Eine Betreuung für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen soll ab Januar im alten Sägewerk in Baiersbronn angeboten werden. Foto: Monika Braun

Das Kinderhaus Luftikus in Baiersbronn geht ein neues Projekt an. Im ehemaligen Sägewerk der Skifabrik Morlok gibt es ab Januar ein Betreuungskonzept für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen. Derzeit laufen die umfangreichen Umbauarbeiten.

„Der genaue Begriff lautet ,inklusive Kindertagespflege‘, doch mit Pflege hat es nichts zu tun. Es geht um ein Betreuungsangebot von Tagesmüttern und -vätern“, erklärt Birgit Stiletto vom Kinderhaus im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Tageselternverein in Freudenstadt sei die offizielle Stelle, über die alles koordiniert wird.

 

„Wichtig ist uns der inklusive Gedanke: dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen Zeit miteinander verbringen, da wir immer wieder erleben, wie bereichernd es für alle Kinder ist. Natürlich können auch die Kinder von unseren Mitarbeitern dort einen Platz finden“, sagt sie.

Das ehemalige Sägewerk der Skifabrik diente bisher als Abstellschuppen. Im Keller sind immer noch die alten Sägewerksmaschinen zu finden – und die sollen auch dort stehen bleiben. Stiletto kann von einer bewegten Geschichte des Gebäudes erzählen. Einst stand das Gebäude in Baiersbronn und wurde als Turnhalle genutzt. „Der Rohstoff Holz war teuer, die Arbeitszeit noch günstig, und so kam es, dass man das ganze Gebäude einfach versetzt und hier an der alten Skifabrik wieder aufgebaut hat, als die Turnhalle nicht mehr benötigt wurde.“

Kleine Gruppen

Als der Verein Luftikus damals das Skifabrik-Areal kaufte, fiel der Innenarchitektin gleich auf, dass der Keller jünger als das Gebäude selbst war. „Wir wollten wissen, was es damit auf sich hat, und so kamen wir der Geschichte mit der alten Baiersbronner Turnhalle auf die Spur“, erklärt Stiletto.

Bald sollen die Kinder in den Räumlichkeiten turnen und toben. Dafür wird alles grundlegend saniert. „Es können sowohl Kinder unter wie auch über drei Jahren aufgenommen werden. Wir möchten zunächst mit den Kindern unter drei Jahren an drei Vormittagen starten und an zwei Nachmittagen die Betreuung für Kinder über drei Jahren anbieten.“ Zunächst könnten je Kleingruppe fünf Kinder aufgenommen werden, ein Ausbau bis zu sieben Kindern sei möglich. „Wir möchten die Gruppen bewusst klein halten, damit die Betreuungsqualität stimmt.“ Aktuell laufe die Suche nach Personal auf Hochtouren, einige Gespräche hätten bereits stattgefunden.

Das ehemalige Sägewerk der Skifabrik Morlok wird umgebaut. Foto: Monika Braun

Die Größe des ehemaligen Schuppens ist von außen nicht zu erahnen, die Decken sind hoch. „Große Fenster, ein großzügiger Gruppenraum, eine Küche, ein Lesebereich und auch ein Atelier für kreative Arbeiten wird es geben“, beschreibt Stiletto. Im oberen Bereich entsteht noch ein Appartement mit Platz für ein bis zwei Personen, das für Übernachtungen von Mitarbeitern oder Eltern der „Luftikus“-Kinder genutzt werden soll.

Pflege rund um die Uhr

Auf dem großen, idyllisch gelegenen Gelände gibt es zudem ein vielfältiges Spielangebot. Durch Spenden und Fördergelder, zum Beispiel aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR), wurde das Projekt bisher ermöglicht. Stiletto ist sich sicher, dass das neue Angebot gut angenommen wird, und freut sich, dass der Schuppen wieder eine Verwendung findet.

Aktuell werden im Kinderhaus Luftikus sieben Kinder betreut, die beatmet werden müssen und rund um die Uhr Pflege brauchen.

Ab Oktober darf das Kinderhaus ausbilden

Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt die Einrichtung – und es dürfen auch noch mehr werden, sagt Stiletto. „Wir würden uns freuen, wenn wir neue Pflegefachkräfte bekommen würden. Dann könnten wir noch mehr Kinder aufnehmen.“ Ab Oktober dürfe das Kinderhaus zudem selbst ausbilden, so dass junges eigenes Personal nachkommen kann.