Was haben der Krieg im Iran und das Sondervermögen des Bundes konkret mit dem Handwerk in Freudenstadt zu tun? Mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
Über die aktuelle Lage der Branche sprach Oberbürgermeister Adrian Sonder mit der Geschäftsführung von Elektro Klaus-Dieter Ofzky.
Sonder und die städtische Wirtschaftsbeauftragte Elke Latscha besuchten das Handwerksunternehmen in der Gottlieb-Daimler-Straße. Was die Branche derzeit bewegt, schilderten Inhaber Klaus-Dieter Ofzky und sein Sohn Benedikt, der sich auf den Einstieg ins Familienunternehmen nach Abschluss seines Studiums der Wirtschaftswissenschaft in Tübingen vorbereitet.
Klaus-Dieter Ofzky treibt die Folgen der Sperrung der Straße von Hormus um. „Der Preis für 100 Kilo Kupfer ist zuletzt auf bis zu 1300 Euro gestiegen. Das wirkt sich auf die Baupreise aus, weil Stromkabel aus Kupfer bestehen“, so Ofzky. Überhaupt seien steigende Rohstoff- und Energiekosten Preistreiber in Handwerk und Baubranche.
Zeit für neue Wege
Daher sei es an der Zeit, neue Wege einzuschlagen. „Bei der Informationstechnik wird vielfach noch auf Leitungslösungen gesetzt. Bei einem Betriebsgebäude kommen schnell mal 20 Kilometer Leitungen zusammen“, so der Inhaber. Wlan-Netzwerke seien günstiger und flexibler. „Das spart doppelt Material und Arbeitszeit. Man muss nicht alle Wände aufstemmen, wenn die Übertragungskapazitäten nicht mehr ausreichen.“
Der Elektroinstallationsbetrieb, in der Gesellschaftsform des eingetragenen Kaufmanns geführt, beschäftigt 20 Mitarbeiter. 80 Prozent des Umsatzes macht Ofzky mit kommunalen Kunden wie Städten, Landratsämtern und dem Land Baden-Württemberg, der Rest ist Privatkundengeschäft.
Aktuell ist das Unternehmen, das Schwankungen in einzelnen Geschäftsbereichen durch die Mischung ausgleichen kann, gut ausgelastet. „Die Zahl der öffentlichen Ausschreibungen steigt aktuell wieder“, so Ofzky.
Mit dem Sondervermögen hat das wenig zu tun
Das hat laut Oberbürgermeister Sonder bislang noch wenig mit dem sogenannten Sondervermögen des Bundes zu tun, das zum Großteil in kommunale Investitionen fließen soll. „Es wird sich erst in den kommenden Jahren und über Jahre hinweg bemerkbar machen“, so Sonder. Aktuell sei noch gar nicht abschließend geklärt, wie die Städte und Gemeinden die Mittel abrufen können und wofür die Stadt Freudenstadt ihren Anteil einsetzen will.
Vier-Tage-Woche bei schwacher Konjunktur? „Passt nicht“
Was Klaus-Dieter Ofzky als Handwerker und Privatmensch umtreibt, sind die allgemein steigenden Kosten und rückläufige Leistungsbereitschaft in der Gesellschaft: „Ständig steigende Standards beim gleichzeitigen Trend hin zur vier-Tage-Woche und einer rückläufigen Konjunktur. Das passt für mich nicht mehr zusammen. Die Lösung wird nicht sein, einfach immer mehr Geld umzuverteilen. Früher war die Rechnung einfach: Arbeitsstunden bringen Geld. Mehr Arbeitsstunden, mehr Geld.“ Dazu würde er sich eine andere Haltung im Land wünschen: mehr Demut, Dankbarkeit, Zuversicht, Wertschätzung und gegenseitige Unterstützung.
Was sich Klaus-Dieter Ofzky von Staat und Politik erhofft, sind neue Denkweisen, auch bei öffentlichen Aufträgen. „Es gibt oft effizientere Lösungen für staatliche Projekte, die aber gar nicht angeboten werden können, wenn die Ausschreibungen zu starr sind.“ Dann scheitere Fortschritt am System. OB Sonder sagte, genau aus diesem Grund sei es wichtig, dass Stadt und Unternehmen im stetigen Austausch bleiben.