Bezirksjugendspielleiter Stefan Beckmann (links) verdeutlichte in Egenhausen die Problematik im E-Jugend-Bereich. Foto: Sven Katz

Zweistellige Ergebnisse sind im Fußballbezirk Nordschwarzwald bei der E-Jugend inzwischen keine Ausnahme mehr. Darauf haben die Verantwortlichen nun reagiert.

Mit 19:0 besiegte etwa der VfL Nagold den SV Wittlensweiler, mit 20:0 der SV Schopfloch die SG Hallwangen und dann der Höhepunkt: ein 26:1-Sieg des FC Göttelfingen gegen den ASV Nordstetten. Zweistellige Ergebnisse bei der E-Jugend sind im Fußballbezirk Nordschwarzwald in dieser Saison keine Ausnahme. Das sorgt für viel Frust. „Natürlich schauen sich die Kinder die Ergebnisse im Internet an und reden dann auf dem Schulhof darüber“, weiß Bezirksjugendspielleiter Stefan Beckmann, der unbedingt verhindern will, dass die Kinder den Spaß am Fußball verlieren, denn: „Der Jugendfußball die Grundlage für den Fußball im Nordschwarzwald ist.“

 

Vereine haben die Wahl

Doch wie kommen diese derart krassen Leistungsunterschiede zustande? Beckmann erklärt: 93 E-Jugend-Mannschaften haben sich im Fußballbezirk Nordschwarzwald zum Saisonbeginn zum Spielbetrieb angemeldet. Sie hatten die Wahl: Entweder können sie außer Konkurrenz mit fünf Spielern auf dem Feld kleine Turniere – sogenannte Spieltage – wie in der F-Jugend und bei den Bambini austragen oder mit sieben Spielern auf dem Feld an einem regulären Liga-System im Kampf um Punkte teilnehmen. 91 der 93 Mannschaften entschieden sich für letzteres. „Da wir mit nur zwei Mannschaften keine Spieltage durchführen können, nehmen auch die anderen beiden Mannschaften notgedrungen an der Siebener-Kreisstaffel teil“, erklärt Beckmann.

Ein großes Puzzlespiel

Der Bezirksspielleiter und sein Team hatten dann vor dem ersten Spieltag die knifflige Aufgabe, die 93 Mannschaften in 16 Staffeln einzuteilen. Dabei müssen sowohl die unterschiedlichen Spielstärken als auch die Anfahrtswege im neuen großen Fußballbezirk Nordschwarzwald berücksichtigt werden. „Das ist ein großes Puzzlespiel. Manche Vereine wollen auch bewusst längere Auswärtsfahrten, weil sie sich unbedingt mit stärkeren Mannschaften messen wollen“, sagt Beckmann und zeigt auf: „Etwa von Hengstett nach Sulz – das ist eine ganz schöne Entfernung für eine E-Jugend.“ Zudem sei man den Vereinen entgegengekommen und genehmigt nun auch Spiele am Samstag statt nur am Regelspieltag Freitag. „Wir sind ganz auf die Wünsche der Vereine eingegangen“, unterstreicht Beckmann.

Dass diese Rechnung nicht aufging, sieht man an den vielen zweistelligen Ergebnissen. Verantwortlich dafür sind aus Beckmanns Sicht aber nicht zuletzt die Vereine. Denn sie selbst müssen vor der Saison ihre Spielstärke im Internet selbst einschätzen. Fünf Kategorien gibt es – von sehr stark bis sehr schwach. Beckmann: „Wenn man dort nichts eingibt, wird die Mannschaft automatisch als mittel eingestuft.“ Und offensichtlich haben viele Vereine keine Spielstärke eingetragen. „Auf dem Papier sind zwei Mannschaften dann gleich stark, aber auf dem Sportplatz eben nicht“, beschreibt der Bezirksspielleiter das Problem.

Nicht jeder folgt der Bitte

Der Bezirk habe das Problem früh erkannt und an die starken Vereine appelliert, ihren schwächeren Spielern mehr Einsatzzeit zu geben oder auch nur mit sechs Spielern anzutreten. „Ob man 15:0 oder nur 8:0 gewinnt, ist ja egal. Es gibt keinen Auf- und Abstieg und bei der E-Jugend zählt auch nicht die Tordifferenz. Manche Vereine sind dieser Bitte gefolgt, aber manche halt auch nicht“, bedauert Beckmann.

Der Bezirk hat daher reagiert und nun einen außerordentlichen Staffeltag für die E-Jugend in Egenhausen einberufen. Eigentlich findet ein gemeinsamer Staffeltag für alle Jugendbereiche am 27. Februar in Emmingen statt, doch durch die mitunter absurden Ergebnisse sah sich der Bezirk zum Handeln gezwungen. Ein Schritt, der sich aus Beckmanns Sicht gelohnt hat: „Für viele war das in Egenhausen ein richtiges Aha-Erlebnis. Wir haben gemerkt, dass viele das mit den Mannschaftsstärken gar nicht wussten. Wir wollten einfach auf Fragen, aber auch auf Ideen reagieren.“

Quali-Turniere kommen

Eine dieser Ideen ist, ab der kommenden Saison vor dem eigentlichen Liga-Start dezentrale Qualifikationsturniere auszutragen. Anhand der dortigen Ergebnisse könne man die Spielstärken der Mannschaften besser einschätzen. Statt wie bislang vor der Winterpause eine Quali- und anschließend eine Meister-Runde auszutragen, soll es dann eine durchgehende Liga-Saison geben.

Und auch für den am 20. März wieder beginnenden E-Jugend-Spielbetrieb dieser Saison gibt es Änderungen: Der Bezirk hatte noch einmal das Fenster geöffnet, damit die nun 95 Mannschaften – nach drei Abmeldungen und fünf Anmeldungen – ihre eigene Spielstärke ändern können. Beckmann: „Wir sind der Meinung, dass wir den Spielbetrieb jetzt für die Rückrunde deutlich besser gestalten können.“