Stadträtin Sigrid Zwetschke ist Opfer eines Schockanrufs geworden. Ihre Tochter soll angeblich einen tödlichen Unfall verursacht haben, sagte die Frau am Telefon, die sich als Polizei ausgab. Doch mit einem Trick enttarnte die SPD-Stadträtin den Betrug.
Eine schlimme Nachricht am Telefon mit Schockeffekt: Ein Angehöriger hat Probleme, ist verletzt oder gar verstorben – Horrornachrichten wie diese will niemand hören. Dennoch gibt es sie, und manchmal benutzen sie Betrüger, um Menschen heimtückisch hereinzulegen.
Erlebt hat das Sigrid Zwetschke aus Donaueschingen. Die langjährige SPD-Stadträtin saß beim Mittagessen, als gegen 12.30 Uhr das Telefon klingelte. „Ich habe eine Freundin, die mit unterdrückter Nummer anruft. Da zeigt es auf dem Apparat den Schriftzug ‚Anonym’ an. So war das hier auch“, erklärt Zwetschke. Unbedarft nimmt sie ab. Am Hörer ist jedoch nicht ihre Freundin, sondern eine fremde Frau, die sofort zu sprechen beginnt. Was Sigrid Zwetschke zu hören bekommt, das lässt sie erstarren: „Sie sagte, sie sei von der Polizei und dass meine Tochter dringend darum gebeten habe, man möge ihre Mutter kontaktieren.“
30 000 Euro verlangt die Anruferin
Der vermeintliche Grund: Ihre Tochter habe einen Unfall verursacht, bei dem eine ältere Dame zu Tode gekommen sei – und habe Fahrerflucht begangen. Diese Sätze prasseln auf Sigrid Zwetschke ein, sie hat eine Tochter: „Ich habe einen sehr, sehr großen Schock erlebt.“ Man höre oft von solchen Anrufen. Wenn es einen erwische, sei das etwas anderes. „Das sind geschulte Sprecher. Sie hat alles am Stück runtergesprochen.“ Außer Erstarrung fühlt Sigrid Zwetschke zunächst nichts. Dann kommt die Forderung.
„Es war Freitagmittag und ich sollte bis etwa 16 Uhr 30 000 Euro in bar zum Donaueschinger Amtsgericht bringen. Dann könne meine Tochter erst mal aus der Haft entlassen werden, der Prozess folge aber dennoch.“ Wenn nicht genug Geld aufgetrieben werden könne, dann nehme man auch Wertgegenstände an, erklärte die angebliche Polizistin am Telefon weiter.
Betrügerin legt den Hörer auf
Alles prasselt auf Zwetschke ein, dann kann sie sich besinnen: „Das Hirn hatte ich vorher nicht eingesetzt, jetzt tat ich das. Ich dachte, ich kann noch etwas rausfinden.“ Sie wolle zuerst mit ihrer Tochter sprechen, verlangt Zwetschke. Die Gegenseite legt daraufhin den Hörer auf. „Ich habe mich dann bei der Polizei gemeldet. Dort hieß es, sie haben von über 20 Anrufen dieser Art in Donaueschingen gehört – und das sind nur die, die auch zur Polizei sind.“ Die Polizei habe ihr geraten, das Erlebte weiterzuerzählen, die Erfahrung zu teilen: „Man ist besser auf so etwas vorbereitet. Es passiert auch in Donaueschingen.“ Was die Stadträtin auch gehört habe: Die Betrüger klappern im Telefon ältere Vornamen ab – und fokussieren sich auf vierstellige, ältere Telefonnummern: „Wenn man so eine Nummer hat, dann kann man auch angerufen werden.“
Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus
Laut Pressestelle des Polizeipräsidiums Konstanz kommen solche Anrufe immer wieder vor. Da es sich um zig Tätergruppen handle, die mit solchen Maschen Menschen um Geld bringen wollen, können die Anrufe gleichzeitig in verschiedenen Orten erfolgen. Konsequenzen gibt es meist keine, weil die Anrufer so gut wie nicht erwischt werden. Nur in Ausnahmen, wie in einem Fall in Tuningen im März. „Wir gehen bei den Schockanrufen von einer hohen Dunkelziffer aus, nicht jeder Anruf wird der Polizei gemeldet“, erklärt Polizeisprecher Jörg Kluge.
Wozu die Polizei rät
Tipps
„Wenn unklar oder unsicher ist, wer anruft, einfach die Nummer 110 wählen“, sagt Polizeisprecher Jörg Kluge. Es sollte auf keinen Fall die Rückruftaste benutzt werden, um die Identität des Anrufers zu prüfen. Am besten sei es, aufzulegen, wenn nicht sicher ist, wer anruft und wenn man sich durch den Anruf unter Druck gesetzt fühlt. Ganz einfach ist es, den Angehörigen unter der bekannten Nummer anzurufen. Am Telefon sollte nie über persönliche und finanzielle Verhältnisse Auskunft gegeben werden. Genauso wenig sollte Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen ausgehändigt werden. Wichtig: Niemals ist die Behandlung eines Unfallopfers von einer Zahlung eines Geldbetrages abhängig. Weitere Tipps gibt es unter www.polizei-beratung.de.