Frieder Scheerer, hier zusammen mit seiner Frau Angelika, die die Buchhaltung in der Schreinerei übernommen hatte, in der fast komplett ausgeräumten Werkstatt in Rötenberg. Foto: Wegner

Mit der Betriebsaufgabe zum Jahresende endet die fast 120-jährige Firmengeschichte der Schreinerei Frieder Scheerer in Rötenberg.

Die Werkstatt ist ausgeräumt, das Gebäude verkauft, der Holzboden gefegt und die Fenster sind geputzt. Zum Jahresende schließt die Schreinerei Frieder Scheerer in der Rötenbachstraße 16 nach fast 120-jährigem Geschäftsbetrieb.

 

Eigentlich, so erzählt der jetzige Inhaber Frieder – in diesem Fall der vierte – Scheerer, habe er gedacht, er könne das Unternehmen an einen Mitarbeiter weitergeben. Doch das habe nicht geklappt, was er schade fand. Und groß auf die Suche nach einem Käufer für den Schreinereibetrieb mit Produktionsgebäude habe er sich dann auch nicht begeben wollen. Somit wird das Gebäude selbst künftig von einem örtlichen Stukkateurbetrieb genutzt, die Schreinerei aufgelöst.

Vier Generationen – alle mit Vornamen Friedrich – hatten den Familienbetrieb über die Jahrzehnte aufgebaut – beginnend 1906 damals noch im benachbarten Gebäude am Bergweg 13. Und da eines der Geschwister Postbote war, der andere Schreiner, war der Hausname, der bis heute erhalten blieb, schnell gefunden: „Der Botte-Schreiner“.

In der dritten Generation erfolgte dann der Umzug nachdem zuvor die Schreinerei Mitte der 1930er-Jahre vom Urgroßvater zum Großvater gewechselt hatte. Frieder (III) erstellte dann 1974 das heutige Gebäude in der Rötenbachstraße 16, das dann der heutige Eigentümer bei der Übernahme des Geschäfts 1994 nochmals erweitert hatte.

1985 väterlichen Betrieb übernommen

Arbeiteten die ersten beiden Generationen noch alleine – und hatten neben ihrer Werkstatt noch Kühe und Schweine – änderte sich dies mit dem Umzug. „In der Regel waren es so vier weitere Mitarbeiter“, erzählt Frieder Scheerer. Teilweise seien aber auch bis zu neun Personen beschäftigt gewesen, erinnert sich der 62-Jährige. Er selbst war nach einer Lehre in Schramberg bei der Schreinerei Füchter und der Meisterschule ab 1984 zunächst ein Jahr auswärts tätig, bevor er 1985 in den elterlichen Betrieb gewechselt hatte. Sieben Auszubildende habe er in seinen Berufsjahren gehabt, erinnert sich Scheerer – und er kennt sie noch alle mit Namen.

Vor 49 Jahren hatte Karl Obermüller seine Lehre bei der Schreinerei Scheerer begonnen und ist Ende November dort als Meister in den Ruhestand gegangen Foto: Scheerer

Anlass für die jetzige Betriebsaufgabe sei neben dem Nachfolgermangel – der eigene Sohn hat eine andere Berufsplanung – auch gewesen, dass der langjährige Meister Karl Obermüller im November in den Ruhestand gegangen sei. Der Schenkenzeller war – bis auf eine Unterbrechung während seiner Bundeswehrzeit 49 Jahre in der Schreinerei Scheerer tätig, hatte dort seine Lehre absolviert, nebenher den Meister gemacht, sich auch im Bereich der CNC-Technik weitergebildet und zuletzt auch mit die Auszubildenden betreut.

Breites Produktspektrum

Produziert wurde vom Unternehmen so beinahe alles, was aus Holz gefertigt werden kann – Fenster, Türen, Küchen – für eine Kundschaft, die zu vier Fünftel Privatpersonen war. Hauptsächlich war das Unternehmen im Umkreis von rund 30 Kilometern um Rötenberg aktiv, aber auch bis Stuttgart hatte es Aufträge gegeben.

Auch in einigen öffentlichen Gebäuden war das Unternehmen tätig – so stammen die Holzwände der Sporthalle in Schiltach/Schenkenzell von Scheerer oder auch die neuen Fenster der Grundschule Rötenberg.

Operation steht an

Wie er beruflich künftig weitermachen will, kann Frieder Scheerer derzeit noch nicht sagen. Zunächst steht im Frühjahr seine zweite Hüftoperation mit anschließender Reha an. Dann will er sich etwas Zeit für sich und seine Frau gönnen – und für die Zeit danach gebe es auch schon Angebote in seinem Sektor. Denn ganz in den Ruhestand will Frieder Scheerer jetzt noch nicht gehen.