Sebastian Werner (von links), Louis Völler, die Rektorin der Seeäckerschule, Janina Keck, Angela Fielsch, Waldhaus-Bereichsleiter Michael Groh, Stadtjugendreferent André Weiß und Matthias Heidenreich, Leiter des Maria-von-Linden-Gymnasiums, freuen sich darüber, dass es an den Schulen wieder Sozialarbeit gibt. Foto: Felix Biermayer

Mit Louis Völler hat das Jugendhaus-Team in Calw ein neues Mitglied. Sebastian Werner übernimmt die Sozialarbeit an der Seeäckerschule, Angela Fielsch am Maria-von-Linden-Gymnasium.

Im März verstarb der Schulsozialarbeiter des Maria-von-Linden-Gymnasiums (MvLG) und der Seeäckerschule, Markus Nack, überraschend. Sowohl für die Schüler als auch für Nacks Kollegen war das ein großer Schock. Doch neben der Trauer musste das von der Waldhaus gGmbH getragene Stadtjugendreferat noch eine andere Aufgabe bewältigen: geeignete Nachfolger finden. Das ist nun gelungen, wie Stadtjugendreferent André Weiß mitteilte.

 

Seeäckerschule Den Job an der Seeäckerschule übernimmt Sebastian Werner. Der 37-Jährige kommt eigentlich aus Jena, wohnt mittlerweile in Oberjesingen. Er studierte in Esslingen soziale Arbeit und arbeitet seit fast drei Jahren im Calwer Jugendhaus.

Nach Nacks Tod habe er gemeinsam mit Weiß mit den Schülern über die Ereignisse geredet. „Das war ’ne eindrückliche Runde“, erinnert sich Werner. Danach habe er teilweise Nacks Dienste übernommen. Was zunächst nur aushilfsweise war, ist seit dem neuen Schuljahr eine Dauerlösung.

Offenes Ohr

Jetzt gehören Einzelfallhilfe, Streitschlichten und einfach ein offenes Ohr haben zu seinem täglichen Geschäft. Aber auch die Trauerarbeit sei weiterhin ein Thema, so Werner. Wie schon im Jugendhaus begleitet ihn seine Hündin Zora überall hin.

Der Schäferhundmischling kommt gut an. „Die Schüler finden das mega cool“, sagt Werner. Manchmal gehe man gemeinsam mit dem Hund spazieren, und komme so über schwierige Themen einfach ins Gespräch.

Große Fußstapfen

Rektorin Janina Keck ist froh, Werner mit an Bord zu haben. Der habe in große Fußstapfen treten müssen, aber seine eigene Rolle gefunden. Die Situation habe sich gefestigt, „aber Markus bleibt als Erinnerung stehen“, so Keck. Werner sei nun für 110 Schüler zuständig. Die Fälle, um die er sich kümmern müsse, nähmen zu. Allerdings sei es heute auch akzeptierter, sich Hilfe zu holen. Deshalb könne sie nicht klar sagen, ob heute mehr Kinder als früher Hilfe benötigten - oder ob sich eben nur mehr Kinder meldeten.

Maria-von-Linden-Gymnasium Am MvLG hat zum neuen Schuljahr Angela Fielsch die Schulsozialarbeit übernommen. Die 41-Jährige wohnt in Stammheim. Bisher hat sie Erfahrungen in der Jugendhilfe in Pforzheim gesammelt, wo sie sich unter anderem mit Inobhutnahmen beschäftigte. Beim Landratsamt in Calw arbeitete sie in der Eingliederungshilfe und für das „Netzwerk für Demokratie und Courage“ organisierte sie Schulaktionstage. Die Schulsozialarbeit selbst sei aber ein für sie neuer Bereich, so Fielsch.

Ein halbes Jahr lang gab es am Maria-von-Linden-Gymnasium in Stammheim keine Schulsozialarbeit. Foto: Thomas Fritsch

„Ich bin langsam angekommen“, erzählt sie. Am Anfang sei das eine besondere Situation gewesen. Aber man habe sie gut aufgenommen. Sie habe schon Teambuildungmaßnahmen für die Unterstufe gemacht. Außerdem führe sie Beratungsgespräche, mache Klasseninterventionen oder helfe bei der Konfliktlösung im Alltag. Mobbing und digitale Gewalt seien oft Themen. Wobei sie feststelle, dass Prävention da durchaus helfe.

Vertrauen aufbauen

Fielsch ist nun für knapp 800 Schüler in rund 30 Klassen zuständig. Seit dem Sommer habe sie zwar noch nicht alle Schüler kennenlernen können, werde das durch Klassenbesuche aber nachholen. Sie merke jedoch, wie sich langsam Vertrauen aufbaue und die Schüler selbstständig mit Problemen zu ihr kämen.

Geräuschlose Arbeit

MvLG-Leiter Matthias Heidenreich erinnert sich, dass das halbe Jahr ohne Schulsozialarbeit herausfordernd war. Es sei dann erst aufgefallen, wie viel Markus Nack eigentlich präventiv geregelt habe. Ein Gymnasium ohne Schulsozialarbeit sei unvorstellbar. „Wir bräuchten eigentlich einen Schulsozialarbeiter allein für Medien“, sagt Heidenreich. Mit Fielsch seien alle am MvLG sehr zufrieden. Sie arbeite „geräuschlos und gut“.

Jugendhaus Weil Sebastian Werner nun in der Seeäckerschule arbeitet, wurde seine Stelle im Jugendhaus frei. Die übernimmt der 21-jährige Louis Völler aus Ebhausen. Der hat bei der Waldhaus gGmbH und in Villingen-Schwenningen dual soziale Arbeit studiert. Währenddessen sammelte er schon erste Erfahrungen im Waldenbucher Jugendhaus. Sein erster Kontakt nach Calw war seine Mitarbeit bei Mini-Calw im vergangenen Jahr. Seit Oktober arbeitet er nun fest im Calwer Jugendhaus.

Dass er selbst lange Fußball im Verein gespielt habe, helfe ihm, sagt Völler. Denn er könne beim Sportangebot in der Badstraßenhalle selbst mitkicken. Und auch, dass er so jung ist, sieht Völler als Vorteil. Er kenne zum Beispiel die Interessen der Jugendlichen gut. Er habe sich gut eingewöhnt. „Mit den Jugendlichen habe ich schnell connected“, erzählt er. „Louis hat bei uns die letzte Lücke geschlossen“, freut sich Stadtjugendreferent André Weiß. Völler arbeitet im Jugendhaus mit Maria Tryfonopoulou zusammen, die dort bereits seit drei Jahren tätig ist.