Die Entscheidung fiel am Montagabend mit großer Mehrheit: Sulz will die Gartenschau 2031 ausrichten – und hat schon erste Zahlen parat.
Das Schreiben von Minister Peter Hauk brachte den Stein ins Rollen. „Die Durchführung der Gartenschau 2031 ist vakant“, hieß es darin – und dass die Stadt sich bis zum 12. November melden muss, wenn sie Interesse hat.
„Ich glaube, niemand ist in der Planung so weit wie wir“, sagt Bürgermeister Jens Keucher im an den Gemeinderat anschließenden Pressegespräch. Stadtbaumeister Reiner Wössner hatte zuvor in der Sitzung aufgezählt, was man quasi schon fertig in der Schublade liegen habe. Denn schon 2009 und 2018 habe man die Gartenschau nach Sulz holen wollen.
Es gibt neue Ideen
„Die grundsätzliche Projektidee entstand in den 2010er-Jahren“, holt er aus. 2018 wurde der Neckar zum Hauptthema einer möglichen Gartenschau – sowie die Verbindung über Wöhrd und Neckarwiesen zur Altstadt.
Im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz am Wöhrd sollten weitere Zugänge zum Wasser entstehen, ein Mehr an Gastronomie und eine Umgestaltung des Marktplatzes kämen für 2031 als Neuerung hinzu.
Hochwasserschutz und Sanierung
„Das, was in Horb entstanden ist, kann heute immer noch genutzt werden“, spricht er die nachhaltige Nutzung der 2011 errichteten Infrastruktur an. „Das hat einen großen Mehrwert“, findet Wössner.
Auch Stadtkämmerer Hans-Peter Fauser meldet sich zu Wort. „60 Prozent der Ausgaben würden so oder so kommen“, stellt er klar. Das seien etwa Projekte rund um den Hochwasserschutz, Sanierungsgebiete oder Innenstadtentwicklung.
Aufwand und Ertrag
Im Investitionshaushalt sieht er – etwa bei Hochwasser, Ortsdurchfahrt oder einem möglichen Parkdeck – Auszahlungen von etwa 10,7 Millionen Euro. Dem stünden Einzahlungen von rund 3,4 Millionen Euro entgegen.
Den Aufwand der Gartenschau selbst – also temporäre Bauten, Betrieb, Veranstaltungen und anderes – beziffert Fauser auf fünf Millionen Euro. Die Erträge durch Eintrittsgelder oder Sponsoring sieht er bei vier Millionen Euro.
Eine ordentliche Finanzplanung
Und er hat noch eine besondere Überraschung in petto. „Der Investitionsbooster des Bundes, der über das Land abgerufen werden kann, beträgt für Sulz acht Millionen Euro“, verkündet er.
Auch könne die Umwandlung eines Darlehens der Abwasserbeseitigung weitere fünf Millionen Euro ergeben, und durch den Verkauf kommunaler Grundstücke könnten gut 3,5 Millionen Euro eingenommen werden. Damit wäre man mit Blick auf die Finanzplanung 2027 bis 2031 ordentlich aufgestellt.
„Ein Glücksfall“
„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine positive Rückmeldung bekommen – noch in diesem Jahr“, erklärt der Bürgermeister den Stadträten. Mit dem unvorhergesehenen Rückzieher des Ausrichters – in Bretten entschloss man sich gegen das Projekt – sei eben eine Sondersituation entstanden.
„Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und der Investitionsbooster ist ein zusätzlicher Glücksfall“, beschreibt Fauser die Sachlage.
Stadtgesellschaft wächst zusammen
„Ich sehe die Gartenschau auch als einen ‚Wir-sind-Sulz-Booster‘“, sagt Keucher. Denn solch ein Großereignis gehe nur zusammen – als Stadtgesellschaft, Vereine und Ehrenamt. All diesen könne so eine große Bühne geboten werden.
„Die Gartenschau bringt nicht nur monetäre Vorteile – am Ende haben wir auch eine weiter zusammengewachsene Stadtgesellschaft“, findet der Bürgermeister. Und das sei schließlich jede Mühe wert.
Gemeinderat steht hinter Projekt
Und er findet noch einen anschaulichen Vergleich. „Es ist keine Geburtstagsparty der Verwaltungsspitze, sondern ein Miteinander – vom ersten Moment bis zur letzten Kostenabrechnung.“
Das sieht auch der Gemeinderat so. Bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung spricht sich die große Mehrheit dafür aus, Interesse an der Ausrichtung der Gartenschau 2031 zu bekunden.