Viele Lahrer Unternehmen – hier das Industriegebiet West – haben Sorgen. Foto:  

Im Lahrer Raum steigt die Zahl der Menschen, die eine Stelle suchen. Andere Kennziffern belegen ebenfalls, dass es der Wirtschaft vor Ort nicht gut geht.

3,025 Millionen Menschen waren im August in Deutschland arbeitslos gemeldet, die Quote kletterte um 0,1 Punkte leicht auf 6,4 Prozent. Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles machte die Sommerpause (mit-)verantwortlich für den Anstieg, räumte aber auch ein, dass der schwache Arbeitsmarkt von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt sei.

 

Unsere Redaktion hat diese Nachricht zum Anlass genommen, nachzufragen, wie sich der Arbeitsmarkt im Raum Lahr entwickelt hat und wie es den Betrieben vor Ort geht. Die Daten, die die Agentur für Arbeit Offenburg und die IHK Südlicher Oberrhein uns geliefert haben, belegen, dass die Wirtschaft in der Krise ist. Bei Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Insolvenzen zeigt der Trend in die falsche Richtung.

Arbeitslosigkeit: Die Quote für den Geschäftsstellenbezirk Lahr steigt seit Jahren kontinuierlich an und hat im August nun ebenfalls eine wichtige Grenze durchbrochen. Während bundesweit die Drei-Millionen-Marke geknackt wurde, sind im Lahrer Raum nun mehr als 3000 Menschen ohne Job, konkret 3067. Im August 2024 waren es 2942, im August 2019 sogar nur 2387. Die Quote stieg von 3,6 im Jahr 2019 auf 4,3 im August 2025.

Das sind die Zahlen für den Geschäftsstellenbezirk Lahr der Arbeitsagentur, zu dem neben der Stadt Lahr noch diese Kommunen zählen: Friesenheim, Ettenheim, Seelbach, Schwanau, Kappel-Grafenhausen, Kippenheim, Mahlberg, Meißenheim, Ringsheim, Rust und Schuttertal.

Die Entwicklung speziell in Lahr verläuft ganz ähnlich: Es gibt immer mehr Arbeitslose. Konkret waren im August 2019 in der Stadt 1482 Menschen offiziell ohne Job, sechs Jahre später sind es bereits 1766. Die Quote in Lahr stieg von 5,7 (2019) auf 6,3 (2025), bewegt sich also aktuell trotz des jahrelangen Anstiegs leicht unter der bundesweiten Arbeitslosenquote (6,4).

In der gesamten Ortenau liegt die Quote zurzeit bei 4,1 Prozent, kreisweit waren im August 10 688 Menschen arbeitslos gemeldet.

Kurzarbeit: Gerät ein Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage, kann es vorübergehend die Arbeitszeit reduzieren, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Kurzarbeit ist ein Mittel, um Krisen zu überbrücken, das die Arbeitnehmer aber natürlich in ihrem Geldbeutel spüren.

Kurzarbeiter spüren die wirtschaftliche Krise in ihrem Geldbeutel

Die Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage führt aktuell dazu, dass im Raum Lahr immer mehr Menschen durch Kurzarbeit auf einen Teil ihres Gehalts verzichten müssen: Laut der Arbeitsagentur sind hier momentan 1615 Arbeitnehmer konjunkturell bedingt verkürzt tätig. Ein klarer Anstieg innerhalb von nur einem Jahr – im August 2024 waren im Raum Lahr „nur“ 1153 Menschen von Kurzarbeit betroffen.

„Je nach Auftragslage gibt es in unserer Region einen anhaltenden Beratungsbedarf zum Thema Kurzarbeitergeld“, teilt Theresia Denzer-Urschel, die Chefin der Agentur für Arbeit Offenburg, auf Nachfrage mit. „Im Vergleich zum Vorjahr ist der Bedarf aufgrund schwächelnder Konjunktur und wirtschaftlicher Unsicherheiten gestiegen“, bestätigt sie.

