Zwölf Lahrer Unternehmen bieten Jugendlichen Praktika an, um ihnen eine Ausbildung bei sich schmackhaft zu machen. Die Job-Expedition läuft in der Osterwoche vom 7. bis 9. April.
Die Job-Expedition war 2018 ein neues Vorhaben der Almi-Firmen – der Arbeitsgemeinschaft der Lahrer Mittelständischen Industrieunternehmen. Nachdem das Azubi-Projekt 2020 und 2021 von der Pandemie verhindert wurde, wird es in diesem Jahr nun zum siebten Mal aufgelegt. Die Firmenvertreter sagten am Dienstag bei einem Pressegespräch bei Nestler Wellpappe, was sie vorhaben.
Der Ablauf: Schüler ab der neunten Klasse können die Osterferien nutzen, um an drei Tagen in drei Betrieben Berufsluft zu schnuppern. Ein Unternehmen können sie sich aussuchen, zwei weitere werden hinzugelost. Den Ablauf gestaltet jedes Unternehmen selbst – man kümmert sich aber überall intensiv um die jungen Gäste, wie beim Gespräch deutlich wurde.
Ansprechpartner seien meist Azubis, die auf Augenhöhe mit den Praktikanten sprechen könnten, hieß es. Die Firmen stellen insgesamt 25 Berufe vor. Für die Schüler sind die Praktika, bei denen sie in den Betriebskantinen verköstigt werden, natürlich kostenlos.
Die Ausgangslage: Nach der Begrüßung durch Steffen Job von der Firma Nestler und Ellen Wagner von Wagner System schilderten die Firmenvertreter ihre Nachwuchssorgen. Man habe nicht genug qualifizierte Bewerber für Lehrstellen, war von mehreren Seiten zu hören. Es liege an geburtenschwachen Jahrgängen, aber auch daran, dass junge Leute heute häufig unentschlossen und uninformiert seien. Bisweilen seien sie auch Getriebene ihrer Eltern, die ihre Kinder auf einer Universität sehen wollten, obwohl sie in einer Ausbildung vielleicht besser aufgehoben wären und sogar die besseren Perspektiven hätten.
Auf die Frage unserer Redaktion, ob deshalb im Vorjahr Ausbildungsplätze bei den Job-Expedition-Betrieben unbesetzt geblieben sind, war reihum Kopfnicken zu sehen. Eine Ausnahme war die Firma Nestler, die genug Bewerber für ihre 15 Lehrstellen gefunden hatte.
Die Karrieren: Ein großes Problem sei, dass manche Berufe nicht bekannt genug seien, hieß es. Genannt wurden hier etwa der Kunststoff- und Kautschuktechnologe (den Beruf kann man bei Wagner System erlernen) oder der Packmitteltechnologe (Nestler). Industrie-Unternehmen hätten viele interessante Ausbildungen anzubieten, auf die man später den Meister oder ein Studium „draufsetzen“ könne, warb Ellen Wagner für alternative berufliche Karrieren.
Das Pop-up-Basecamp: Zuletzt waren die Firmen mit ihrer Job-Expedition neue Wege gegangen – sie belebten das ehemalige Schuhhaus Kindle am Rosenbrunnen mit einem sogenannten Pop-up-Basecamp: Über drei Sommermonate hinweg waren stets samstags Firmenvertreter vor Ort, um junge Leute für ihre Unternehmen zu interessieren. Das habe auch ganz gut geklappt, war jetzt zu hören, trotzdem habe man sich gegen eine Fortführung des Formats entschieden. Denn es sei mit einem beträchtlichen personellen und organisatorischen Aufwand verbunden gewesen.
Außerdem wolle man zum ursprünglichen Gedanken der Job-Expedition zurückkehren, – nämlich junge Leute in die Firmen zu holen. So betonte der Nestler-Verwaltungsleiter Steffen Job, dass nur bei einem Praktikum echte Emotionen für einen Betrieb vermittelt werden könnten. Es gehe darum, die Gesichter vor Ort kennenzulernen, teils beeindruckende Maschinen in Originalgröße zu sehen, einfach ein „Bauchgefühl“ für ein Unternehmen entstehen zu lassen.
Die Einsteiger: Ihre Premiere bei der Job-Expedition feiert die Firma FAT Flachdachbau aus Langenwinkel. Geschäftsführer Stefan Schmieder erzählte, dass sein Betrieb sich zuletzt auf den Berufsinfomessen BIM in Offenburg und „Jobklahr“ in Lahr präsentiert habe, um Nachwuchs zu finden. Auch er verspricht sich aber mehr davon, junge Leute für ein Praktikum ins Unternehmen zu holen – so könne man ihnen am besten verdeutlichen, was es zum Beispiel bedeutet, als Dachdecker zu arbeiten. Deshalb nehme seine Firma nun erstmals an der Job-Expedition teil.
Die Kampagne: Natürlich gibt es eine Homepage, darüber hinaus bespiele man aber auch weitere Kanäle – Facebook, LinkedIn, Instagram, TikTok – um möglichst viele Menschen auf die Job-Expedition aufmerksam zu machen, erzählte Ellen Wagner. Die Firmen hoffen auf insgesamt rund 120 Praktikanten, hieß es.
Die Bewerbung: Anmeldungen sind ab sofort über die Seite www.jobxpedition.de möglich – dort finden sich auch weitere Infos. Die Praktikumstage beginnen am Dienstag, 7. April, um 10 Uhr. Wer tatsächlich bei drei Betrieben ein Praktikum absolviert, erhält einen Kino-Gutschein und eine Urkunde, die ihm ein Bewerbungsgespräch bei einem der Unternehmen der Job-Expedition garantiert. Darüber hinaus kann man über die Homepage auch Praktika für andere Zeiträume vereinbaren, sei es für einen Tag zum Schnuppern, für eine Woche als schulisches Pflichtpraktikum oder für länger.
Betriebe und Berufe
Betriebe: Eichner Baugesellschaft, Betonbau Schwarz, FS-Etiketten, Nela Brüder Neumeister, Nestler Wellpappe, Polar-Form Werkzeugbau, Schwarzwald-Eisen, Richard Stiehler GmbH, Wagner System, Welter Zahnrad, Rubin Mühle, FAT Flachdachbau
Berufe: Betonbauer, Dachdecker Schwerpunkt Dachdeckungstechnik, Elektroniker, Fachinformatiker, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Fachlagerist, Fachkraft Lagerlogistik, Holzmechaniker, Industriekaufmann, Industriemechaniker, Kaufmann/-frau für Büromanagement, Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandelsmanagement, Kunststoff- und Kautschuktechnologe, Maurer, Maschinen- und Anlagenführer, Mechatroniker, Mediengestalter, Medientechnologe Druck, Medientechnologe Druckverarbeitung, Oberflächenbeschichter, Packmitteltechnologe, Technischer Produktdesigner, Teilezurichter, Verfahrenstechnologe in der Getreide und Futtermittelwirtschaft, Werkzeugmechaniker, ZerspanungsmechanikerDie Berufe sind für alle Geschlechter geeignet.