Der Kindergarten Hondingen einer von acht Kindertageseinrichtungen in Blumberg. Dennoch werden jetzt weitere Plätze benötigt. Der Bedarf steigt weiter. Foto: Conny Hahn

Ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort wie Blumberg zieht junge Familien an. Doch es mangelt in der Stadt wie fast überall an Kindergartenplätzen.

Blumberg – Immer mehr Betriebe und Familien machen ihre Entscheidung für einen Standort maßgeblich auch davon abhängig, welche Bildungs- und Betreuungsangebote in einer Stadt vorhanden sind. Wie nahezu überall zeichnet sich jedoch auch in Blumberg ab, dass Plätze fehlen.

 

Die Jugendhilfeplanung des Landkreises ist 2019 im Altersbereich zwei bis drei Jahre von einem Betreuungsbedarf von 70 bis 80 Prozent ausgegangen. Zum Stichtag am 31. Dezember vorigen Jahres hat es in der Stadt 99 Kinder im Alter zwischen zwei und drei Jahre gegeben. Bei einem Prognosebedarf von 70 Prozent werden laut Jugendamt künftig allein in diesem Altersbereich 69 Plätze gebraucht. Die sind aber mittel- und erst recht nicht kurzfristig in der Stadt vorhanden. Selbst auf lange Sicht bleiben Kindergarten- und Kita-Plätze absolute Mangelware.

Düstere Lage und Perspektive

Was Plätze in den Kinderbetreuungseinrichtungen in Blumberg anbelangt, sind die Lage und Perspektive eher duster. Aktuell existiert eine Warteliste für rund fünf Kinder, die zwischen April und Juli 2022 einen Kindergartenplatz in Riedböhringen benötigt gehabt hätten, aber bis September wohl warten müssen. Bereits vor der diesjährigen Vergabekonferenz hat sich abgezeichnet gehabt, dass hinzukommende Kinder derzeit nicht aufgenommen werden können.

Bis Juli nächsten Jahres fehlen schon jetzt acht Kindergartenplätze für Kinder über drei Jahre. Sie Stadt hat versucht, und versucht es immer noch, dem Mangel entgegenzuwirken – so beispielsweise durch die Einrichtung von Interimsgruppen in den Einrichtungen – , doch schon jetzt zeigt die Entwicklung der Geburtenzahlen in Epfenhofen und Fützen, dass bis Juli kommenden Jahres mindestens drei Plätze fehlen und bis Juli des darauffolgenden Jahres der Fehlbedarf an Plätzen um ach tauf elf ansteigen wird. Ein weiterer Ausbau des Kindergartens Epfenhofen ist laut Stadt dennoch nicht vorgesehen.

Kindergartenplätze in Riedöschingen reichen nicht mehr aus

Auch in Riedöschingen reichen seit März die 37 Kindergartenplätze nicht mehr aus. Daher wird die Kleingruppe mit zwölf Plätzen in eine normale Kindergartengruppe mit 25 Plätzen umgewandelt. Die Gruppe soll im September ihren Betrieb aufnehmen. Bei der aktuellen Vergabekonferenz hat die Stadt allen angemeldeten Kindern in der Evangelische Kindertagesstätte Buchberg Arche Blumberg einen Betreuungsplatz anbieten können. Bis Juli 2024 werden jedoch möglicherweise 25 Kindergartenplätze in der Kernstadt fehlen. Weitere Zuzüge und Veränderungen durch die Ausweitung von Baugebieten sind hier noch nicht berücksichtigt. In der Evangelischen Kita kann aufgrund der schwierigen Personalsituation aktuell keine Nachmittagsbetreuung der Regelgruppe ablaufen.

Aufgrund der fehlenden Plätze in der Kernstadt bis Juli kommenden Jahres und im Jahr darauf könnte die Verwaltung nachfolgende Interimslösung ins Visier nehmen. Falls die neu geschaffenen Krippenplätze aktuell nicht benötigt werden, wird zu überlegen und zu überprüfen sein, ob interimsweise eine zusätzliche Kindergartengruppe für Kinder über drei Jahre im Altbauteil der Evangelischen Kita eröffnet werden kann.

Kindertagesstätte St. Joseph: Nur 14 von 30 Ganztagsplätzen besetzt

Doch auch den umgekehrten Fall gibt es. In der Kindertagesstätte St. Josef Blumberg werden aktuell nur 14 von 30 Ganztages-Plätzen benötigt. Im Schnitt essen 24 Kinder in der Einrichtung ein warmes Mittagessen. Aufgrund der fehlenden Plätze in der Kernstadt, in Epfenhofen und in Riedböhringen sowie der dargestellten Auslastung der verschiedenen Angebote in der Einrichtung könnten die Angebote so optimiert werden, dass mehr Kinder aufgenommen werden können.

Die Anzahl an Toiletten und Waschbecken im Kindergarten Sophie Scholl lässt die Erhöhung der Platzzahl ohne Umbau nicht zu. Wegen fehlender Erweiterungsmöglichkeiten muss darüber nachgedacht werden, ob langfristig ein Neubau zur Erzielung von Synergieeffekten und Kombinationsmöglichkeiten mit der Kita Stadtzwerge sinnvoller ist. Kurz- bis mittelfristig muss die Kernstadt mit Blick auf die Einrichtung weiterer Kindergartengruppen deutlich zulegen.

Info: Stadt Blumberg plant Neubau in der Kernstadt

Interimslösungen können nur kurzfristig Abhilfe schaffen. Der Bedarf kann sich schnell ändern. Angedacht ist daher ein Neubau in der Kernstadt für vier Kindergartengruppen plus zwei Krippengruppen mit Erweiterungsmöglichkeit. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung den Bedarf weiterhin zu beobachten und Lösungen für das kommende Haushaltsjahr 2023 aufzuzeigen.