Manfred Kemter, Behindertenbeauftragter von Donaueschingen, sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl. Der Welt-Polio-Tag spielt für ihn eine große Rolle.
In Deutschland leben etwa 60 000 Menschen mit den Spätfolgen der Kinderlähmung. Was nur wenig Menschen wissen: Ein erhebliches Problem ist das Post-Polio-Syndrom (PPS), das Jahrzehnte nach der Infektion auftreten und Betroffene erneut in ihrer Lebensqualität stark einschränken kann. Zu den Symptomen zählen Muskelschwäche, extreme Müdigkeit sowie Probleme beim Schlucken und Atmen.
Für Manfred Kemter, Behindertenbeauftragter der Stadt Donaueschingen, und andere Polio-Betroffene ist dies ein Grund mehr, den Welt-Polio-Tag, der in dieser Woche begangen wurde, aktiv zu unterstützen.
Er erinnert jährlich an Jonas Salk, der vor fast sieben Jahrzehnten den Polio-Impfstoff entwickelte und damit weltweit Millionen vor der Krankheit bewahrte. Im Gespräch erläutert Manfred Kemter, warum dieser Tag für ihn und viele andere Betroffene wichtig bleibt: „Auch wenn Europa als poliofrei gilt, erleben wir in Krisenregionen, dass das Virus wieder Fuß fassen kann. Die Krankheit hat bleibende Folgen; ich selbst bin seit meiner Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen.“
WHO warnt vor erneuter Verbreitung
Obwohl Europa als poliofrei gilt, warnen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Bundesverband Poliomyelitis vor den Gefahren einer erneuten Verbreitung. In diesem Jahr wurde im Gazastreifen bei einem zehn Monate alten Baby eine Polio-Infektion festgestellt. Dies verdeutlicht, dass die Bedrohung noch immer nicht gebannt ist.
Eine umfassende Impfkampagne im Gazastreifen unter Leitung der WHO konnte mehr als eine halbe Million Kinder unter zehn Jahren erreichen, doch für einen nachhaltigen Schutz wird eine weitere Impfung notwendig sein. Angesichts des Zustands der medizinischen Infrastruktur vor Ort ist es jedoch schwierig, die notwendige Impfrate von 95 Prozent zu erreichen.
Sein Engagement bleibt notwendig
Manfred Kemter setzt sich seit über 20 Jahren in Donaueschingen für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. Trotz der Fortschritte bleibt sein Engagement notwendig, um auf die Probleme von Betroffenen aufmerksam zu machen und eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.
Der Bundesverband Poliomyelitis nutzt den Welt-Polio-Tag, um auf die nach wie vor notwendige Impfung gegen Poliomyelitis hinzuweisen und das Bewusstsein für die Spätfolgen der Krankheit zu stärken. Dadurch kann ein Wiederaufflammen der Krankheit in Deutschland verhindert werden.
Für Manfred Kemter bleibt der Welt-Polio-Tag auch ein Tag des Erinnerns an die schweren Auswirkungen der Krankheit. Er hofft, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Impfungen und die Aufmerksamkeit für die Lebenssituation der Betroffenen weiterhin bestehen bleibt.
Patente Hilfe ohne Patent
Impfstudie
In den 1950er-Jahren führte Jonas Salk die bis dahin größte Impfstudie der USA mit über einer Million Teilnehmern durch und bewies, dass wirksame Impfstoffe auch aus abgeschwächten Viren hergestellt werden können. 1955 veröffentlichte er die Ergebnisse und verzichtete auf ein Patent, indem er bemerkte: „Könnte man die Sonne patentieren?“ Kurz nach der Einführung des Impfstoffs sank die Polio-Verbreitung in den USA drastisch.