Seit 2017 ist die Zahl der städtischen Kindertagesstätten in Nagold von 13 auf 19 gestiegen.Die Zahl der Kita-Mitarbeiter hat sich sogar fast verdoppelt.
In der jüngsten Sitzung des Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss (Kusa) des Gemeinderats stand die Situation der Kindergärten im Fokus. Wie dabei deutlich wurde, verfügt Nagold über ein ausreichendes Platzangebot in den Kindertagesstätten, um den gesetzlichen Rechtsanspruch zu bedienen.
So berichtete Sachgebietsleiterin Sara Krauß, dass im Bereich der Kinder unter drei Jahren 180 Plätze zur Verfügung stehen und fügte hinzu: „Wir konnten jedem Kind einen Platz anbieten“.
Für die Ü3-Kinder standen zu Beginn des Kindergartenjahres 954 Plätze in den städtischen und kirchlichen Einrichtungen zur Verfügung. Trotzdem konnten nicht alle Kinder immer im Wunschkindergarten aufgenommen werden. Vor allem in den Kitas am Platanenkubus und auf dem Oberen Steinberg besteht eine höhere Nachfrage.
Zusätzliche Plätze zum neuen Kindergartenjahr
Durch die zusätzlichen Einrichtungen auf dem Wolfsberg, im Hasenbrunnen oder dem geplanten Naturkindergarten in Vollmaringen stehen im kommenden Kindergartenjahr unterm Strich 1054 Plätze für Kinder von drei bis sechs Jahren zur Verfügung.
Wie Sara Krauß weiter berichtete, werden in den 19 Nagolder Kindertagesstätten mit ihren 46,5 Gruppen insgesamt 175 Beschäftigte gezählt – darunter 139 pädagogische Fachkräfte. Sie sprach von einer aktuell „stabilen Personalsituation“ in den städtischen Einrichtungen.
Höherer Bedarf an integrativen Maßnahmen
Auf den steigenden Bedarf an integrativen Maßnahmen machte Antonietta Reisbeck für die pädagogische Fachberatung aufmerksam. So nehme die Zahl der Kinder mit „komplexem Unterstützungsbedarf“ deutlich zu – während gleichzeitig ein Rückgang der von Landratsamt genehmigten Stunden zu verzeichnen sei. Dies erschwere die Umsetzung einer qualitativ hochwertigen Integration. Durch die verzögerten Verfahren werde zudem das pädagogische Personal stark belastet.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die die gute Platzsituation in Nagold ist deshalb beabsichtigt, bei einem Kind mit festgestellten Integrationsbedarf zwei Plätze zu belegen. Dies sei gängige Praxis und würde eine besser personelle Ausstattung und mehr Zeit für die individuelle Förderung ermöglichen, so Antonietta Reisbeck.
„Wir haben ausreichend Puffer“
Wie Oberbürgermeister Jürgen Großmann in der Sitzung unterstrich, „wird in den Einrichtungen gute Arbeit geleistet - und wir haben ausreichend Puffer“. Vor dem Hintergrund perspektivisch abnehmender Kinderzahlen und dem aktuellen Platzangebot werde man in Sachen Neubauten zunächst allerdings vorsichtig agieren. Um Verständnis warb der OB dafür, dass trotz der zusätzlichen Kindergartenplätze nicht immer ein Platz im jeweiligen Wunschkindergarten angeboten werden könne.
In der anschließenden Diskussionsrunde der Kusa-Mitglieder zeigte sich Kurt Brei (CDU) „beeindruckt, was da an Arbeit drinsteckt“, und Bärbel Reichert-Fehrenbach (FDP/Grüne) bescheinigte den Mitarbeitern der Kindertageseinrichtungen „viel Herzblut bei ihrer Arbeit“. Allerdings fand sie es erschreckend, wenn vom Landratsamt in Sachen Integration der Rotstift angesetzt werde - denn das könne „uns irgendwann teuer zu stehen kommen“.
„Wichtige Grundlagen für die Grundschule“
Ebenfalls bedrückt von den Maßnahmen des Landratsamtes in Sachen Integration zeigte sich SPD-Rätin Daniela Steinrode, zumal in der Kindergärten „wichtige Grundlagen für die Grundschule geschaffen werden“. Wie Monika Wehrstein (CDU) unterstrich, bilde die Integration eine „zusätzliche herausfordernde Arbeit“ die Mitarbeiter. Kein Verständnis hatte sie dafür, dass hierzulande „überall der Rotstift angesetzt wird, während die Kindergärten in Berlin umsonst sind“.
Jürgen Großmann wies darauf hin, er hätte sich nie vorstellen können, dass beispielsweise an den Schülerbeförderungskosten gespart werde. Und der OB betonte: „Da sind wir noch nicht am Ende, das ist die pure Not“. Mit Blick auf das 20-Millionen-Defizit in den Kliniken, ist Großmann überzeugt, dass man sich in Zukunft noch „von weiteren liebgewonnen Themen verabschieden muss“.