Die evangelische Kirche muss mit schrumpfenden Ressourcen kämpfen. Für den Bezirk Calw-Nagold hat das einschneidende Konsequenzen. Bis 2030 wird hier jede vierte Pfarrstelle gestrichen.
Die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung hat es kürzlich gezeigt: Religiöse Menschen sind mit 44 Prozent Anteil an der Bevölkerung mittlerweile in der Minderheit. Die evangelische Kirche ist von diesem Trend nicht ausgenommen. Die Württembergische Landeskirche hat allein 2022 knapp 48 000 Mitglieder verloren. 1,82 Millionen Mitglieder hat sie noch. Für den Rückgang werden die demografische Entwicklung und Austritte als Gründe genannt.
Wie viel Kirchensteuer bleibt künftig übrig?
Der Kirchenbezirk Calw-Nagold sieht eine ähnliche Entwicklung. Aktuell hat der 54 886 Mitglieder. Bis 2030 prognostiziert der Bezirk einen Rückgang auf 46 806 Mitglieder. Das bedeutet auch weniger Einnahmen durch die Kirchensteuer. Für 2024 hat der Bezirk hier gut 8,3 Millionen Euro zur Verfügung. Wie hoch diese Summe 2030 noch ist, dafür gibt es keine Prognose. „Wir sind eine reiche Kirche, aber nicht mehr mit den Mitteln wie früher“, meinte Co-Dekan Tobias Geiger dazu bei der Bezirkssynode am Freitag in Stammheim.
Jede vierte Stelle fällt weg
Wegen der geringeren finanziellen Mittel muss der Bezirk nun seinen Pfarrplan anpassen. „Der Pfarrplan geht an die Substanz. Jede vierte Stelle fällt weg“, so Geiger. 45,5 Stellen gebe es aktuell. 34,75 seien davon 2030 noch übrig. „Jede Kürzung ist eine Kränkung“, erkannte Geiger. Und er wolle die Not nicht klein reden. Aber die zukünftige Pastorationsdichte ohne Sonderstellen – also wie viele Mitglieder auf einen Pfarrer kommen – sei mit 1557 im Landeskirchenvergleich gut.
Zu wenige Bewerber für offene Stellen
Ein Problem sei nicht nur weniger Geld für den Bezirk. Auch mangele es den Pfarrern an Nachwuchs. Für offene Stellen gebe es zu wenige Bewerber, so Geiger. Kleinteilige Strukturen und viele Gottesdienstorte bereiteten dem Kirchenbezirk Schwierigkeiten. Es müssten zukünftig wohl Kirchengemeinden zusammengeführt und Gottesdienstorte reduziert werden, weil man das Personal nicht finanzieren könne – und es auch gar nicht habe.
Mehr Gemeinden müssen Pfarrer teilen
Der Pfarrplan versuche diesen Mangel gerecht auf die fünf Kirchendistrikte zu verteilen. Im Distrikt Nord müssen sich die Kirchengemeinden Altburg und Würzbach künftig den Altburger Pfarrer teilen. Würzbach wird bislang zusammen mit Igelsloch und Oberkollbach betreut. Igelsloch und Oberkollbach werden – was die personelle Situation betrifft – mit Maisenbach zusammengelegt. Und der Pfarrer in Liebenzell ist ab 2030 auch für Unterreichenbach und Kapfenhardt zuständig. Nicht zuletzt wird bei der Gesamtkirchengemeinde Calw von drei auf 2,5 Stellen reduziert – zuzüglich einer 50-Prozent-Stelle für die Krankenhausseelsorge.
Heckengäugemeinden trifft es hart
Im Distrikt Ost trifft es die Heckengäugemeinden besonders hart. Die Kirchengemeinden Althengstett, Neuhengstett-Ottenbronn, Ostelsheim und Simmozheim wollen im kommenden Jahr fusionieren. Bisher gibt es dort vier Pfarrer, perspektivisch dürften es noch drei sein. Geplant sind 2,5 Stellen zuzüglich einer halben Transformationsstelle. Diese kann mit Aufgaben der Heckengäugemeinde gefüllt werden, beispielsweise mit dem Schwerpunkt Jugendkirche und Familien.
Im Distrikt Mitte sind für Effringen, Schönbronn und Wildberg künftig 1,5 statt einer Stelle eingeplant – und damit zwei Pfarrer. Einer davon übernimmt zusätzlich zu 50 Prozent Vertretungsdienste. Die Gesamtkirchengemeinde Neubulach verliert eine halbe Stelle. Im Distrikt West hat die Verbundkirchengemeinde Altensteig nur noch einen 150-Prozent-Dienstauftrag, statt wie bisher 300 Prozent. Die Pfarrstelle Simmersfeld soll dort deshalb die Predigten in den Frühgottesdiensten übernehmen.
Große Veränderung im Distrikt Süd
Im Distrikt Süd steht ein große Veränderung an. Die Kirchengemeinde Bösingen verlässt den Bezirk in Richtung Freudenstadt. Beihingen bleibt jedoch bei Calw-Nagold. Es soll künftig vom Pfarrer in Oberschwandorf mitbetreut werden. Der Bezirk empfiehlt hier außerdem eine enge Kooperation mit der Gesamtkirchengemeinde Haiterbach-Talheim. Bei der Verbundkirchengemeinde Hochdorf-Schietingen-Vollmaringen entfällt eine halbe Stelle.
Die Bezirkssynode beschloss bei sieben Enthaltungen und zwei Gegenstimmen schließlich den Pfarrplan. Den muss im nächsten Jahr aber noch die Landessynode absegnen.