Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali zeigt sich an zentraler Stelle einig mit Konzernchef Ola Källenius. Foto: Dannecker

Der Gesamtbetriebsratschef von Mercedes, Ergun Lümali, hält ein EU-Verbot des Verbrennermotors schon im Jahr 2035 für „nicht akzeptabel“. Diese Frist sei nicht zu schaffen.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Mercedes-Benz, Ergun Lümali, fordert die Politik auf, sich bei der EU-Kommission für eine Verschiebung des für 2035 geplanten Verbrenner-Verbots einzusetzen. Das Aus in zehn Jahren sei „nicht akzeptabel“ – „das schaffen wir nicht“, sagte er mit Blick auf die verhaltene Akzeptanz der Elektromobilität und die damit geringe Nachfrage nach Fahrzeugen mit Elektromotor. Darüber müsse definitiv geredet werden – „die EU sollte das auch einsehen“.

 

Geplante Geschwindigkeit der Transformation in Frage gestellt

Er sage es in Betriebsversammlungen immer wieder: „Ich stehe voll und ganz zur Dekarbonisierung und Klimaneutralität“, so Lümali. „Es fehlt uns auch nicht an Produkten, mit dem neuen elektrischen CLA starten wir jetzt unsere umfangreiche Produktoffensive.“ Was jedoch fehle, sei eine „Akzeptanz und Begeisterung für die Elektromobilität in der Gesellschaft“. Deshalb zweifle er sehr daran, „dass die geplante Geschwindigkeit stimmt“.

Er wolle „die Technologieoffenheit, solange es möglich ist und sie zur Klimaneutralität führt“. Sie solle nicht aus der Welt geschaffen werden. Doch sei er sich mit dem Präsidenten des Verbandes der europäischen Automobilhersteller ACEA einig: Der Verbrenner-Stopp dürfe nicht schon in zehn Jahren kommen. Gemeint ist Konzernchef Ola Källenius, der seit Januar an der ACEA-Spitze steht.

„Schleunigst einen Masterplan aufstellen“

Die Transformation der Automobilindustrie müsse sozialverträglich gestaltet werden, mahnt Lümali. „Deutschland und Europa sollten schleunigst einen Masterplan aufstellen.“ Die Menschen erwarteten, dass die für sie wichtigen Probleme konstruktiv angegangen werden – dazu gehöre auch die Frage, wie Beschäftigung in Deutschland und Europa gehalten werden kann. „Wenn Antworten dazu ausbleiben, wächst die Gefahr, dass sich viele von der Politik abwenden und jenen zuwenden, die einfache Antworten versprechen – auch wenn diese unsere Demokratie infrage stellen.“

Vor vier Jahren hatte Källenius für Mercedes das Ziel „Electric Only“ verkündet – bis 2030 sollten weitgehend nur noch Autos mit Elektroantrieb abgesetzt werden. Dieses Ziel hat er im vorigen Jahr wieder revidiert.