Peter Lachenmaier (rechts) und Refet Iseni waren ein eingeschweißtes Team – und hätten gerne noch weiter zusammengearbeitet. Foto: STZN/Dürr

Peter Lachenmaier beschäftigt in seinem Malerbetrieb im Schwarzwald zwei Jahre lang einen Asylbewerber aus Nordmazedonien. Dann muss er ihm unfreiwillig kündigen, es droht die Abschiebung. Doch Lachenmaier kämpft weiter um seinen Mitarbeiter.

Ob er jetzt Feierabend habe? Schließlich ist es bereits nach 16 Uhr – und Handwerker beginnen früh morgens mit der Arbeit. Bei der Frage kann Peter Lachenmaier nur schmunzeln, als er auf seiner Terrasse in Schenkenzell (Kreis Rottweil) Platz nimmt und sich eine Zigarette anzündet. Der Maler mit langem Zopf, Vollbart, weißen Farbklecksen auf Händen und T-Shirt hat zurzeit viel um die Ohren. Mehrere Baustellen muss der 57-Jährige fertigstellen. Feierabend? Daran ist gerade nicht zu denken.

 

Denn seit Ende Juli fehlt ihm sein einziger Mitarbeiter: Refet Iseni, 37 Jahre alt, gelernter Maler, ein Asylbewerber aus Nordmazedonien. Zwei Jahre waren die beiden Männer ein eingeschworenes Team – bis sich die zuständige Ausländerbehörde meldete. „Sie müssen ihm sofort kündigen, ab morgen ist es Schwarzarbeit“, lautete die Ansage aus dem Amt, erzählt Lachenmaier. Ein Schock für seinen kleinen Malerbetrieb im Schwarzwald. Wie „ein Schlag ins Gesicht“ sei das gewesen. Er hätte gerne noch lange mit Iseni zusammengearbeitet. Fleißig und zuverlässig sei der Mann aus Nordmazedonien – ein Mitarbeiter, den man sich als Chef nur wünschen könne. Solches Personal ist Gold wert in einer Branche, in der händeringend nach Fachkräften gesucht wird. Doch jetzt droht Iseni und seiner Familie die Abschiebung.

Berufliche Tätigkeiten werden in Asylverfahren nicht berücksichtigt

Dabei sei Isenis Arbeitserlaubnis eigentlich noch bis August 2025 ausgestellt gewesen, berichtet Lachenmaier. In dieser Annahme hatte er bereits mehrere Aufträge angenommen. Alleine könne er manche Baustellen unmöglich fertigstellen. „Der Mann sitzt jetzt daheim und kann nicht schaffen, aber ich brauche ihn dringend. Das ist paradox“, ärgert sich Lachenmaier. Sein einziger Mitarbeiter kam 2020 mit der Familie nach Deutschland. Und hier liegt das Problem, weil Iseni – aus einem laut Bundesregierung sicheren Herkunftsland kommend – einen Antrag auf Asyl stellte. Doch ob jemand ein Recht auf Asyl hat, hängt nur davon ab, ob und welche Gefahr dem Asylsuchenden bei Rückkehr in sein Herkunftsland droht.

„Integrationsleistungen kann und darf das Bundesamt bei der Entscheidung im Asylverfahren nicht berücksichtigen“, heißt es vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) – ohne Bezug auf den konkreten Fall. Und: „Berufliche Tätigkeiten haben bei der Prüfung des Asylantrags im Hinblick auf die Gewährung von asylrechtlichem Schutz keinen Einfluss.“ Auch Isenis Berichte von persönlichen Bedrohungen und Korruption in seiner Heimat helfen nicht weiter.

Petition gegen mögliche Abschiebung von 28 000 Menschen unterzeichnet

So wurde sein Asylantrag bereits im vergangenen Jahr abgelehnt. Von da an war Iseni zur freiwilligen Ausreise aufgefordert. Der Nordmazedonier gibt an, der Ablehnungsbescheid habe ihn nie erreicht. Er befindet sich inzwischen erneut im Asylverfahren.

Aber dass die Behörden dieses Mal zu einem anderen Ergebnis kommen, ist fraglich. Eine Möglichkeit, die im Raum steht: eine freiwillige zehnmonatige Ausreise, um dann wieder über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz nach Deutschland zu kommen. Doch Isenis Kinder gehen hier zur Schule, seine Söhne wollen bald beim örtlichen Fußballverein mit dem Kicken beginnen. Aus diesem gewohnten Umfeld sollen sie nicht herausgerissen werden.

Peter Lachenmaier will unbedingt verhindern, dass Iseni ausreisen muss oder gar abgeschoben wird. Mit Druck durch eine Petition, die bereits mehr als 28 000 Menschen unterzeichnet haben, mit Kontakt zu Politikern, die ihn unterstützen – und mit Aufmerksamkeit in den Medien. Er brauche Iseni – und Iseni braucht ihn: „Ich wohne hier, das ist eine gute Arbeit, die Kinder wollen hier bleiben“, sagt der Nordmazedonier.