Gute Betreuung kostet Geld. (Symbolfoto) Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.co

Der Gebührenanstieg in der Ganztagsbetreuung an Grundschulen und in den Ferien sorgt für Frust. Manche Eltern in Rottweil fragen sich: Hat die Stadt die Familien überhaupt im Blick?

Die Gebührenspirale bei der Betreuung von Grundschulkindern dreht sich. Die Stadt hatte Eltern noch vor den Weihnachtsferien informiert, dass ab dem zweiten Schulhalbjahr – also ab Februar 2026 – die Gebühren für die Betreuung steigen.

 

Natürlich bleibt Kritik nicht aus. Familien mit Schulkindern sehen sich zunehmend belastet. Vor allem jene, für die aufgrund ihrer Berufstätigkeit die Ganztags- und auch Ferienbetreuung alternativlos ist.

In den Sozialen Medien – unter anderem in einer örtlichen Facebook-Gruppe – machten Eltern ihrem Ärger Luft. Ein Elternteil sprach gar von einer Verdreifachung der Gebühren. „Wir sind auf eine bezahlbare Betreuung angewiesen, und derzeit wirkt es so, als würden arbeitende Familien überproportional belastet“, schreibt ein anonymes Mitglied.

Ein anderer schreibt: „Sei es Kita oder sonstige Betreuung, als normal verdienende Familie ist das kaum noch bezahlbar, obwohl man darauf angewiesen ist.“

Kaum noch bezahlbar

„Uns ist bewusst, dass diese große Anpassung für Familien eine zusätzliche Belastung bedeuten kann oder wird“, schreibt Fachbereichsleiter Bernd Pfaff in einem Brief an die Eltern. Die Stadt bedaure diese Entwicklung, halte diesen Schritt aber aufgrund der gesamtkommunalen Finanzlage für unvermeidlich.

In der Tat ist die ab sofort geltende Gebührenerhöhung nur ein Glied einer ganzen Kette von Maßnahmen, die der Gemeinderat in seinem „Spar-ammer“ am 12. November beschloss.

Das kostet die Betreuung

In Zahlen ausgedrückt bedeutet die Erhöhung der Betreuungskosten an Grundschulen, dass Eltern seit Februar 8,84 Euro statt wie bisher 4,84 Euro je Stunde bezahlen müssen. Bei einem Geschwisterkind, dessen Bruder oder Schwester gleichzeitig in einer Rottweiler Einrichtung oder Schule betreut wird, reduziert sich der Betrag auf 6,63 Euro. Hinzu kommen mögliche Ermäßigungen von 40 oder 60 Prozent für jene, die einen Familienpass haben.

Bei der Ferienbetreuung für Schulkinder sind künftig 129 Euro je Woche und Kind fällig, statt bisher 55 Euro. Die Betreuungszeiten sind dabei je nach Ferien unterschiedlich. Die Betreuung eines Kindergartenkinds kostet in den Sommerferien von 7.30 bis 13.30 Uhr 82,50 Euro – bis 15.30 Uhr 225 Euro.

Der Rechtsanspruch

Ab dem kommenden Schuljahr 2026/27 wird die Stadt in den meisten Grundschulen in Klasse 1 den bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umgesetzt haben. Wie die Stadt in einem Brief an die Eltern informiert, gehen damit „ weitere strukturelle und finanzielle Veränderungen“ einher. Heißt: auch im kommenden Schuljahr wird es eine weitere Gebührenrunde geben, weil die Betreuungszeiten angepasst werden.

Die Eltern können dann Module buchen, die pro Tag zwischen 12 Euro (Frühbetreuung) und 48 Euro (Mittag- und Hausaufgabenbetreuung) betragen. Vorgestellt wurde das Baukastensystem im KSV-Ausschuss am Mittwochabend.

Wir fragen bei der Stadt nach. Haben Verwaltung und Gemeinderat bei der Entwicklung der Gebühren die Auswirkungen auf die Familien im Blick?

Die Antwort aus dem Rathaus: „Ja!“ Verwaltung und Gemeinderat hätten die geplante Erhöhung der Betreuungsgebühren intensiv beraten. Das Ziel dabei sei gewesen, „die Angebote qualitativ zu sichern und einen angemessenen Kostendeckungsgrad zu erreichen, ohne Familien unverhältnismäßig zu belasten“.

Die Ganztags- und Ferienbetreuung habe in der Stadt Rottweil einen hohen Stellenwert. Sie sei zentrales Angebot für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ausbau versus Finanzlage

Einige Eltern, die die Erhöhung kritisieren, vermissen eine ausreichende Begründung der Kostensteigerungen. Wie etwa setzt sich die Erhöhung konkret zusammen? Und welche Kostensteigerungen liegen vor?

Die Schulverwaltung zählt auf: Das Leistungsspektrum im Hinblick auf das Betreuungsangebot sei in den vergangenen Jahren entsprechend des politischen und gesellschaftlichen Bedarfs erhöht worden. Im Ganztagsbereich sei etwa die Personalstruktur in den vergangenen Jahren „stetig den gewachsenen pädagogischen Vorgaben angepasst“ worden.

Zum anderen seien Angebote ausgebaut und eine Personalreserve aufgebaut worden. „All dies ist notwendig, um eine Betreuung zu gewährleisten, die den Anforderungen der Familien in der heutigen Zeit entspricht. Und all das kostet Geld“, so die Stadt.

Kosten steigen weiter

Die Erhöhung sei auch der Notwendigkeit geschuldet, dass die Stadt den Zuschuss aus Steuermitteln reduzieren muss, um überhaupt noch einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen zu können.

Was diese Entwicklung für die Zukunft bedeutet, kann sich jeder ausrechnen. Die Gebührenspirale wird sich noch ein Stück weiter drehen.