Der geplante Windpark in Starzach stößt auf Widerstand. Vor kurzem ist die Bürgerinitiative „Pro Natur Starzach – Gesundheit, Landschaft und Wald schützen“ gegründet worden. Sie hat zu einem Spaziergang in den Wald eingeladen.
An der Bierlinger Grillhütte war Treffpunkt. Ein Elektro-Mobil stand für Teilnehmer, die nicht gut zu Fuß waren, bereit. Peter Duffner drängte zum Aufbruch. „Wir sprechen heute nicht über Windräder“, sagte er. Aber natürlich ging es um Windräder, doch an diesem Tag sollte zuerst einmal bewusst werden, was sie kaputt machen könnten. Der Spaziergang führte Richtung Gemeindewald. Holzfäller waren kürzlich drin. Am Wegrand lagen gestapelte Stämme, augenscheinlich von bester Qualität. „Hier wird ein Windrad stehen, da und dort“, erklärte Duffner bei einem kurzen Stopp am Waldrand.
Vier Anlagen sollen es auf Gemeindegemarkung sein, fünf weitere auf privaten Waldflächen – so jedenfalls war der Stand bei der Informationsveranstaltung der Stadtwerke Tübingen im Frühjahr.
Summen der Bienen zu hören
Es ging noch ein Stück weiter in den Wald hinein. Tische waren aufgestellt, Getränkekisten wurden herangeschafft. Duffner hat eine Stelle gewählt, von der man aus sehen konnte, wie sich der Wald verjüngte. Wenn man still war, hörte man das Summen der Bienen. Es gebe Biotope wie das Amelesbrünnle. Doch auch auf die wirtschaftliche Funktion des Gemeindewalds, der für die Gemeindekasse regelmäßig einen Gewinn einbringt, wies Duffner hin: „Der lehmige Boden liefert super Bauholz.“ Nun solle der Wald geradezu „platt gemacht“ werden, Zufahrtsstraßen sollen gebaut werden. Duffner: „Vom Schultes und Gemeinderat hätte ich nicht gedacht, dass sie für Windräder die Landschaft opfern wollen.“ Sie hätten „eine Entscheidung getroffen, ohne uns zu fragen. Bürgermeister und Gemeinderat haben kein Gefühl für die Natur.“
Simone Walker-Hertkorn stellte sich vor: Sie ist zusammen mit dem Arzt Wolfgang Vees Vorsitzende der neu gegründeten Bürgerinitiative „Pro Natur Starzach“. Sie betonte: „Es geht nicht nur um Energiegewinnung. Man muss auch sagen, was man verliert.“
Der Spaziergang von der Grillhütte in den Gemeindewald war die erste Aktion kurz nach der Gründung der Bürgerinitiative. Immerhin: 80 Interessierte nahmen daran teil, auch aus Wendelsheim war eine Gruppe gekommen. „Wir sind solidarisch“, meinte eine Frau aus dem Rottenburger Ortsteil. Ein älterer Teilnehmer hätte sich aber eine noch höhere Beteiligung, vor allem junger Menschen, gewünscht. Entweder fehle das Interesse an der Natur oder man habe für die Veranstaltung zu wenig Werbung gemacht. Wenn man etwas erreichen möchte, sollte die Mehrheit der Starzacher Einwohnerschaft dahinter stehen.
Nicht die einzige Aktion
Es wird nicht die einzige Aktion der Bürgerinitiative bleiben. Ziel sei eine Großveranstaltung, jedoch habe die Gemeinde die Halle in Wachendorf dafür nicht zur Verfügung gestellt, bedauerte die Sprecherin der Bürgerinitiative. Dass Bürgermeister Noé dies abgelehnt hat, stieß auf großes Unverständnis. Der Gemeindewald gehe schließlich alle Bürger etwas an. Ein Vergleich wurde zur Nahwärme-Infoveranstaltung vergangene Woche in Felldorf gezogen. Sie durfte, obwohl es vor allem private Hauseigentümer betraf, im Bürgerhaus stattfinden. Kritik wurde auch geäußert, dass der Gemeinderat dem Windpark ohne vorherige Information der Bürger oder eine Bürgerbeteiligung im Oktober 2022 zugestimmt hat.
Simone Walker-Hertkorn kündigte zwei weitere Veranstaltungen für den 11. August und 8. September im Bierlinger Sportheim, Beginn 19 Uhr, an. Unter anderem werde ein Referent aus Hamburg über Sinn und Unsinn von Windkraft berichten.
Die Bürgerinitiative
Die Bürgerinitiative (BI) „Pro Natur Starzach – Gesundheit, Landschaft und Wald schützen“ ist am 14. Juli von 30 Bürgern gegründet worden. In den Vorstand wurden Simone Walker-Hertkorn, Expertin für regenerative Energien und Nachhaltigkeit, sowie der Allgemeinmediziner Wolfgang Vees berufen worden. Vorausgegangen war eine Woche vorher die Auftaktveranstaltung mit 80 Interessierten im Sportheim Felldorf. Die hohe Beteiligung habe gezeigt, dass es großen Gegenwind zum geplanten Windpark Starzach gebe, heißt es in der Pressemitteilung der BI. Kritisiert wird vor allem die Vorgehensweise der kommunalen Entscheidungsträger, aber auch der Landespolitik. Die BI schreibt: „Richtig wäre es gewesen, wenn die Bevölkerung und auch der Gemeinderat über grundlegende Entscheidungen wie die der Zustimmung eines Gestattungsvertrags und deren Auswirkungen im Vorfeld präzise aufgeklärt worden wären. Ebenso hätten im Vorfeld Details und Informationen zum Bau dargestellt werden müssen.“ Walker-Hertkorn teilte bei dem Waldspaziergang mit, dass die Bürgerinitiative eine Homepage aufbauen will. Bereits jetzt gebe es eine WhatsApp-Gruppe mit 35 Leuten, in die weitere Interessierte aufgenommen werden könnten.