Eigene Ausbildungsreferentin, Lehrlingswerkstatt, digitales Berichtsheft: Elektro Eichkorn setzt auf intensive Betreuung – und hat keine Probleme Lehrstellen zu besetzen.
Unvollständige Berichtshefte gehören bei Elektro Eichkorn der Vergangenheit an. Seit Februar unterstützt Ausbildungsreferentin Maren Popp die 20 Auszubildenden des Handwerksbetriebs – die Handwerkskammer Konstanz macht auf dieses Modell in einer Pressemeldung aufmerksam.
Behutsam spürt sie Probleme auf und sucht nach Lösungen. Popp hat vorher an der Berufsschule unterrichtet und unterstützt den Betrieb in Brigachtal ein paar Stunden pro Woche. Bei Eichkorn kann sie individuell auf die Auszubildenden eingehen. Ziel ist der erfolgreiche Abschluss und die persönliche Weiterentwicklung.
Für Geschäftsführer Michael Eichkorn ist Ausbildung ein zentraler Erfolgsfaktor. „Die meisten Auszubildenden übernehmen wir nach dem Abschluss“, sagt er. Im Familienunternehmen mit über 60 Mitarbeitern haben viele schon ihre Lehre dort begonnen. „Die Jugendlichen entwickeln sich bei uns weiter, fachlich und menschlich. Wir wissen, was in ihnen steckt – und wollen sie noch gezielter unterstützen.“ Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs bei gleichzeitigem Fachkräftemangel brauche es gut ausgebildete Mitarbeiter, die für ihre Aufgabe brennen.
Werkstatt ein wichtiger Baustein
Ein wichtiger Baustein ist die Lehrlingswerkstatt. Max Mundinger und Marco Schüle, beide frisch ausgelernt – Mundinger als zweitbester im Kammerbezirk –, geben ihr Wissen weiter. Auf 15 Quadratmetern am Ende der Lagerhalle werden Lerninhalte wiederholt, vertieft und digital dokumentiert. „So sehen wir, wo noch Schwächen sind“, erklärt Schüle. Der Vorteil: Praxis auf der Baustelle und zusätzlich gezieltes Training.
Das Konzept funktioniere auch, weil Jugendliche andere Jugendliche anleiten.
Hemmungen fallen weg, Fragen werden auf Augenhöhe geklärt. „Wir nehmen uns die Zeit, gezielt auf die Prüfung vorzubereiten“, betont Eichkorn. Der Betrieb biete eine geschützte Umgebung, in der man Fehler machen dürfe. Stärken und Interessen – etwa Photovoltaik, Glasfaser oder Gebäudedigitalisierung – bestimmen die spätere Spezialisierung.
Kein Luxus, sondern essenziell
Dokumentiert wird alles im digitalen Berichtsheft. „Ich sehe genau, auf welchem Wissensstand die Azubis sind“, sagt Popp. Wird es nicht geführt, geht sie den Ursachen nach, hilft und gibt Feedback. Als feste Ansprechpartnerin nimmt sie sich Zeit für Sorgen und Ängste, vermittelt bei Bedarf Nachhilfe und fördert Leistungsstarke ebenso wie Schwächere.
„Das ist kein Luxus, sondern gute Ausbildung“, sagt Eichkorn. Zufriedene Auszubildende empfehlen den Betrieb weiter. „Wir haben keine Probleme, unsere Plätze zu besetzen“ – auch weil man bewusst Jugendlichen mit schwächeren Schulnoten eine Chance gebe.
Rund 30 Prozent der Azubis haben einen Migrationshintergrund. Für Popp liegt genau darin die Stärke des Betriebs: „Die Stärke dieses Betriebs liegt darin, dass diesen jungen Menschen die Chance gegeben wird, sich erstmal so zu zeigen, wie sie sind. So können wir jedem die nötige Unterstützung geben, um beruflich und persönlich zu wachsen.“