Das Land schafft neun Fahrzeuge für den Bevölkerungsschutz an. In Calw findet die offizielle Übergabe an die Hilfsorganisationen. Der Landkreis Calw geht dabei allerdings leer aus.
Hochwasser, Erdrutsche, Brände: Immer wieder kommt es zu Ausnahmesituationen. Dann sind die Helfer des Bevölkerungsschutzes im Einsatz. Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Technisches Hilfswerks, Bundeswehr, Polizei und der Bevölkerungsschutz Baden-Württemberg – also Ehrenamtliche und Hauptamtliche – arbeiten dann Hand in Hand zusammen.
Zusammenarbeit über Landkreis hinweg
Um einsatzfähig zu sein, investiert auch das Land immer wieder in neue Fahrzeuge. Zuletzt in neun „Gerätewagen Betreuung“. Sieben von ihnen wurden nun persönlich übergeben – und zwar in Calw. Der DRK Kreisverband stellte den passenden Rahmen für die Übergabe zur Verfügung. Zu verdanken hatte er dies Thomas Blenke (CDU), dem politischen Staatssekretär im Innenministerium – wo der Bevölkerungsschutz angesiedelt ist – und Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Calw. Dies übrigens, obwohl keines der neuen Fahrzeuge in der Region stationiert sein wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie im Katastrophenfall nicht hier zum Einsatz kommen könnte: Dann arbeiten die Rettungskräfte nämlich nicht nur landkreis-, sondern auch länderübergreifend zusammen.
„Die Blaulichtfamilie hält zusammen“, meinte denn auch Blenke in seiner Begrüßung. Wo die Fahrzeuge stünden, sei zweitrangig. Wichtig sei, dass das Land sie vorhalte. Außerdem hob er die Bedeutung des Ehrenamts beim Bevölkerungsschutz hervor. Angesichts der derzeitigen Wetterkapriolen mit Überschwemmungen sagte er: „Wir sehen, wie schnell Notlagen entstehen können.“ Doch auch ohne Notlagen gibt es genug zu tun für die Hilfsorganisationen – die Fußball-EM ist ein aktuelles Beispiel, wo sie im Einsatz sind. „Jeder Euro, der investiert wird, ist ein gut investierter Euro“, erklärte der Staatssekretär: Nach und nach will das Land die alten Fahrzeuge mit neuen ersetzen.
Einheiten sind für Betreuung zuständig
In diesem Fall handelt es sich um neun „Gerätewagen Betreuung“. Sie haben, wenn sie voll ausgerüstet sind, alles dabei, um eine mobile Küche zu errichten – samt Pavillonzelt, Stromgenerator und Biertischgarnituren, alles in Rollwagen verpackt. Das Land ist gerade dabei, weitere Rollwagen mit der Ausrüstung zu beschaffen. Organisatorisch sind die Fahrzeuge den Einheiten „Sanität und Betreuung“ im Bevölkerungsschutz zugeordnet. Die sorgen im Ernstfall nicht nur für die Verpflegung von Helfern oder Betroffenen, sondern versorgen Letztere auch medizinisch. Die modernen Fahrzeuge sind motivierend für die Einsatzkräfte, meinte Jürgen Link, Leiter des Fachbereichs Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im Regierungspräsidium Karlsruhe. Dennoch mahnte Jürgen Wiesbeck, Landesdirektor der Bereitschaften im DRK Landesverband, an: „Wir sind gar nicht so gut aufgestellt, wie viele von uns sich das wünschen würden.“
„Nicht so gut aufgestellt, wie viele von uns sich das wünschen würden“
Die neun „Gerätewagen Betreuung“ gehen in die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Esslingen und Göppingen sowie in die Kreise Karlsruhe, Lörrach, Rhein-Neckar, Reutlingen und Sigmaringen sowie nach Mannheim. Elf weitere „Gerätewagen Betreuung“ sollen 2025 ausgeliefert werden, kündigte Sabine Fohler, Leiterin des Referats Bevölkerungsschutz im Innenministerium, an. Womöglich kommt ja dann der Landkreis Calw zum Zug.
Der Calwer „Gerätewagen Betreuung“ ist Baujahr 1999. Bei der Übergabe der neuen Fahrzeuge auf dem Gelände des DRK-Kreisverbands parkte er neben diesen, um deutlich zu machen: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich einiges getan. Thomas Seeger, DRK-Kreisgeschäftsführer in Calw, trug es dennoch mit Fassung, dass sein Kreisverband dieses Mal nicht dabei war. Es gehe darum, die ehrenamtlichen Strukturen zu stärken – egal in welchem Landkreis. Zumal auch im Landkreis Calw mehrere Bundes- und Landesfahrzeuge stationiert sind. Dass sie durchaus zum Einsatz kommen, berichtete Alexander Reusch. Er ist Zugführer einer von zwei Bevölkerungsschutz-Einheiten „Sanität und Betreuung“ des DRK im Kreis Calw. Im Einsatz ist die Einheit immer, „wenn Menschen betreut werden müssen“, erklärt Reusch. Von großen Naturkatastrophen ist Calw in den vergangenen Jahren verschont geblieben – nicht aber von Unfällen, bei denen Betroffene versorgt werden mussten. Oder von Gasalarmen, zuletzt auf dem Wimberg. Dort kümmerte sich die Einheit um die Evakuierten. Außerdem waren Reusch und seinen Kollegen am Abend vor der Übergabe der Fahrzeuge wegen eines EM-Spiels in Stuttgart im Einsatz – „bis 2 Uhr nachts“.