Haderte mit dem Stehendschießen: Janina Hettich-Walz startete im Massenstart hervorragend, doch vier Strafrunden waren am Ende zu viel. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Beim Massenstartrennen der Frauen liegt Janina Hettich-Walz bis zur Hälfte auf Medaillenkurs, doch dann klappt es am Schießstand nicht mehr.

Auch die Lauterbacherin Janina Hettich-Walz vom SC Schönwald konnte die schlechteste Olympia-Bilanz der deutschen Biathletinnen und Biathleten mit vielen vierten und fünften Plätzen nicht retten. Nur einmal Bronze in elf Rennen: Das ist weit am Anspruch der erfolgsverwöhnten, Biathlon-verrückten Nation vorbei.

 

Beim Massenstartrennen am Samstag, dem letzten Auftritt der Stars Franziska Preuß und Dorothea Wierer (Italien), waren die Tribünen wieder voller schwarz-rot-goldener Fahnen. Über mangelnde Unterstützung konnten sich die Deutschen nicht beklagen.

Und Janina Hettich-Walz, die in der Staffel glänzte, hatte einen guten Start, kämpfte sich bis zum ersten Schießen von Startplatz 30 auf 22 nach vorn, blieb mit einer schnellen Schießeinlage fehlerfrei und ging auf Platz 8 liegend wieder in die Loipe.

Fehlerfrei und schnell

Bravourös hielt sie sich bis zum zweiten Schießen in der Spitzengruppe und wurde von den vielen Deutschen auf der Tribüne bejubelt. Und sie lieferte: fehlerfrei in schnellen 24 Sekunden! Und Platz 2!

Nachdem sich die Lauterbacherin sogar zwischenzeitlich an die Spitze gesetzt hatte, wurde es spannend: erstes Stehendschießen – und gleich die ersten beiden Schüsse trafen nicht ins Ziel. Zwei Strafrunden, Platz 18. Und der Traum von einer Medaille war so gut wie ausgeträumt.

Noch zwei Strafrunden

Nur Vanessa Voigt hielt sich fehlerfrei in der Spitzengruppe. Der allerletzte Schuss bei ihr saß aber nicht – sie war kurz vor einer Medaille, am Ende wurde es Platz 7. Bei Janina Hettich-Walz funktionierte das Stehendschießen im zweiten Anlauf auch nicht – wieder zwei Strafrunden, am Ende wurde es Platz 17 beim Sieg von Océane Michelon vor Julia Simon (beide Frankreich) und Tereza Vobornikova (Tschechien).

Getrübte Aussichten

Der Blick in die nähere deutsche Zukunft ist getrübt. Während Frankreich und Norwegen davongezogen sind, hat das deutsche Team im Moment den Anschluss verloren. „Es gibt im Moment niemanden, der mit einer brutal schnellen Schießzeit Druck macht oder einfach mal in eine Strafrunde easy rausläuft“, fasst es DSV-Sportdirektor Felix Bitterling zusammen.

Zwar „haben wir wirklich gute Athleten, die auch gut performen können, die sich auch in der Weltspitze tummeln können“, meint er, aber: „Wir haben diese X-Faktor-Athleten derzeit nicht.“

Zu wenig Nachwuchs

Das liegt auch an der mangelnden Breite im Nachwuchs. David Zobel fragt provokant: „Warum ist das deutsche Fußball-Nationalteam besser als das von Norwegen?“ Und gibt gleich die Antwort: „Weil wir mehr Fußballer haben!“

Schwierige Arbeit

Im Biathlon sei die Situation so: Über 200 französischen Nachwuchs-Biathleten stehen rund 50 deutschen gegenüber. Und die Nachwuchsarbeit wird immer schwieriger, die „Gruppe der Athleten und Athletinnen, die sich aktiv für Leistungssport entscheidet und diesen dann auch durchzieht, wird immer kleiner“, sagt Bitterling.

Ein paar Lichtblicke

Doch es ist nicht alles trübe: Gerade die Leistungen von Julia Tannheimer (Ulm/Ex-SKIF Furtwangen) bei Olympia lassen hoffen, Bitterling setzt auch auf Junioren-Weltmeister Leonhard Pfund (22), Elias Seidl (21), Franz Schaser (23) und Selina Grotian (21). Vielleicht ist darunter das „eine Übertalent“, das David Zobel beschwört. „Ansonsten wird es schwierig.“

Führungsrolle für Janina Hettich-Walz

Nach dem Rücktritt von Franziska Preuß dürfte das deutsche Team im nächsten Jahr von Janina Hettich-Walz angeführt werden. Die 29-Jährige jedenfalls hat noch viel vor. Und vielleicht läuft es bei der Lauterbacherin bald auch wieder beim Stehendschießen besser.