Die Biathlon-Saison neigt sich dem Ende zu. Landestrainer Steffen Hauswald zieht eine erste Bilanz und blickt auch auf die vergangenen Junioren-WM zurück.
Für die Biathleten aus Baden-Württemberg geht eine durchwachsene Saison zu Ende. Landestrainer Steffen Hauswald sieht eine positive Entwicklung seiner Athleten – aber auch einige Baustellen.
Mit dem Finale des Deutschland-Pokals in Ruhpolding ist die Saison fast zu Ende. Wie sieht Ihre Bilanz für den Nachwuchs aus?
Ich denke, wir haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre bestätigt. Mit den Bayern zusammen sind wir an der Spitze. Auch mit dem Wochenende können wir zufrieden sein. Es war noch einmal eine Herausforderung, die Spannung hochzuhalten, gerade bei diesen sommerlichen Bedingungen. Aber es ging ja auch nocheinmal um deutsche Meistertitel, da will man sich als Verband zeigen und das ist uns ganz gut gelungen.
Wie sahen die Herausforderungen aus?
Es war warm, der Schnee entsprechend tief, vor allem am Nachmittag und vor allem das Training ist unter solchen Bedingungen natürlich nicht optimal. Da tut sich der eine leichter, dem anderen liegt das nicht. Aber auch das müssen die Sportler annehmen. Das hat man auch bei der Junioren-WM am Arber gesehen. Das gehört zu unserem Sport dazu. Ich denke, sie haben das gut gemacht. Es ist aber auch gut, dass es jetzt vorbei ist. In der vergangenen Saison hatten wir zwei Wettkämpfe bei solchen Bedingungen, das muss dann auch nicht sein.
Gibt es jemanden, der überrascht hat im Saisonverlauf?
Bei der J16 ist es ja immer spannend, wie es mit dem Umstieg im Schießen klappt. Dass Elena Mayr sich so stabil neben Mia Kasper etabliert, das hätten wir so noch nicht erwartet. Das freut uns natürlich. Ansonsten haben wir das Thema mit dem Schießen. Da müssen wir stabiler werden. Im Training funktioniert das gut, in vielen Wettkämpfen nicht.
Das ist ja auch auf DSV-Ebene ein Thema …
Da wird ja schon einiges getan mit Engelbert Sklorz, der viel in der Analyse macht auch mit uns zusammen und jetzt mit der Schießakademie in Oberhof. Da wird in den Lehrgängen der Nachwuchskader gearbeitet. Ich sehe aber vor allem uns Landestrainer an den Stützpunkten in der Verantwortung. Wir sind hier gefordert. Wir dürfen auch nicht abwarten, was jetzt vom DSV kommt, sondern müssen selbst einen Plan haben, auch, wo wir mit den Wettkampfserien hinwollen.
Da gibt es ja immer wieder Diskussionen. Soll man nur noch auf den Alpencup setzen?
Wir müssen erst einmal den Deutschland-Pokal stärken. Alpencup ja, aber vielleicht nicht mit den großen Mannschaften. Wettkämpfe mit 400 und noch mehr Sportlern zu haben, das hat auch seine Nachteile. Das werden unendlich lange Tage, nicht nur für die Athleten, sondern vor allem für Techniker und Trainer. Wir haben uns mit den Landesverbänden schon in Ruhpolding zusammengesetzt. Das war ein sehr guter Austausch. Wir wollen nicht warten, bis uns der DSV und der neue Sportdirektor, wer auch immer es wird, dann sagt, was wir tun sollen. Der hat zunächst andere Themen. Wir wollen selbst eine Strategie entwickeln und dies dem DSV dann vorschlagen.
Steht es denn wirklich so schlimm um das deutsche Biathlon?
Nein, diese Katastrophenstimmung und diese Rundum-Diskussionen, bei denen alles in Frage gestellt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Beim Schießen waren wir nicht so stabil wie andere. Generell müssen wir schauen, dass wir unser Nachwuchssystem verbessern, unsere Saison- und Wettkampfplanung überdenken, zum Beispiel ob man die gesamte Saison über von Qualifikation zu Qualifikation gehen muss. Wie gesagt, damit haben wir angefangen.
Hatten die Sportler bei der Junioren-WM schlechtes Material?
Diese Diskussion will ich nicht führen. Da war ich auch zu weit weg. Ich muss mit unseren Sportlern noch reden. Lukas (Anm.d.Red: Tannheimer) war läuferisch gut dabei, aber sicher nicht in Topform, das hat er selbst auch so formuliert. Wenn man aber fünf Fehler im Einzel schießt, muss man die Materialdiskussion nicht führen.
War es ein Fehler, die jüngeren Sportler „hochzuziehen“?
Auch hier gilt, dass man hinterher immer schlauer ist. Ich fand, für Ina Lickert war das, abgesehen von der Krankheit, eine gute Jugend-WM, zum Reinschnuppern bei den Großen. Sydney (Anm.d.Red: Wüstling) hat ja gut abgeliefert. Bei Melina (Anm.d.Red: Gaupp) hat es mal nicht funktioniert. Das ist nun mal so. Dass einige andere Nationen beim Junior-Cup nicht auftauchen, ihre heimischen Serien laufen und dann mit starken Sportlern zur JWM kommen, auch das weiß man.
Jetzt hören wieder einige Sportlerinnen und Sportler nach dem Juniorenalter auf, die Ina Metzner und Sie über viele Jahre betreut haben. Wie ist das für euch?
Ja, das tut schon immer wieder weh, schließlich begleiten wir sie über Jahre hinweg. Nehmen wir Jannis Dold als Beispiel, der eine sehr gute Entwicklung hatte. Sportlich wie menschlich. Wenn ein Sportler das dann so klar für sich entscheidet, wie er das gemacht hat, dann muss man das einfach akzeptieren. Er hat sich das sehr gut überlegt, sich ein Ziel gesetzt. Dazu hat es nicht ganz gereicht und jetzt setzt er seine Entscheidung konsequent um. Natürlich ist es schade.