Mit gefälschten Überweisungen erbeutete der Betrüger 90 000 Euro. Jetzt fiel das Urteil. Foto: Soeren Stache/dpa

Ein Belgier wurde wegen Betrugs an Pforzheimer Unternehmen verurteilt. Ein Großteil des Geldes fehlt noch immer. Und: Der Mann wurde von den Hintermännern wohl selbst übers Ohr gehauen.

Die belgische Polizei schlug am 10. Oktober bei Brüssel zu. Sie nahm einen 59-jährigen Mann fest. Der Vorwurf: Betrug und Urkundenfälschung.

 

Im Januar wurde er nach Deutschland überstellt. Denn durch seine Taten versuchte der im Kongo geborene Mann illegal an Gelder dreier Unternehmen aus dem Großraum Pforzheim zu kommen. Am Mittwoch stand er dort vor Gericht. Die Verhandlung brachte die Masche ans Licht, die der Mann nutzte: Er füllte im Namen der Unternehmen Überweisungen auf Papier aus, sendete so Geld an mehrere Konten. Er trug fingierte Rechnungsnummern ein. Die Unterschriften der Unternehmens-Chefs fälschte er. So entstand laut Staatsanwaltschaft ein Schaden von etwa 90 000 Euro.

Allerdings waren nur drei Versuche erfolgreich. Sechs weitere Überweisungen führte die Sparkasse nicht aus. Die Bank schöpfte Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht - und verhinderte so einen Schaden von nochmals 240 000 Euro.

Der Betrüger berichtet von Komplizen

Der Mann gab die Taten vor Gericht zu. Er erzählte von weiteren Beteiligten. Den Initiator des Betrugs habe er 2009 im Gefängnis kennengelernt. Der Belgier ist sowohl in Deutschland als auch in seiner Heimat mehrfach wegen Betrugsdelikten hinter Gittern gelandet. Der Mithäftling sei nach Pforzheim gezogen, habe dort bei der Post gearbeitet. So sei dieser auf die Unternehmen aufmerksam geworden, habe Briefe geklaut und somit Vorlagen für die Unterschriften gehabt. Eine Frau aus Frankfurt habe den Kontakt zu den Inhabern der Zielkonten hergestellt. Mit ihr habe er sich einen Anteil am Betrugsgewinn aufgeteilt. Er bekam 10 000 Euro, sie 5000 Euro.

Haftstrafe auf Bewährung

Vom restlichen Geld fehlt jede Spur, wie ein Ermittler der Kripo darlegte. Zwar könne man nachvollziehen, dass die Frau das Geld gemeinsam mit „Kamerunern“ abgehoben habe. Mehr wisse die Polizei aber nicht. Auch nicht, wem die Konten wirklich gehörten. Es seien Alias-Namen verwendet worden. Den Tätern sei man letztlich durch Fingerabdrücke auf den Überweisungen auf die Spur gekommen.

Der Initiator wurde bereits verurteilt. Auch der Frau wird in Pforzheim der Prozess gemacht. Das Geld bleibt weiterhin unauffindbar. Auch ist unklar, ob noch mehr Personen involviert waren. Und der Angeklagte wurde wohl selbst betrogen. Denn ein ihm versprochener höherer Anteil ist nie bei ihm angekommen. Immerhin: Den Unternehmen ist kein Schaden entstanden, der Sparkasse aber schon. Sie musste für die falschen Überweisungen gerade stehen. „Es tut mir leid“, sagte der Mann vor Gericht.

Richter Patrick Stemmler verurteilte den Mann zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung. Die Tat liege lang zurück, die Vorstrafen noch länger, so Stemmler. Zwar habe der Mann keinen Job, aber fünf Kinder - deshalb die Bewährungsstrafe. Auch habe er in den Ermittlungen kooperiert und so die Verurteilung des Initiators erst ermöglicht. Die 10 000 Euro muss der Betrüger zurückzahlen.