Der Biber vom Mühlkanal ist inzwischen am Mühlbach am Werk. Der schon relativ stabile Damm, den der Biber dort innerhalb kürzester Zeit errichtet hat, ist nun allerdings verschwunden – Hartmut Polet und Karl Wezel vermuten, dass hier jemand seine Finger im Spiel hatte.
Sulz - "Man könnte meinen, es ist eine Firma zugange", sagt Hartmut Polet und lacht. Am Mühlbach zwischen Renfrizhausen und Mühlheim treibt derzeit ein Biber sein Unwesen. Im Nullkommanichts hat das Nagetier hier einen halben Meter hohen Damm errichtet.
Doch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sei dieser verschwunden. Das ganze Gehölz sei in den nächsten Weiher heruntergespült worden, schildert Polet. Er vermutet, dass jemand am Damm zugange war, denn auch eine Uferseite sei gemäht worden. Zudem sei der Damm teils aus dicken Stämmen errichtet worden, die nicht ohne Weiteres hätten weggespült werden können.
Stadt hat Damm nicht entfernt
Die Stadt, die ebenfalls über den Biber am Mühlbach informiert sei, habe mit dem verschwundenen Damm nichts zu tun, versichert Alexander Beller vom Bauhof auf Nachfrage. Dass die Stadt dort Mäharbeiten durchführt, sei nicht ungewöhnlich, doch den Damm habe dort niemand entfernt, fügt er hinzu.
"Der Biber hat ganze Arbeit geleistet", meint auch Karl Wezel, Naturexperte und Grundstücksbesitzer am Mühlbach. Problematisch hätte der Damm am Bach bei einem Hochwasser werden können, vermutet er. So sieht es auch Polet. Durch den verschwundenen Damm besteht nun vorerst zwar keine Gefahr, doch das Tier habe bereits den nächsten Baum angeknabbert – und ist damit fleißig bei der Arbeit.
Gerhard Jäckle, ehrenamtlicher Biberberater im Landkreis Rottweil, erklärt, dass der Biber sich bei Hochwasser mit dem Bau von Dämmen unter Umständen sogar selbst eine Falle stellt. Wenn der Biber einen Damm errichtet, könnten dadurch die Jungen gefährdet werden, die unter Umständen im Bau ertrinken.
Wezel und Polet vermuten, dass am Mühlbach sogar zwei Biber unterwegs sind. Das hätten die Beobachtungen einer Wildtierkamera ergeben. Der Biber holt sich am Ufer das Gehölz aus der näheren Umgebung von Hecken und Sträuchern. Wezel berichtet, dass sich der Biber auch an Altholz auf seinem Grundstück bedient habe.
Wie fachmännisch und stabil der Bau durchgeführt wird, zeigten erste Beobachtungen. Zunächst habe das Tier das Material quer über das Wasser und anschließend der Länge nach darüber gelegt. Gerade deshalb sei es eher unwahrscheinlich, dass der Damm weggespült worden sei.
Maschendraht soll Bäume schützen
Die beiden Mühlheimer gehen außerdem davon aus, dass der Biber vom Mühlkanal an den Mühlbach umgesiedelt ist. Laut Wezel habe das Tier dort einen Damm gebaut, der mittlerweile aber fertig sei. Jetzt brauche das Nagetier ein neues Revier, insbesondere deshalb, weil die Felder, die dem Biber dort als Nahrungsquelle gedient haben, abgedroschen wurden. "Der Biber braucht irgendetwas zu fressen und nagt nun an den Bäumen die Rinde ab", meint Polet.
Dass es nicht ungewöhnlich ist, dass der Biber sein Revier wechselt, bestätigt auch Biberberater Jäckle. Wenn die Biberjungen drei Jahre alt sind, müssen sie ausziehen, erklärt er, und sich ein neues Revier suchen. Zusätzlich richte sich die Wahl des Reviers auch nach der vorhandenen Nahrung. Hierbei habe sich der Biber in den vergangenen Jahren stark gewandelt. "Der Biber ist sehr anpassungsfähig", weiß Jäckle. Mittlerweile habe er seine Speisekarte enorm erweitert und fresse bis zu 350 unterschiedliche Pflanzen.
Am Mühlbach haben die beiden Mühlheimer nun erste Maßnahmen ergriffen, um die Bäume auf dem Grundstück vor dem Biber zu schützen. "Wir haben die Bäume mit Maschendraht gesichert und Baumschutzfarbe verwendet", erklärt Polet. "Ich schaue mir das mit naturrelevanten Augen an", meint Wezel. Die Büsche und Sträucher könne sich der Biber holen. Jäckle erklärt, dass der Draht die beste Möglichkeit sei, um Bäume vor dem Biber zu schützen.
Im Landkreis sei die Biberpopulation derzeit stabil. "Es ist alles besiedelt, was besiedelt werden kann", meint der Biberberater. In Sulz und Umgebung sei der Biber bereits seit über zehn Jahren aktiv. Frustriert wird nun wohl das Nagetier am Mühlbach sein, dessen mühsam errichteter Damm weggespült oder gar zerstört wurde. Doch das Tier hat sich bereits wieder an die Arbeit gemacht. Jäckle erklärt, dass ein Biber innerhalb einer Nacht einen halben Meter hohen Damm errichten könne.