Eine 81-jährige Lahrerin erhielt am Mittwoch am Telefon eine furchtbare Nachricht. Zunächst glaubte sie dem Anrufer, der sich als Hauptkommissar ausgab. Gerade noch rechtzeitig bemerkte sie, dass sie mit einem Betrüger sprach. Die Polizei berichtet von einer Häufung solcher Fälle in dieser Woche.
Diesen Tag wird die Lahrerin wohl nie mehr vergessen. Wenn der Begriff Schockanruf passt, dann für das, was sie am Mittwoch erlebt hat. Sie hat unserer Redaktion davon erzählt und darum gebeten, ihren Namen nicht zu nennen.
Es ist um die Mittagszeit. Die 81-Jährige, Mutter zweier Söhne, deckt gerade den Tisch für ihr Essen, als das Telefon klingelt. Der Anrufer gibt sich als deutscher Hauptkommissar aus und spricht sie mit ihrem vollen Namen an. Er weiß auch, wie ihr ältester Sohn heißt – der Mann fragt, ob sie die Mutter sei. Als sie bejaht, erkundigt er sich auch nach ihrem jüngeren Sohn, dessen Namen er ebenfalls kennt, und ob er da sei. Die Frau verneint. Nach dem Tod ihres Ehemannes vor einigen Wochen lebt sie allein.
Jetzt erzählt der Anrufer eine Schauergeschichte: Ihr ältester Sohn habe in Frankreich einen schweren Unfall verursacht. Er habe eine rote Ampel übersehen und eine Mutter mit ihrem Kinderwagen überfahren. Das Kind sei tot. Ihr Sohn werde in einem französischen Polizeiwagen festgehalten.
Zunächst glaubt sie dem Anrufer
„Ich habe am ganzen Körper gezittert und musste mich an einem Stuhl festhalten, um nicht zu stürzen“, erzählt die Frau. Ihr ältester Sohn sei tatsächlich oft mit dem Auto beruflich auch im Ausland unterwegs. Vor allem aber sei der Anrufer sehr überzeugend gewesen. „Er sprach hochdeutsch, war höflich und klang absolut seriös. Im Hintergrund hat man eine Frau schreien und weinen gehört. Es hat gewirkt, als ob er vom Unfallort anruft“, erzählt sie. Und dass sie die Geschichte geglaubt habe, da alles so echt ausgesehen habe. Sie sei völlig verzweifelt gewesen.
Das Gespräch habe mehrere Minuten gedauert. Der Anrufer habe ihr erzählt, dass auf ihren Sohn jetzt ein Prozess zukomme, an dessen Ende eine längere Haftstrafe stehen könnte. Denn die französischen Gerichte seien streng. Deshalb gehe es jetzt darum, ihn aus der polizeilichen Gewahrsam herauszubekommen, noch ehe er in ein französisches Gefängnis eingeliefert werde. Dazu müsse eine Kaution bezahlt werden und ob sie das Geld vorstrecken könne. Jetzt kamen der Seniorin, die im Gespräch mit unserer Redaktion allseits orientiert und geistig fit wirkt, zum ersten Mal Zweifel. Bevor sie Geld zahle, wolle sie ihren Sohn sprechen, sagte sie dem Anrufer, der daraufhin abrupt auflegte.
Die Frau rief ihren ältesten Sohn jetzt selber an. Er saß nicht in einem französischen Polizeiwagen, sondern im Homeoffice in seiner Wohnung in Lahr. Seiner Mutter fielen daraufhin tonnenschwere Steine vom Herzen. Noch Stunden danach, beim Gespräch mit unserer Redaktion, war ihr anzumerken, dass die Sache sie bis ins Mark erschüttert hatte.
Doch woher wusste der Betrüger so gut über ihre Familienverhältnisse Bescheid? „Die Namen hat er wohl aus der Todesanzeige für meinen Mann erfahren“, sagt sie. Nach ihrem jüngeren Sohn habe er sich erkundigt, um zu erfahren, ob die Luft rein sei und er sie ungestört unter Druck setzen könne.
Polizei berichtet von weiteren Fällen
Die Polizei berichtete am Donnerstag von ganz ähnlichen Anrufen wie bei der Lahrerin auch in Baden-Baden, Sinzheim, Kuppenheim, Rastatt, Bühl, Achern, Kehl und Wolfach. Es se jeweils darum gegangen, Kaution für einen Angehörigen zu zahlen. Doch die Masche klappte nicht, in keinem Fall sei es zu einer Geldübergabe gekommen, so die Polizei.