sich das Wasser staute und einen Teil der angrenzenden Wiese dauerhaft überflutete. Der Eigentümer war nicht begeistert – Handlungsbedarf war angesagt.

Um die Grünfläche wieder trocken zu legen, wurden ein Begleitdamm und ein Graben zur Ableitung des Wassers zurück in den Bach gebaut. Ein Gitter soll verhindern, dass der Biber den Damm nicht unterhöhlt. „Bei Normalwasser läuft nichts mehr raus“, versichert Peter Daiker, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Freudenstadt, der in dieser Funktion auch für die Biberberatung zuständig ist.

Der Biber hat auf einer Fläche des Landes Baden-Württemberg bei Dießen ein Feuchtgebiet mit Biberteichen und neuen Biotopen geschaffen. Foto: Steinmetz

Daiker führt am Sportplatz entlang zu dem kleinen „Stausee“ im hinteren Bereich. Im Bach sehen die Exkursionsteilnehmer Bissspuren und gefällte Bäume. Entstanden ist durch den Rückstau auf einer Fläche im Eigentum des Landes ein Feuchtgebiet – eine richtige Wasserwildnis. Staatssekretär Baumann zeigt sich begeistert: „Mir geht das Herz auf.“

Allerdings muss er sich auch Kritik anhören. Der stellvertretende Ortsvorsteher von Dießen, Bernhard Armbruster, und der Dettlinger Ortsvorsteher Theo Walz wundern sich, dass die Bibermaßnahmen am Sportplatz im Vorfeld der Begehung so positiv dargestellt wurden.

Das Rohr ist zwar nicht schön, trägt aber dazu bei, dass das Wasser nicht auf Wiese und Sportplatz übertreten kann. Foto: Steinmetz

Armbruster, auch einer der Eigentümer am Dießenbach, betont, dass alle Anlagen nichts wert seien, wenn sie nicht instandgehalten würden. So sei der Graben eine Zeit lang „toll gewesen“, bis der Biber wieder einen Damm gebaut und seine Wiese erneut überschwemmt habe. Er musste deshalb selber tätig werden und den Graben ausräumen. Gewünscht hätte er sich zudem einen offeneren Umgang: „Lassen sie die Eigentümer nicht außen vor, sonst schwindet die Akzeptanz“, appelliert er an den Politiker. Armbruster ist nichtsdestoweniger überzeugt, dass für die Eigentümer und Bewirtschafter eine Co-Existenz mit dem Biber möglich ist. „Wir sehen uns auch als Naturschützer“, erklärt er.

Biber hat neue Lebensräume geschaffen 

Station drei: Biberteiche auf Landesflächen Am Rand der Wiese im Naturschutzgebiet geht es zu den am Sportheim geparkten Autos zurück. Am Ortsausgang von Dießen parken die Teilnehmer erneut ihre Fahrzeuge. Sie wandern bachabwärts über eine kleine Brücke. Der Bach plätschert hörbar. Hinter hochwachsendem Schilf befinden sich Wiesen, die nach der Flurneuordnung ebenfalls im Eigentum des Landes sind.

Das Besondere sind aber die Teiche, die der Biber angelegt hat. Auch hier liegen kleine Bäume im Wasser. Es gibt Seitenarme, Stellen, an denen sich Amphibien aufwärmen können, Laichplätze für Fische. Kleine Libellen schwirren herum, Scharen von Schmetterlingen hat Daiker beobachtet.

„Es ist ein toller Lebensraum. Das Fließgewässer sieht aus, wie man es aus Volksliedern kennt“, stellt Baumann fest. Um es so zu renaturieren, müsste viel Geld ausgegeben werden. „Der Biber macht es umsonst“, sagt Baumann. Das kann Alexandra Ickes, Artenschutzreferentin des Nabu Baden-Württemberg, bestätigen. Neben dem ökologischen Nutzen weist sie auf einen anderen Aspekt hin. Die Biberdämme halten bei Starkregen das Wasser zurück und dienen somit auch dem Hochwasserschutz.

Flächentausch als mögliche Lösung

Station eins: ungelöstes Problem in Obermusbach Bereits am Vormittag war die Delegation in Obermusbach. Durch Biberüberschwemmung ist dort eine Grünlandfläche nicht mehr nutzbar. Das verhindert auch den Zugang und damit die Bewirtschaftung des Waldes. Ein möglicher Ansatz könnte Flächentausch sein. Eine Lösung des Problems ist bei der Besichtigung aber noch nicht gefunden worden.