Zuletzt wollte die Stadt Calw den geplanten Waldkindergarten bei Alzenberg selbst übernehmen, nun könnte es anders kommen. Ein möglicher Betreiber hat eine Kooperation angeboten. Dieser führt bereits einen christlichen Natur- und Tierkindergarten.
Die Pläne für einen Waldkindergarten im Westen des Calwer Stadtgebiets schreiten voran.
Dieser soll das Angebot an Betreuungseinrichtungen erweitern und neben den „Wurzelkindern“ zwischen Stammheim und Holzbronn zum zweiten Waldkindergarten der Stadt werden.
Vorgeschichte
Bereits im Jahr 2022 hatte die Suche nach einem geeigneten Standort begonnen; dieser wurde schließlich bei den Tennisplätzen in Alzenberg gefunden.
Die Initiative, eine solche Einrichtung zu schaffen, war von der Stadt ausgegangen, das Interesse daran hatten allerdings bereits zuvor einige Eltern bekundet.
Ursprünglich war auch angedacht, dass Eltern – wie bei den „Wurzelkindern“ – einen Trägerverein gründen und die geplante Einrichtung bei Alzenberg dann selbst betreiben.
Aus Zeitgründen gescheitert
Das Interesse daran, so berichtete Isabel Götz, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Kultur, Tourismus bei der Stadt Calw, sei dagewesen. Eine Umsetzung dieses Vorhabens scheiterte jedoch letztlich aus Zeitgründen seitens der Mütter und Väter.
Die Stadt hatte indes bereits zuvor erklärt, in diesem Fall selbst als Träger einzuspringen – unter Umständen auch nur, bis sich ein anderer Betreiber findet.
Der Betreiber
Nun könnte es bereits so weit sein. Denn zwischenzeitlich kam ein freier Kindergartenträger auf die Verwaltung zu, der den Betrieb in Alzenberg übernehmen würde: der „Christliche Natur- und Tierkindergarten Lerche“.
Dahinter steht das Ehepaar Simone und Andreas Deierlein aus Bad Teinach-Zavelstein; beide betreiben bereits seit 2011 einen Naturkindergarten in Ditzingen, der 2020 erweitert wurde und inzwischen 40 Plätze umfasst..
Das Konzept
In der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses der Stadt stellte das Ehepaar nun sein Konzept vor.
Dieses fuße auf insgesamt fünf Säulen: Naturerlebnisse, Tierpädagogik, christliche Werte, musikalische Früherziehung sowie Vorbereitung auf die Schule in wöchentlichen altershomogenen Gruppen – und zwar von Beginn an.
Die Kinder sollen dabei die meiste Zeit im Freien verbringen, im Wald und auf den Wiesen, und sich nur bei wirklich schlechtem Wetter in eine Hütte zurückziehen.
Wasser, Strom sowie feste Toiletten
Jene Hütte wiederum soll im Unterschied zum Stammheimer Waldkindergarten fließendes warmes und kaltes Wasser, Strom sowie feste Toiletten bekommen.
In Sachen Tierpädagogik gibt es im bestehenden Naturkindergarten in Ditzingen Hühner und Schafe, in Alzenberg sei das aber nicht zwingend erforderlich, hier gebe auch Tiere im Umland.
Zu den christlichen Werten gehöre es nicht zuletzt, Bibelgeschichten zu vermitteln oder auch gemeinsam zu beten, erklärte Simone Deierlein.
Die Diskussion
Oliver Höfle (Gemeinsam für Calw) zeigte sich vom Konzept des Ehepaars angetan und freute sich, dass ein „erfahrener Träger“ gefunden worden sei. „Ich denke, die Nachfrage wird riesig sein“, meinte er. Doch wie gelinge es dem Paar an ausreichend Personal zu kommen?
Simone Deierlein erwiderte, hier habe es bis jetzt nie Probleme gegeben. Der Platz in der Natur gefalle nicht nur Kindern, sondern sei auch für Arbeitnehmer interessant.
„Missionarischer Touch“
Gudrun Mogler (Neue Liste Calw) wollte wissen, ob trotz der christlichen Ausrichtung auch beispielsweise Muslime kommen dürften, was Deierlein bejahte. In Sachen Werte solle es um „schlichte, einfach Grundlagen“, nicht um Unterschiede gehen.
Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw) war zwar grundsätzlich angetan, gerade jener christliche Aspekt gefiel ihr aber nicht so ganz – vor allem „dieser missionarische Touch, den Sie haben“, störe sie. Ihrer Ansicht nach sei es eher Sache der Eltern zu entscheiden, was Kindern zugemutet werden dürfe, gerade bei biblischen Geschichten.
Personalmäßig überhaupt zu stemmen?
Udo Raisch (CDU) wollte wissen, ob Alzenberg für das Paar personalmäßig überhaupt zu stemmen sei, immerhin gebe es ja auch noch die Einrichtung und Ditzingen. Und er warf die Frage auf, wie lange die beiden sich denn noch beruflich engagieren wollen. Simone Deierlein versicherte, den Kindergarten auf jeden Fall stabil aufzubauen und mindestens noch einige Jahre zu betreiben.
So geht es weiter
Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen beschloss das Gremium schließlich, das Projekt weiterzuverfolgen. Die Verwaltung hat nun die Aufgabe, zusammen mit den Trägern weiter zu planen.
Erst dann könnten auch die noch offenen Fragen der Räte, etwa nach der Zeitschiene (Höfle) oder nach den baulichen Aufgaben der Stadt (Christoph Perrot, Freie Wähler) beantwortet werden.
Gestartet werden soll zunächst mit einer Gruppe für 20 Kinder ab drei Jahren , eine Erweiterung wäre aber später möglich. Die Gebühren würden sich an denen der Stadt orientieren.