Seit dem Jahr 2022 kämpft die Bürgerinitiative Waldhof bereits dafür, dass das Gelände bei Geislingen keine Umnutzung als KSK-Absprungplatz erfährt.
„Unser Kampfwille ist nicht gebrochen. Wir bleiben kräftig am Ball“, sind sich die Vorsitzenden Tobias Hölle und Tobias Vötsch einig. Vor drei Jahren gründeten sie die Bürgerinitiative Waldhof (BI). Ein Blick zurück zeigt, dass sich an der grundlegenden Situation bisher nichts geändert hat.
Die erste Info-Veranstaltung des Staatsministeriums fand bereits am 22. März 2022 in der Schlossparkhalle Geislingen statt. Über unterschiedliche Verbindungen erfuhren betroffene Anlieger des Waldhofs vorher davon und gründeten bereits am 6. März 2022 die BI, die bis heute Bestand hat. „Bereits bei der ersten Veranstaltung damals wurde gesagt: Das Buch ist zu. Wir mussten uns erst mal einen Namen machen“, erinnert sich Beisitzerin Annemarie Schneider.
„Das erste Treffen zwischen BI und Staatsministerium sollte privat gehalten werden“, so die Beisitzerin. Der von der Initiative zusammengestellte Artikel für die Presse wurde vom Ministerium in einer Art redigiert, dass sich die Mitglieder uneins zeigen. „Sie wollten im Endeffekt gucken, dass sie uns kleinreden“, meint Vötsch. Doch die Gruppe bestand damals bereits aus über 400 Menschen, darunter Unternehmer und Lehrer. Heute sind es bereits über 800 Mitglieder „Die lokalen Politiker wussten, dass man mit uns auf Augenhöhe reden kann.“
Prominente Gäste
Mehr als 70 Sitzungen hat der erweiterte Vorstand zwischen 2022 und heute bereits abgehalten. „Wir haben den Gang durch die Institutionen gemacht“, formuliert Schneider, darunter Landtag, Fraktionen, Rathäuser. Zu Gast waren sowohl Landrat Günther-Martin Pauli als auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß war vor Ort, und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch wurde sogar Mitglied.
Gemeinsam mit über 250 demonstrierenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern übergab die BI im September 2023 ihre ausgearbeitete Resolution dem Ministerpräsidenten in Stuttgart. Unter anderem zwölf Forderungen sind bis heute unverändert darin zusammengefasst. Neben dem Drängen darauf, vom Waldhof als KSK-Absprunggelände mit Fluglandebahn abzulassen und sich für einen neuen Standort zu entscheiden, wird auch auf die Existenzsicherung anstatt Entschädigung der lokal verorteten Betriebe eingegangen. Ebenso sollen Bürgerinnen und Bürger, aber auch Flora und Fauna geschützt werden.
Ergebnisse stehen noch aus
Zu den Forderungen gehört außerdem nicht nur irgendein Lärmgutachten, sondern eins, das die tatsächliche Lautstärke und nicht einen errechneten Jahresdurchschnittswert bei Starts und Landungen in verschiedenen Entfernungen und beim Überflug der Siedlungen publiziert. Um die Wichtigkeit zu unterstreichen, wurde im April 2024 eine Simulation am Tag des Lärms veranstaltet.
„Die Verwaltung in Deutschland ist schon sehr träge“, merkt Hölle an. „Durch unsere Arbeit musste man jetzt einiges intensiver betrachten, was sonst schneller gewesen wäre.“ Die Einladung zur Geislinger Gemeinderatssitzung am 12. November vermittelte für einen kurzen Moment den Eindruck, als wäre das KSK-Absetzgelände beschlossene Sache. An dem Tag hätte nämlich ein Eckpunkte-Papier zur Realisierung besprochen werden sollen. Doch im letzten Moment wurde der Tagesordnungspunkt gestrichen. Das Staatsministerium sei doch noch nicht bereit.
Das Scoping- und Umweltverträglichkeitsverfahren, für das Nabu, Bauamt und Bundeswehr zusammenarbeiten, hätte bereits im Oktober 2024 abgeschlossen sein sollen – die Ergebnisse liegen jedoch bis zum heutigen Tage noch nicht vor. „Es ist jetzt erst die Überprüfung, ob es theoretisch möglich wäre“, erklärt Hölle. „Das Genehmigungsverfahren hat noch gar nicht begonnen. Wir stehen immer noch intensiv mit Politik und Staatsministerium in Kontakt, aber bezüglich der Faktenlage stehen wir am selben Punkt wie vor zwei Jahren.“
Hoffnung auf neue Lösungen
„Unsere Hoffnung ist, dass bei der Umstrukturierung der Bundeswehr neue Lösungen gefunden werden“, wirft Beisitzer Ernst Schatz einen Lichtblick ein. „Niemand hat gedacht, dass es so lange dauert und man noch so weit weg ist von der Entscheidung“, sagt Hölle. „Wenn wir nicht so in der Region verankert wären und ohne unsere sachliche Herangehensweise, hätten wir das alles nicht erreicht.“
„Wir haben es geschafft, über eine so lange Zeit als BI und feste Gruppe zusammenzustehen“, erkennt auch Vötsch als Erfolg an. „Fakt ist, dass das KSK-Absetzgelände eine rein politische Entscheidung ist, wo, wie und wann.“
„Der gesunde Menschenverstand sagt, dass es alternative Flächen geben muss“, meint Hölle. Und Schneider bekräftigt: „Das herrliche Land da oben ist es wert, dass man dafür kämpft.“
Die BI im Überblick
Gründung
Die Bürgerinitiative Waldhof (BI) wurde am 6. März 2022 gegründet. Anlass dafür ist, dass das Gebiet auf Gemarkung Geislingen nach Plänen des Staatsministeriums Baden-Württemberg als militärisches Absetzgelände für Fallschirmspringer mit Start- und Landepiste genutzt werden soll. Gesprungen werden soll an 120 Tagen im Jahr, Tag und Nacht und an Wochenenden. Die Verwendung soll zu jeweils 60 Tagen auf die KSK-Einsatztruppen und US-Streitkräfte aufgeteilt werden.
Naturerhaltung
Die BI kämpft dafür, dass die aktuell 90 Hektar Ackerland erhalten bleiben. Lediglich fünf Prozent des Waldhofs sind reines Grasland, 95 Prozent werden für den Anbau von Getreide und Raps genutzt. Der Humusgehalt des Bodens liegt bei neun Prozent, während der Bundesdurchschnitt bei zwei Prozent liegt. 2500 Haushalte können vom Waldhof-Ertrag ein Jahr lang versorgt werden.
Lärmbelästigung
Neben dem Verlust der landwirtschaftlichen Flächen klistiert die BI die Lärmbelästigung, Zerstörung jahrtausendealter Kulturgüter, erforderliche Straßensperrungen sowie den Wertverlust der umliegenden Grundstücke und Immobilien.