Tiere seit dem vergangenem Jahr am "Dießener Bach" heimisch. Emsige Arbeiter.
Die beiden Biber, die seit vergangenem Jahr am "Dießener Bach" heimisch sind, zeigen sich tüchtig. Was die beiden im und am Wasser alles treiben, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.
Horb-Dießen - Zusammen mit dem Wildtierbeauftragten des Landkreises Freudenstadt Peter Daiker begutachtete der Schwarzwälder Bote den derzeitigen Lebensraum und Arbeitsplatz der Biber.
Anhand einer Wildtierkamera konnte Daiker feststellen, dass zwei Biber am "Dießener Bach" heimisch geworden sind und im Oktober mit dem ersten Bauabschnitt begonnen haben. Dieser Teil diente offenbar zunächst der Erkundung, bevor im zweiten Bauabschnitt eine Schwimmstrecke angelegt wurde. Der Dammbau trägt unter anderem dazu bei, dass sich der Bach verbreitert und sich das Nagetier energieeffizienter im Wasser fortbewegen kann. Laufen sei für das Tier nämlich viel anstrengender, verrät Daiker.
Rund 30 Prozent des Körpergewichts gehen im Winter verloren
Der Biber hält keinen Winterschlaf und stellt zudem während der kalten Jahreszeit seine Ernährung um. "Wir Menschen werden im Winter dicker und der Biber nimmt stattdessen ab", konstatiert der Wildtierbeauftragte. Der Biber verliert rund 30 Prozent seines Körpergewichts im Winter und ernährt sich von Baumrinde, Knospen und Zweigen, welche zunächst über den Blinddarm verdaut werden. Die Ausscheidungen recycelt der Biber quasi über eine erneute Aufnahme. Im Frühjahr stehen eiweißreiche Nahrung und Kräuter auf dem Speiseplan. Auch für den Fall, dass im Winter das Gewässer gefriert, weiß sich der Biber zu helfen. Hierfür legt der Überlebenskünstler ein Nahrungsfloß an, bestehend aus den genannten Materialien, an welchem sich das Tier auch unter Wasser bedienen kann. Unterhalb der Wasseroberfläche befindet sich auch der Eingang zu den Behausungen des Tiers. Zum einen dient dies als sichere Barriere gegenüber Feinden, zum anderen der Bequemlichkeit des Bibers, um mühelos in das nächtliche Domizil zu gelangen.
Gefällte Baumstämme nagt das Tier oft nur unvollständig ab
Der Biber ist praktisch veranlagt und versucht mit wenig Aufwand das optimale Ergebnis zu erzielen. "Das ist das Energiesparprinzip der Natur", verdeutlicht Daiker hierbei. Über eine Länge von circa 1,5 Kilometern gestalteten die Geschöpfe am Dießener Bach ihren Lebensraum. Zehn Dämme, ruhige Gewässer und Biberrutschen prägen nun das Bild des Baches.
Der Biber sei mit dem Menschen das einzige Säugetier, welches seine Umgebung nach eigenen Vorstellungen gestaltet. Der einzige Unterschied zum Menschen sei hierbei jedoch: "Der Biber zerstört dabei nicht den Lebensraum anderer Tierarten, sondern schafft neuen Lebensraum." Die Dämme reinigen das Wasser auf natürliche Weise von Phosphaten und Nitraten, die Biberseen sorgen für eine Vielfalt anderer Tierarten. In den neu entstandenen Bibertümpeln siedeln sich ebenfalls rasch Pflanzen und Tiere an, wie Libellen, Grasfrösche. Ringelnattern und Fische. Dies lockt wiederum Schwarzstörche, Eisvögel und Fischotter an. Gefällte Baumstämme nagt der Biber oft nur unvollständig ab, wodurch die Stämme neue Triebe bilden und ganze Gebüsche entstehen können. Natürliche Verjüngung und Renaturierung ohne Einsatz von Bagger oder Kettensäge. "Für Renaturierungsmaßnahmen braucht man Planer, Ingenieure und Baumaschinen. Eigentlich bräuchte man aber nur einen Biber und viel Zeit. Der Rest kommt von selbst", konstatierte Daiker abschließend.