Ein kleines Bäumchen ist abgenagt. Foto: Leykam

Auf dem Gartenschaugelände ist was los. Da sind nicht nur Bagger, Maschinen und Bauarbeiter, es hat sich auch der erste heimliche Besucher eingeschlichen: ein Biber. Seine Spuren lassen sich seit geraumer Zeit in Form von angenagten Ästen und Baumstämmen am Ufer der Eyach finden.

Balingen - Der Biber ist aus Bayern über die Donau nach Baden-Württemberg eingewandert, teilt Niko Skarlatoudis, Fachbereichsleiter Marketing und Veranstaltungen, mit. Biberbauten seien in Nusplingen, Oberdigisheim, Ratshausen, Schömberg, Straßberg, Albstadt, Burladingen und Haigerloch sowie an den Gewässern der Oberen Bära, Schlichem, Schmiecha oder Schmeie, Lauchert, Fehla und der Starzel bekannt.

"Wir von der Gartenschau freuen uns natürlich über jegliche Arten, die wir bei uns willkommen heißen dürfen", so Skarlatoudis. Es signalisiere, dass den Tieren trotz der Nähe zur Innenstadt naturnahe Lebensräume geboten würden und der Artenschutz, also die Erhaltung und die Vielfalt, dadurch gewahrt werden könne. Auch auf dem Gelände und im Ausstellungsjahr soll diesen Tieren besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.

Die Spuren in Balingen selbst wurden bei der Nahrungssuche verursacht. Der Biber sei ein reiner Vegetarier und ernähre sich vor allem im Winter hauptsächlich von Rinde und Ästen. Es könne daher auch schon mal vorkommen, dass junge Bäumchen gefällt würden. Das Holz werde dann nicht nur als Futter genutzt, sondern auch, um die berühmt-berüchtigten Dämme und Biberbauten zu errichten.

Reviersuchende Jungbiber

In diesen wohnten die monogamen Biber mit ihren Familien, deren weibliche Artgenossen jährlich bis zu drei Junge zur Welt bringen. Nach etwa zwei Jahren müssten die Jungtiere das Revier verlassen, um sich ein eigenes und unbesetztes Revier zu suchen. "Hier in Balingen haben wir vermutlich eben diesen Fall der reviersuchenden Jungbiber, da die Nagespuren sich auf kleine Bäumchen und Sträucher beschränken und dadurch einen Hinweis auf reine Futtersuche geben", erklärt Skarlatoudis. Dass derzeit auch kein Biberbau bekannt sei, unterstütze diese Annahme.

Die ersten Biberspuren seien in Balingen Mitte 2021 an Eyach und Steinach sowie in den Stadtteilen Dürrwangen und Frommern entdeckt worden. Es sei davon auszugehen, dass der Innenstadtbereich sowie das Gartenschaugelände selbst wohl nicht von besonderem und dauerhaftem Interesse für Biber sei. Der Bereich der nördlicheren Eyach ab dem Naturfreundehaus sei da allerdings ein anderes Thema.

Keine Eigeninitiative

Inzwischen habe eine Geländebegehung mit Mitarbeitern des Teams der Gartenschau, der örtlichen Bauüberwachung sowie dem Biberbeauftragten des Zollernalbkreises, Heinz-Dieter Wagner, stattgefunden, mit welchem die Stadt Balingen in engem Kontakt stehe. Betroffene Bürger sollten bei sämtlichen Konflikten mit dem Biber wie zum Beispiel Nagespuren an Gehölzen oder Vernässung von Grundstücken durch einen Biberdamm nicht selbst agieren, sondern sich an die Naturschutzbehörde des Landratsamts wenden.

Seitens der Stadt würden derzeit keine Maßnahmen vorgenommen, jedoch stehe das Verhalten des Bibers im Innenstadtgebiet unter Beobachtung, erläutert Skarlatoudis weiter. Treten die Spuren des Nagers vermehrt auf und würden wertvolle Gehölze gefährdet, insbesondere auch im Blick auf die bevorstehende Gartenschau, gebe es naturschutzverträgliche Möglichkeiten, die Gehölze zu schützen.

Das bedeute, die Stämme erhielten einen Nagerschutz in Form einer Maschendrahteinzäunung oder eines Abwehranstrichs. Die erforderlichen Materialien könnten über ein EU-Programm zum Schutz des Bibers bezogen werden, auch von Privatpersonen über die Naturschutzbehörde des Landratsamts. Die Stadt Balingen werde hierfür im Bauhof einen kleinen Vorrat einrichten.