Firmen aus Maschinenbau und Metallverarbeitung unter anderem betroffen

In der Region Lahr seien vor allem Firmen aus der Produktion, industriellen Herstellung und Fertigung, Metallverarbeitung, Maschinenbau sowie aus der Verpackungsbranche betroffen. Denzer-Urschel hebt indes auch den Vorteil dieses arbeitsmarktpolitischen Instruments hervor: „Kurzarbeit ist weiterhin ein wichtiges Instrument zur Arbeitsplatzsicherung.“

Auch kreisweit sind immer mehr Menschen in Kurzarbeit – aktuell 5684. Im August 2024 waren es 3917.

Insolvenzen: Die IHK Südlicher Oberrhein teilt auf Nachfrage mit, dass die Zahl der Insolvenzen speziell in Lahr nicht verfügbar sei. Die kleinste räumliche Einheit, zu der diese Statistik vorliege, sei das Land Baden-Württemberg. Dabei zeige sich, „dass seit etwa eineinhalb Jahren die Zahl der beantragten Insolvenzverfahren bei Unternehmen fast durchgängig bei mehr als 200 monatlich liegt und damit deutlich höher als in den Jahren 2016 bis 2023“, heißt es von der IHK. Das Gefühl, dass immer mehr größere Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, täusche also nicht.

Hinweise darauf, dass die hiesige Region von dieser Entwicklung verschont bliebe, gebe es nicht. Etwa jeder zehnte Arbeitsplatz in Baden-Württemberg liege im Kammerbezirk Südlicher Oberrhein. „Eine grobe Schätzung wäre also, dass es auch in unserem Kammerbezirk rund 20 Insolvenzen monatlich gibt. Eine Schätzung für Lahr wäre aufgrund der kleinen Zahl jedoch nicht mehr seriös“, so die IHK.

Dabei müsse man beachten, dass nicht jede Geschäftsaufgabe oder Zahlungsunfähigkeit mit einem Insolvenzverfahren ende. Vielmehr stellten gerade kleinere Unternehmen auch einfach den Betrieb ein oder veräußerten ihr Geschäft. Insbesondere in Branchen wie dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel und dem Verkehrsgewerbe sei dies häufig der Fall. Die Statistik über Unternehmensinsolvenzen sei daher vor allem ein Indikator für die Entwicklung größerer Unternehmen, die eine entsprechende Insolvenzmasse aufweisen.

IHK-Sprecher formuliert Forderungen an die Politik

Alwin Wagner, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, äußert sich auf Nachfrage unserer Redaktion zur Lage der Wirtschaft vor Ort: „Die Unternehmen am südlichen Oberrhein stehen weiter unter Druck: Geopolitische Spannungen, Konsumschwäche, hohe Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel und steigende Kosten bremsen massiv die Wettbewerbsfähigkeit.“ Eine wirtschaftliche Trendwende sei nicht in Sicht, im Gegenteil, bedauert Wagner: „Viele Betriebe planen Stellenabbau, Investitionen bleiben auf niedrigem Niveau.“

Der IHK-Sprecher formuliert deshalb deutliche Forderungen an die Politik in Berlin: „Die neue Bundesregierung muss jetzt dringend handeln und wirtschaftspolitisch liefern: weniger Regulierung, schnellere Genehmigungen, bezahlbare Energie und echte steuerliche Entlastungen.“ Nur so lasse sich der Abwärtstrend stoppen und neues Wachstum ermöglichen, betont Wagner.

Immer mehr Betriebe sind zahlungsunfähig

Laut dem Statistischen Bundesamt haben im Jahr 2024 in Deutschland 21 812 Unternehmen Insolvenz angemeldet – rund 4000 mehr als im Jahr 2023. Die Zahl stieg damit um 22,4 Prozent, ähnlich wie bereits in 2023 (plus 22,1 Prozent). Die meisten Insolvenzanträge entfielen 2024 demnach auf das Baugewerbe, den Handel und den Bereich der freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen. Gegenüber 2019 ist die Insolvenzwahrscheinlichkeit besonders stark in den Bereichen Gesundheits-/Sozialwesen, Grundstücks- und Wohnungswesen, Information/Kommunikation sowie freiberufliche, wissenschaftliche, technische Dienstleistungen gestiegen, heißt es. Die aktuelle Lage: Weiterhin rutschen sehr viele Firmen in die Zahlungsunfähigkeit. Kürzlich hat die Auskunft Creditreform für das erste Halbjahr 2025 einen Anstieg um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 11 900 Insolvenzen hochgerechnet.