Winterlingen baut seine Ganztagsbetreuung aus und erhöht die Gebühren. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag zu, es gab auch Gegenwind.
Kommunen müssen ab diesem Schuljahr eine Ganztagsbetreuung für die ersten Klassen anbieten – ein alter Schuh, wenn es nach Bürgermeister Michael Maier geht. Seit 2021, als das Gesetz beschlossen wurde, hatten die Gemeinden Zeit, sich darauf vorzubereiten. Die Grundschule in Winterlingen ist gut aufgestellt. Sie können die Betreuung nicht nur für die ersten Klassen, sondern für alle vier Jahrgangsstufen anbieten.
Eigentlich eine gute Nachricht. Weniger positiv dürften die Familien allerdings die neuen Gebühren für die Randzeitenbetreuung aufnehmen, die ab dem Schuljahr 2026/2027 gelten. Die werden nahezu verdoppelt. Argumente für die gestiegenen Preise gibt es, doch nicht alle Räte sind einverstanden.
„Das ist kein Wunschkonzert“
Die Grundschule in Winterlingen ist bereits eine Ganztagesschule in Wahlform und bietet eine Betreuung von Montag bis Donnerstag von 7.45 Uhr bis 15.45 Uhr an. Ab kommendem Schuljahr wird auch an den Freitagnachmittagen bis 15.45 Uhr eine Betreuung angeboten – alles gebührenfrei. Damit erfüllt die Schule dann auch das gesetzlich geforderte Pensum.
Im laufenden Schuljahr sind 54 von 163 Schülern für die Ganztagesschule angemeldet. Die Anmeldung erfolgt vor Schulstart und ist verbindlich: „Mein Kind muss dann in die Schule gehen. Das ist kein Wunschkonzert und kann nicht flexibel unterbrochen werden“, betonte Michael Maier.
Wenn die Betreuungszeit nicht reicht, gibt es für Eltern zudem noch die Möglichkeit, gegen Bezahlung eine Randzeitenbetreuung, die sogenannte „Verlässliche Grundschule“, zu buchen. Die wird in Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Haus Nazareth“ bereitgestellt. Diese Leistung ist freiwillig und kann auch kurzfristig gebucht werden. Die monatlichen Gebühren dafür steigen ab dem kommenden Schuljahr: von 25 Euro auf 45 Euro für die Morgenbetreuung (7 bis 7.45 Uhr), von 35 Euro auf 65 Euro für die Nachmittagsbetreuung (11.50 bis 13 Uhr und 15.45 bis 16.30 Uhr) und von 50 Euro auf 100 Euro für das Kombipaket.
Keine Zuschüsse dieses Jahr
„Wir gehen vom Worst Case aus“, betonte Maier im Hinblick auf die gestiegenen Gebühren mehrfach. Die Beträge müssten zum einen abfedern, dass für das Jahr 2026 mit keiner Landesförderung gerechnet werden könne. „Wir müssen erst mal in Vorleistung gehen“, bestätigte auch Kämmerer Bodo Erath. Bisher erhält die Kommune 26.000 Euro Zuschuss, zusätzlich zu den 24.000 Euro Elternbeiträgen.
Sollte im Jahr 2027 wieder eine Förderung eingehen, werde diese selbstverständlich entsprechend auf die Gebühren umgelegt, so Maier. „Aber wir können nicht mit ungelegten Eiern planen.“ Außerdem werde diese Förderung zu gering ausfallen, es handele sich dabei um eine Pauschalförderung: Das Land Baden-Württemberg übernehme 68 Prozent der Betriebskosten, der Rest sei von der Kommune zu stemmen.
Dabei werde von einem durchschnittlichen Betrag von 4,12 Euro pro Stunde ausgegangen, wonach sich ein Förderbeitrag von 2,80 Euro pro Stunde ergebe. „Keiner weiß, wie die auf diesen Betrag gekommen sind“, kritisierte Maier. „Wir liegen bei sieben Euro pro Stunde.“ Zum anderen seien die Gebühren bisher sehr niedrig angesetzt gewesen: „Die Randzeitenbetreuung soll Eltern ermöglichen, in einem Halb- oder Ganztagesjob arbeiten zu gehen“, sagte Maier. Wer über die Preise lamentiere, solle das in dieser Zeit verdiente Geld auf die Stundenbeiträge für die Kinderbetreuung umrechnen. „Wir sprechen von Monatsbeiträgen.“
Gebührensteigerung zu hoch
Gemeinderätin Annika Rieber kritisierte die Steigerung der Gebühren um 100 Prozent. „Ich sehe ein, dass die Steigerung notwendig ist, finde sie aber zu hoch. Die Familien haben finanziell viel zu stemmen. Manche haben auch zwei Kinder auf der Schule, die sind dann doppelt betroffen.“ Ihr Vorschlag: Die Beträge gestaffelt erhöhen und mit einer geringeren Steigerung der Gebühren anfangen: von 25 Euro auf 35 Euro für die Morgenbetreuung, von 35 Euro auf 55 Euro für die Nachmittagsbetreuung (11.50 bis 13 Uhr und 15.45 bis 16.30 Uhr) und von 50 Euro auf 75 Euro für das Kombipaket.
„Wir waren bis jetzt zu billig“, sagte Maier. Die kostenpflichtige Randzeitenbetreuung sei für arbeitende Eltern gedacht und keine Pflichtveranstaltung. Er verstehe, dass es ein großer Sprung sei, aber: „Kinderbetreuung ist steuerlich absetzbar. Und über die Jugendhilfe können Anträge auf Zuschüsse für die Kinderbetreuung gestellt werden.“
Änderungsvorschlag abgelehnt
Dirk Sieber räumte ein: „Die Kosten werden nicht bei sieben Euro bleiben, die Tendenz ist steigend.“ Die angespannte Haushaltslage trage ihren Rest dazu bei. Und Manfred Maier ergänzte: „Wir müssen schauen, dass wir irgendwo sparen, wir kommen nicht drumrum, die Beträge so zu belassen.“ Der Änderungsvorschlag von Annika Rieber wurde bei zwei Für-Stimmen vom Plenum abgelehnt.
Der Gemeinderat stimmte schließlich bei einer Gegenstimme für den Antrag der Verwaltung und die vorgeschlagene Gebührenerhöhung. Die tägliche Nachmittagsbetreuung von 15.45 Uhr bis 16.30 Uhr wird künftig nicht mehr angeboten, weil keine Nachfrage bestehe. Die gesparten Kosten können für die zusätzliche Nachmittagsbetreuung freitags als erweitertes Angebot der Ganztagesschule genutzt werden. Am Donnerstag, 26. März, gibt es einen Informationsabend für die Eltern, an dem die neuen Gebühren vorgestellt und erklärt werden.